Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass die Führungsetagen der Wirtschaft kaum weiblicher werden. So habe sich der Anteil der Männer in den Vorständen 2010 im Vergleich zu 2006 „nur in homöopathischen Dosen“ verringert.
Lange Arbeitszeiten und Aufopferungsbereitschaft gelten als Qualifikationsmerkmale für Chefs.
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Lange Arbeitszeiten und Aufopferungsbereitschaft gelten als Qualifikationsmerkmale für Chefs.
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Wenn, wie im Fall von Doris Schröder-Köpf, eine Frau in den Aufsichtsrat eines Unternehmens wie Karstadt einzieht, sorgt das für Schlagzeilen – nicht nur, wenn man die Gattin eines ehemaligen Kanzlers ist. Dadurch entsteht bisweilen der Eindruck, es tue sich etwas in den Führungsgremien der deutschen Wirtschaft. Doch dieser Eindruck täuscht, wie eine neue Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin zeigt.
In den Aufsichtsräten und Vorständen hierzulande gibt es weiterhin kaum Frauen: Mehr als 90 Prozent der 100 größten Unternehmen haben keine einzige Frau im Vorstand. 2010 lag der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten Unternehmen bei schlappen 3,2 Prozent, in den größten 100 sowie in den Dax-30-Konzernen sogar nur bei 2,2 Prozent, wie das DIW-Managerinnen-Barometer belegt.
„Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass freiwillige Selbstverpflichtungen wie bisher nicht reichen“, sagt DIW-Expertin Elke Holst. Die Wirtschaft hatte sich schon 2001 für mehr Frauen in Führungspositionen ausgesprochen. Holst fordert deshalb von den Unternehmen, sich verbindliche Zielgrößen innerhalb eines festen Zeitrahmens zu setzen, damit sich spürbar etwas ändert.
Der Untersuchung zufolge hat sich der Anteil der Männer in den Vorständen 2010 im Vergleich zu 2006 „nur in homöopathischen Dosen“ verringert, nämlich um zwei Prozentpunkte auf 96,8 Prozent. Damit stellten sie immer noch fast alle Posten in dem Gremium. Der Frauenanteil in den Vorständen legte gegenüber 2009 nur um 0,7 Prozentpunkte zu – damit stehen 29 Frauen 877 Männern gegenüber. Noch seltener sind weibliche Vorstandschefs: In den 100 größten Unternehmen gibt es gar keine, innerhalb der „Top 200“ bilden Isabell Remus, Vorstandsvorsitzende bei Sandoz International im bayerischen Holzkirchen, und Petra Hesser, Chefin bei Ikea Deutschland, die Ausnahmen.
Frauen in deutschen Aufsichtsräten
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Frauen in deutschen Aufsichtsräten
Beatrice Weder di Mauro, eine der fünf Wirtschaftsweisen, sitzt im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp. Die Schweizerin ist Professorin der Universität Mainz uns seit 2004 Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung.
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Susanne Klatten ist Großaktionärin bei BMW und Mitglied im Aufsichtsrat. Die Erbin der Familie Quandt gilt mit einem geschätzten Vermögen von 11,1 Milliarden US-Dollar als reichste Frau Deutschlands. Bereits 1993 wurde Klatten mit 31 Jahren Mitglied im Aufsichtsrat des Chemiekonzerns Altana.
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Die Finnin Sari Baldauf war mal Nokia-Chefin und ist heute Mitglied des Daimler-Aufsichtsrates.
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Die Vorsitzende des Institutes für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, ist gleich in drei Aufsichtsräten vertreten: Bei der Allianz und dem Chiphersteller Infineon sowie bei dem Fahrzeugkonzern MAN.
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Sie gehört zu den prominenteren weiblichen Aufsichtsratsmitgliedern: Benita Ferrero-Waldner, jetzt bei Munich Re, saß in der EU-Kommission und war Außenministerin von Österreich.
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Martina Koederitz gilt als zäh, robust, hartnäckig. Sie ist die neue Deutschland-Chefin von IBM.
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Die promovierte Philologin Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf, wurde 2008 Mitglied im Aufsichtsrat von Siemens und Mitglied im Aufsichtsrat der Lufthansa.
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Auch Sibylle Wankel von der IG Metall Bayern sitzt im Siemens Aufsichtsrat. Mit Bettina Haller, Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, und Birgit Steinborn, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, vertreten dort noch zwei weitere Frauen die Arbeitnehmer. Nicht nur bei Siemens kommen Frauen häufig über den Betriebsrat in die Aufsichtsgremien deutscher Firmen.
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Neben Leibinger-Kammüller sitzen im Aufsichtsrat der Lufthansa noch zwei weitere Frauen: Dominique Hiekel und Marlies Rose - sie vertreten die Arbeitnehmer.
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Spitzenreiter unter den Dax-Unternehmen, was weibliche Aufsichtsratsmitglieder betrifft, ist der Branchenprimus deutsche Bank. In dem Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen sechs Frauen - und 14 Männer. Stellvertretende Vorsitzende ist die Gewerkschafterin Karin Ruck.
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Auch die Sozialwissenschaftlerin Marlehn Thieme, Mitglied im Rat der EKD, sitzt im Aufsichtsrat der Bank. Thieme machte 1986 eine Traineeausbildung bei der Deutschen Bank und arbeitete sich hoch. Weitere Frauen im Aufsichtsrat des Geldinstituts sind: Martina Klee, Suzanne Labarge, Henriette Mark und Gabriele Platscher.
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Den zweiten Platz im Dax-Ranking belegt die Commerzbank: Im Aufsichtsrat der Bank sind fünf Frauen vertreten.
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Jeweils vier weibliche Aufsichtsräte haben die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, Waschmittelhersteller Henkel und der Pharmakonzern Merck.
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Marie-Christine Lombard ist Vorstandsmitglied von TNT - und gleichzeitig eine von drei Frauen im Aufsichtsrat der Metro AG.
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Sabine Bauer ist Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsratsgremium von Adidas im fränkischen Herzogenaurach.
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Heidi Thaler-Veh vertritt ebenfalls die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat des Sportartikelherstellers.
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Keine einzige Frau findet sich beispielsweise in den Aufsichtsräten von Fresenius ...
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... dem Maschinenbaukonzern Linde...
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... und HeidelbergCement.
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Seit 1994 ist Gabriele Gratz Betriebsratsvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats des Energiekonzerns Eon. Mit der Juristin Karen de Segundo ist im Eon-Aufsichtsrat noch eine weitere Frau vertreten.
Dagmar Mühlenfeld ist Oberbürgermeisterin von Mühlheim an der Ruhr - und gleichzeitig Aufsichtsrätin bei RWE. Die Betriebsratsvorsitzende Dagmar Schmeer vertritt die Arbeitnehmer im RWE-Aufsichtsrat.
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Roswitha Süßelbeck ist eine von zwei Aufsichtsrätinnen bei Bayer.
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Auch Petra Kronen vertritt die Arbeitnehmerseite im Chemiekonzern.
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Die Belgierin Denise Schellemans vertritt die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsratsgremium von BASF.
Aufsichtsräte in Deutschland werden von Männern dominiert. Doch eine Frau hat es sogar ganz an die Spitze eines Dax-Konzerns geschafft: Die Henkel-Erbin Simone Bagel-Trah führt das Gremium des Düsseldorfer Klebstoff- und Waschmittelherstellers Henkel. Hier neben einer Büste des Firmengründers Fritz Henkel.
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Fotostrecken Wirtschaft
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Besonders in der Finanzbranche beherrschen Männer die Chef-Etagen
Besonders in der Finanzbranche sind Frauen unterrepräsentiert. Und das, obwohl dort mehr als die Hälfte der Beschäftigten weiblich ist. Die Hoffnung habe sich nicht erfüllt, dass die Umwälzungen in den Vorständen und Aufsichtsräten von Banken und Sparkassen im Zuge der Krise zu einem höheren Frauenanteil führen würden, so die Studie. Ihr Anteil in den Vorständen ist seit 2006 nur um 0,4 Prozentpunkte auf 2,9 gestiegen. Bei den Versicherungen blieb er mit 2,5 Prozent unverändert.
Bei den Aufsichtsräten sieht es etwas besser aus: In den 200 größten Unternehmen sind immerhin 10,6 Prozent der Posten in Frauenhand (0,8 Prozentpunkte mehr als 2009). Der Grund dafür sind die Mitbestimmungsregeln, die einen bestimmten Anteil von Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat vorschreiben. „Mehr als 70 Prozent der Frauen in Aufsichtsräten sind Arbeitnehmervertreterinnen“, sagt Holst.
Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Aufsichtsräten damit immerhin im Mittelfeld. Anders bei den Vorständen: Egal ob Schweden, Frankreich (dort wurde jüngst eine gesetzliche Quote für große börsennotierte Unternehmen verabschiedet), USA, China, Brasilien oder Russland: In all diesen Ländern besetzen mehr Frauen Vorstandsposten als hierzulande.
Trotzdem fordert Holst keine gesetzliche Frauenquote, wie es sie schon seit dem Jahr 2003 in Norwegen gibt. Der Frauenanteil stieg danach von sechs auf die vorgegebenen 40 Prozent.
Die öffentliche Zustimmung für eine Quote dürfte zwar wachsen, so DIW-Wissenschaftlerin Holst. „Am besten wäre es aber, wenn die Unternehmen selbst mehr Frauen in Führungspositionen berufen.“