Wenn man Stephanie Bschorr fragt, könnte die gesetzliche 40-Prozent-Quote in den Aufsichtsräten deutscher Großunternehmen früher eingeführt werden als 2023, wofür sich jüngst der Bundesrat ausgesprochen hat. „Wir haben seit 2009 eine Datenbank mit 500 hochqualifizierten Frauen aufgebaut, die jederzeit ein Aufsichtsratsmandat übernehmen könnten“, sagt die Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU). 20 Prozent Frauen in Aufsichtsräten in fünf Jahren, 40 Prozent in acht – für Bschorr realistische Ziele. Sie selbst hat zwei Kinder und ist Geschäftsführerin einer Berliner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Der VdU hat zudem bisher 120 Unternehmerinnen in Seminaren für die Übernahme eines Sitzes in einem Aufsichtsgremium qualifiziert. Auslöser für das 2013 auslaufende Projekt, das vom Bund und dem Europäischen Sozialfonds finanziert wird, war die immer wiederkehrenden Behauptung, dass vakante Positionen nicht mit Führungsfrauen besetzt werden können, da es keine geeigneten Kandidatinnen gebe.
Regel auch für Vorstände
„Abwarten können wir uns in Deutschland nicht leisten, wenn wir als Wirtschaftsnation weiterhin führend bleiben wollen. Wir können auf die gut ausgebildeten Frauen nicht länger verzichten“, sagt Bschorr. Deswegen plädiert sie auch für die Einführung einer Quote in den Führungsetagen, nicht nur im Aufsichtsrat, der als Kontrollorgan wenig Einfluss aufs tägliche Geschäft“ habe. In den Vorständen sei jedoch etwas schwieriger, 40 Prozent umzusetzen, räumt sie ein – besonders in Unternehmen aus den Mint-Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.
Der VdU ist nach eigenen Angaben der einzige Verband, der branchenübergreifend die Interessen insbesondere mittelständischer Unternehmerinnen aus Industrie, Handwerk, Handel und Dienstleistung vertritt. Seine 1600 Mitglieder repräsentieren nach Einschätzung ihrer Präsidentin etwa die Hälfte aller Unternehmerinnen in Deutschland.
Deutschlands Unternehmen werden von einem Männer-Club kontrolliert. In einem Ranking der DSW-Anlegerschützer über die einflussreichsten Aufsichtsräte taucht die erste Frau auf Platz 26 auf: Renate Köcher, die für die Allianz, BMW und Infineon tätig ist.
Foto: imago stock&peopleUnd die haben es einer erstmals und in Kooperation mit der Deutschen Bank durchgeführten Online-Umfrage zufolge immer noch schwer, sich im Wirtschaftsleben zu behaupten. So geben gut 80 Prozent an, dass es Männer durch die etablierten Traditionen als Unternehmer wesentlich einfacher haben als Frauen. Fast die Hälfte hat zudem schon Erfahrungen mit Ablehnung im beruflichen Alltag gemacht, weil sie eine Frau sind. Genauer nachgefragt wurde nicht, Stephanie Bschorr kann nur vermuten, was die Befragten erlebt haben: Etwa die gläserne Decke, also das Phänomen, dass Frauen in Unternehmen oft nicht übers mittlere Management hinaus kommen. „Manche Dinge werden einem schlicht nicht zugetraut.“ Oder die weiter dominante, klassische Rollenverteilung zwischen Mann und Frau.
77 Prozent der Befragten glauben, dass eine stärkere Präsenz von Frauen im Top-Management größeren wirtschaftlichen Erfolg bringen würde. Ebenso viele wünschen sich ein weibliches Netzwerk als Ergänzung zu den traditionellen Netzwerken ihrer männlichen Kollegen. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann man mit Männern nicht so gut besprechen“, sagt Bschorr, „da fehlt noch die Erfahrung“.
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22% | Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen. |
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67% | Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht. |
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11% | Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend. |

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