Frauen verdienen nach wie vor 23 Prozent weniger als Männer. Die SPD fordert eine gesetzliche Pflicht für Firmen.
Muss frau sich für „gerechte“ Bezahlung verkleiden? Nein!
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Muss frau sich für „gerechte“ Bezahlung verkleiden? Nein!
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Berlin –
Die SPD-Bundestagsfraktion hat Eckpunkte für ein Entgeltgleichheitsgesetz vorgelegt, mit dem die Ungleichheit der Entlohnung von Männern und Frauen beseitigt werden soll. Arbeitgeber sollten verpflichtet werden, ein Entgeltbericht zu erstellen, an dem Betriebs- und Personalräte ebenso wie Gleichstellungsbeauftragte beteiligt sein sollen, schlug die Fraktion zum Equal-Pay-Day am heutigen Freitag vor.
Das Statistische Bundesamt belegte derweil die nach wie vor bestehende Diskrepanz in der Bezahlung: Rund 23 Prozent beträgt der durchschnittliche Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männer in Deutschland. 23 Prozent betrug er bereits im Vorjahr und ebenso im Jahr davor.
Seit 2006 hat sich allenfalls die Stelle nach dem Komma verändert, der Umstand selbst dagegen nicht. Als Ursachen für die Lohndifferenz nennt das Statistische Bundesamt Unterschiede in der Berufs- und Branchenwahl sowie die Tatsache, dass Frauen tendenziell in Jobs beschäftigt sind, die ihnen weniger Führungsaufgaben und eine relativ geringere fachliche Qualifikation abverlangen. Auch trage der höhere Anteil von Frauen in geringfügiger Beschäftigung zu dem Unterschied bei.
Bundesfamilien- und Frauenministerin Kristina Schröder war dieser Umstand gestern immerhin eine kurze Stellungnahme wert: Es sei den weiblichen Beschäftigten nicht gelungen, „typische Frauenberufe“ zu überwinden, kritisierte sie. Die Situation auf dem Land sei gar noch beklagenswerter. Hier liege der Lohnabstand noch über dem bundesdeutschen Durchschnitt, weshalb sie ankündigte, ein Projekt des Deutschen Landfrauenverbandes unterstützen zu wollen, mit dem künftig in den Regionen die Betriebe für familienfreundliche Arbeitsbedingungen „sensibilisiert“ werden sollen. „Frauen in ländlichen Regionen erhielten so Rückenwind“, sagte die Ministerin.
Frauen in deutschen Aufsichtsräten
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Frauen in deutschen Aufsichtsräten
Beatrice Weder di Mauro, eine der fünf Wirtschaftsweisen, sitzt im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp. Die Schweizerin ist Professorin der Universität Mainz uns seit 2004 Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung.
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Susanne Klatten ist Großaktionärin bei BMW und Mitglied im Aufsichtsrat. Die Erbin der Familie Quandt gilt mit einem geschätzten Vermögen von 11,1 Milliarden US-Dollar als reichste Frau Deutschlands. Bereits 1993 wurde Klatten mit 31 Jahren Mitglied im Aufsichtsrat des Chemiekonzerns Altana.
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Die Finnin Sari Baldauf war mal Nokia-Chefin und ist heute Mitglied des Daimler-Aufsichtsrates.
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Die Vorsitzende des Institutes für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, ist gleich in drei Aufsichtsräten vertreten: Bei der Allianz und dem Chiphersteller Infineon sowie bei dem Fahrzeugkonzern MAN.
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Sie gehört zu den prominenteren weiblichen Aufsichtsratsmitgliedern: Benita Ferrero-Waldner, jetzt bei Munich Re, saß in der EU-Kommission und war Außenministerin von Österreich.
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Martina Koederitz gilt als zäh, robust, hartnäckig. Sie ist die neue Deutschland-Chefin von IBM.
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Die promovierte Philologin Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung des Werkzeugmaschinenherstellers Trumpf, wurde 2008 Mitglied im Aufsichtsrat von Siemens und Mitglied im Aufsichtsrat der Lufthansa.
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Auch Sibylle Wankel von der IG Metall Bayern sitzt im Siemens Aufsichtsrat. Mit Bettina Haller, Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, und Birgit Steinborn, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, vertreten dort noch zwei weitere Frauen die Arbeitnehmer. Nicht nur bei Siemens kommen Frauen häufig über den Betriebsrat in die Aufsichtsgremien deutscher Firmen.
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Neben Leibinger-Kammüller sitzen im Aufsichtsrat der Lufthansa noch zwei weitere Frauen: Dominique Hiekel und Marlies Rose - sie vertreten die Arbeitnehmer.
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Spitzenreiter unter den Dax-Unternehmen, was weibliche Aufsichtsratsmitglieder betrifft, ist der Branchenprimus deutsche Bank. In dem Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen sechs Frauen - und 14 Männer. Stellvertretende Vorsitzende ist die Gewerkschafterin Karin Ruck.
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Auch die Sozialwissenschaftlerin Marlehn Thieme, Mitglied im Rat der EKD, sitzt im Aufsichtsrat der Bank. Thieme machte 1986 eine Traineeausbildung bei der Deutschen Bank und arbeitete sich hoch. Weitere Frauen im Aufsichtsrat des Geldinstituts sind: Martina Klee, Suzanne Labarge, Henriette Mark und Gabriele Platscher.
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Den zweiten Platz im Dax-Ranking belegt die Commerzbank: Im Aufsichtsrat der Bank sind fünf Frauen vertreten.
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Jeweils vier weibliche Aufsichtsräte haben die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, Waschmittelhersteller Henkel und der Pharmakonzern Merck.
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Marie-Christine Lombard ist Vorstandsmitglied von TNT - und gleichzeitig eine von drei Frauen im Aufsichtsrat der Metro AG.
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Sabine Bauer ist Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsratsgremium von Adidas im fränkischen Herzogenaurach.
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Heidi Thaler-Veh vertritt ebenfalls die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat des Sportartikelherstellers.
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Keine einzige Frau findet sich beispielsweise in den Aufsichtsräten von Fresenius ...
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... dem Maschinenbaukonzern Linde...
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... und HeidelbergCement.
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Seit 1994 ist Gabriele Gratz Betriebsratsvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats des Energiekonzerns Eon. Mit der Juristin Karen de Segundo ist im Eon-Aufsichtsrat noch eine weitere Frau vertreten.
Dagmar Mühlenfeld ist Oberbürgermeisterin von Mühlheim an der Ruhr - und gleichzeitig Aufsichtsrätin bei RWE. Die Betriebsratsvorsitzende Dagmar Schmeer vertritt die Arbeitnehmer im RWE-Aufsichtsrat.
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Roswitha Süßelbeck ist eine von zwei Aufsichtsrätinnen bei Bayer.
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Auch Petra Kronen vertritt die Arbeitnehmerseite im Chemiekonzern.
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Die Belgierin Denise Schellemans vertritt die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsratsgremium von BASF.
Aufsichtsräte in Deutschland werden von Männern dominiert. Doch eine Frau hat es sogar ganz an die Spitze eines Dax-Konzerns geschafft: Die Henkel-Erbin Simone Bagel-Trah führt das Gremium des Düsseldorfer Klebstoff- und Waschmittelherstellers Henkel. Hier neben einer Büste des Firmengründers Fritz Henkel.
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Wirtschaftsbosse zur Frauenförderung
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Wirtschaftsbosse zur Frauenförderung
"Es bedarf keiner Quoten, um Frauen ins Top-Management zu bringen. Was will man mit einer Quote jetzt noch erreichen? Dann wäre so etwas vor 10 oder 20 Jahren sinnvoll gewesen."
Frank Appel, Vorstandschef der Deutschen Post
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"Eine Quote behandelt das Symptom, nicht die Krankheit: Maßnahmen müssen bei den Ursachen ansetzen; nämlich bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere."
Kommunikationsabteilung Infineon
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"In den vergangenen Jahren haben bei uns immer mehr Frauen verantwortungsvolle Aufgaben übernommen. Sie sind aber noch nicht so stark vertreten, wie es ihren Qualifikationen entsprechen würde. Das wollen wir ändern."
Ulrich Sieber, Vorstandsmitglied der Commerzbank
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"Viel wichtiger als eine Quote ist aus der Sicht von Beiersdorf die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die für viele Frauen immer noch ein großes Problem darstellt."
Kommunikationsabteilung Beiersdorf
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"K+S hat die Charta der Vielfalt unterzeichnet und sich so verpflichtet, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Wertschätzung erfahren - unabhängig von Geschlecht, Rasse, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität. Eine besondere Förderung der Frauen - ausschließlich aufgrund ihres Geschlechts - würde gegen die Charta der Vielfalt verstoßen und wäre verfassungsrechtlich bedenklich."
Kommunikationsabteilung K+S
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"Wir sind überzeugt, dass Handeln und das Schaffen geeigneter Rahmenbedingungen wichtiger und nachhaltiger sind als Quoten."
Kommunikationsabteilung Deutsche Börse
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"Frauenquoten sind ein notwendiges Übel."
Rita Lietzke, Personalmanagerin Deutsche Telekom
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Die Debatte um die Frauenquote hat die deutsche Wirtschaft erreicht. Wir haben Topmanager von Dax-Konzernen gefragt, wie sie zur Frauenförderung stehen. Das sind ihre Antworten: "Wir haben in der Deutschen Bank Frauen, die eine Quote nicht nötig haben."
Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank
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dpa
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Bisherige Praxis gescheitert
Um Transparenz sicherstellen und gleichzeitig Datenschutz gewährleisten zu können, soll sich laut SPD-Vorschlag die staatliche Antidiskriminierungsstelle einschalten. An sie sollen die Unternehmen die Entgeltberichte zur Prüfung weiterleiten. Das Ergebnis wird den Betrieben mitgeteilt. Die wiederum sind verpflichtet, die anonymisierten Daten betriebsöffentlich zu machen.
Ergibt die kursorische Prüfung einen Verdacht auf Entgeltdiskriminierung wird das Unternehmen verpflichtet, sich einer detaillierten, expertengestützten Prüfung zu unterziehen. Wird eine ungleiche Bezahlung der Geschlechter festgestellt, ist das Unternehmen verpflichtet, diese innerhalb einer gesetzlichen Frist auszugleichen. Betriebe, die bei einer sofortigen Anpassung der Entgelte in ihrem Bestand gefährdet würden, sollen die Angleichung stufenweise vornehmen dürfen.
Bislang müssen Frauen, die gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchsetzen wollen, dies allein vor Gericht erstreiten. Ein Verbandsklagerecht, das diese Hürde beseitigen würde, besteht nicht. Die SPD argumentiert, dieser Ansatz sei offenbar gescheitert. Die Entgeltgleichheit müsse zu einer unternehmerischen und gesellschaftlichen Pflicht werden.
Diese gesellschaftliche Pflichtaufgabe besteht allerdings schon seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Artikel 3 des Grundgesetzes hält fest: Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
Auch Artikel 157 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) hält das Gebot eines gleichen Entgelts bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit fest und hat Vorrang vor nationalem Recht. Die Grundsätze zur Entgeltgleichheit sind zudem vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) konkretisiert worden. Geholfen hat das bislang allerdings wenig.