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Frauenquote per Gesetz: Frankreich gibt sich die Ehre

Der UMP-Fraktionschef Jean-François Copé will mehr Frauen in den Verwaltungsräten großer französischer Firmen platziert wissen. Die Quote soll deshalb per Gesetz steigen. Und zwar erheblich. Von Stefan Brändle

Paris. Der Fraktionschef der in Frankreich regierenden "Union für eine Volksbewegung" (UMP), Jean-François Copé, will eine Gesetzesinitiative für eine Frauenquote in den Verwaltungsräten großer französischer Firmen einreichen. Demnach wären 40, später 50 Prozent der Posten mit Frauen zu besetzen. Da die UMP von Präsident Nicolas Sarkozy in der französischen Nationalversammlung die absolute Mehrheit hat, dürfte der Vorstoß schon Anfang nächsten Jahres verabschiedet werden, schätzt Copé.

Frankreich wäre damit, abgesehen von skandinavischen Staaten, das erste größere Land Europas, das die Stellung der Frauen in der Privatwirtschaft per Gesetz stärkt. Derzeit liegt es am unteren Ende der europäischen Rangliste: Die französischen Großkonzerne zählen nur neun Prozent Frauen in ihren Verwaltungsräten.

"Ich bin entrüstet, zu sehen, dass wir in dieser Frage stagnieren", sagte Copé. "Es wäre eine Ehre für Frankreich, in diesem Bereich zusammen mit Norwegen an der Spitze zu stehen." Wenn schöne Worte nicht mehr genügten, müsse eben ein Gesetz her.

Der UMP-Fraktionschef erntete am Montag die weithin hörbare Kritik, dass ein gesellschaftspolitisches Problem nicht auf dem Gesetzesweg zu regeln sei. Sozialistische und grüne Abgeordnete meinen zudem, die Bürgerlichen unternähmen mit dem Vorstoß einen billigen Versuch, bei den Frauen zu punkten. In Wahrheit lenkten sie nur vom eigentlichen Problem ab, der Diskriminierung der Frauen im Wirtschaftsleben.

Erst im Juli hatte ein offizieller Behördenbericht die gravierende Lohnungleichheit am Arbeitsplatz geschildert: Eine Französin erhält im Normalfall für die gleiche Arbeit mehr als zwanzig Prozent weniger Geld als ein Franzose. Die Autorin der Berichts, Brigitte Grésy, erklärte unlängst, schon drei Pariser Regierungen hätten seit 1983 eigene Gesetze erlassen, um in den Tarifverhandlungen eine Annäherung zu erreichen. Diese Versuche hätten aber keine nennenswerten Resultate gezeitigt. Als Gegenmaßnahme empfiehlt die Sozialökonomin zehn konkrete Änderungen, von der Berufsbildung und Einstellungspolitik bis hin zur Zusammensetzung der Verwaltungsräte. Sie verwahrt sich gegen das Argument, Frauenquoten widersprächen dem Kriterium fachlicher Kompetenz: In skandinavischen Unternehmen, wo die Quoten gegriffen hätten, hätten sich die Geschäftszahlen überdurchschnittlich verbessert.

Copé, der sich auf Grésys Bericht stützt, fügt an, das Vorbild müsse "von oben" kommen. Die Sozialisten hätten im Jahr 2000 auch Frauenquoten in den nationalen Parlamenten eingeführt. Seither habe sich deren Zahl dort auf etwa zwanzig Prozent erhöht.

In Internetforen wurde die Frage diskutiert, warum die UMP die Vorgaben, die sie den Verwaltungsräten auferlegen wolle, nicht in den eigenen Führungsgremien anwende. Ein Sprecher der Sarkozy-Regierung zeigte sich zudem reserviert und stellte die Quotenhöhe von 40 oder 50 Prozent in Frage.

Mit linker Schützenhilfe dürfte der Bürgerliche Copés seinen Vorstoß aber auch gegen seine eigene Regierung durchbringen.

Autor:  Stefan Brändle
Datum:  27 | 10 | 2009
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