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17. Oktober 2011

Freiwillige Selbstverpflichtung: Dax-Konzerne wollen Frauenquote abwenden

Röcke sind in den Chefetagen der größten Dax-Unternehmen immer noch ein seltener Anblick.  Foto: dapd

Von 190 Dax-Vorständen sind sieben weiblich. Das wollen die Unternehmen jetzt ändern. Ganz gemächlich innerhalb der nächsten neun Jahren und auch nicht ganz so freiwillig, wie sie behaupten.

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Die Personalvorstände der Dax-Konzerne präsentierten am Montag in Berlin verbindliche Zielvorgaben für jedes einzelne Unternehmen. Demnach sollen bis 2020 der Anteil von Frauen in Führungspositionen auf bis zu 35 Prozent steigen. Diese Zielvorgaben wollen die Konzerne in unterschiedlichen Zeiträumen erfüllen. Die Unternehmen wollen jährlich eine Übersicht über den aktuellen Stand der Frauenförderung in den Führungspositionen veröffentlichen. Das ist das Ergebnis eines Spitzentreffens zwischen Mitgliedern der Regierung und den Dax-Personalvorständen.

Die Konzerne erfüllen mit ihren Zielvorgaben ihre Zusage von Ende März, als sie nach einem Treffen mit Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) angekündigt hatten, eigene Vorgaben zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen festzulegen. Schröder hatte den den Firmen mit einem Stufenplan gedroht, der in der letzten Stufe eine Pflicht zu einer Frauenquote in Unternehmen vorsieht.

Von der Leyen: "Ohne Gesetz geht es nicht"

An dem Treffen nahm neben Schröder auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) teil, die eine gesetzlich verankerte Frauenquote von 30 Prozent in allen Großunternehmen bis 2018 fordert. Vor dem Spitzentreffen hatte Ursula von der Leyen im ZDF-Morgenmagazin noch einmal klar Position bezogen und verlangte eine eindeutige Aussage von den Dax-Unternehmen: "Wie Frauen dort in Führungspositionen kommen, mit welcher Quote und in welcher Zeit diese erreicht werden soll - das muss klar sein“, sagte die CDU-Politikerin. Die Ministerin bekräftigte ihre Forderung nach einer Frauenquote von 30 Prozent bis 2018.

„Ich bin der festen Überzeugung, ohne Gesetz wird es nicht gehen“, sagte von der Leyen. Das hätten die „frustrierenden Erfahrungen in den letzten zehn Jahren“ gezeigt. Die Dax-Konzerne hätten fast nichts bewegt. Per Gesetz müssten vor allem Sanktionen definiert werden, „wenn wieder nichts passiert“, sagte die Ministerin.

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"Einfach unterirdisch"

Von der Leyen empfahl den Dax-Konzernen, sich bei der Frauenförderung den Mittelstand zum Vorbild zu nehmen. Der Mittelstand habe sich an seine Selbstverpflichtung aus dem Jahr 2001 gehalten, dort seien in den vergangenen zehn Jahren 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt worden. Eine Quote von 3,7 Prozent Frauen in den Vorständen der Großkonzerne sei im 21. Jahrhundert „einfach unterirdisch“, kritisierte von der Leyen. „Das geht nicht.“

Laut Artikel 3 des Grundgesetzes seien Frauen und Männer gleichberechtigt, und der Staat wache darüber, dass diese Gleichberechtigung auch umgesetzt werde, rechtfertigte die Ministerin ihr Plädoyer für ein Gesetz.

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel befürwortet eine feste Frauenquote für Führungspositionen von Dax-Unternehmen. Dadurch würden sich auch die Firmen verändern, sagte Gabriel im Deutschlandfunk. Zugleich kritisierte er eine „ziemlich ungleichgewichtige Debatte“. Es werde sich lediglich um einen kleinen Teil gekümmert. Das nütze jedoch den Frauen nichts, die in „ganz normalen Beschäftigungsverhältnissen“ seien und fast 25 Prozent schlechter bezahlt würden als Männer.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger lehnt dagegen wie Bundesfamilienministerin Kristina Köhler eine schnelle Einführung einer Frauenquote ab. „Bis 2013 werden weitere Aufsichtsratsmandate und Vorstandsposten neu zu besetzen sein, bis dahin müssen die Unternehmen noch Taten folgen lassen und die Zahl der Frauen in den Führungsebenen angemessen erhöhen. Erst dann entscheidet sich, ob es doch noch gesetzlicher Vorgaben bedarf“, sagte die FDP-Politikerin der Passauer Neuen Presse.

Die stellvertretende FDP-Chefin verwies auf den „Corporate Governance Kodex“, der seit Mai 2010 empfehle, Frauen angemessen zu berücksichtigen. Seitdem seien bei Nachwahlen von Aufsichtsratsmitgliedern 9 von 23 Posten mit Frauen besetzt worden. Offenbar vollziehe sich in der Wirtschaft nun der lange geforderte Mentalitätswandel.

Seehofer: Keine Quote mit der CSU

Die CSU lehnt eine gesetzliche Frauenquote deutscher Top-Unternehmen kategorisch ab. „Mit der CSU wird es ein Gesetz zur Frauenquote nicht geben“, sagte CSU-Chef Horst Seehofer am Montag vor einer Sitzung des CSU-Vorstands in München. Er sei zwar für eine bessere Repräsentanz von Frauen in den Spitzengremien von Unternehmen. Dafür brauche es aber kein Gesetz. Seehofer plädierte für eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Zudem sprach er sich dafür aus, vorrangig etwas gegen die teilweise unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern in Deutschland zu unternehmen. In der realen Lebenswelt gebe es noch so viele Probleme, die man angehen müsse, bevor man über eine gesetzliche Frauenquote nachdenken könne, argumentierte der CSU-Chef.

Bei dem Spitzentreffen mit der Bundesregierung wollten die 30 DAX-Unternehmen ihre Pläne zur Steigerung des Frauenanteils in Chefetagen vorlegen. Einem Zeitungsbericht zufolge liegen die Quoten-Zusagen der größten deutschen börsennotierten Konzerne im zweistelligen Bereich. (dapd/afp/Bild Umfrage: dpa)

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