Eine Frikadelle mit zwei Brötchenhälften: So sieht das Corpus Delicti im jüngsten Schlagabtausch um eine äußerst umstrittene Kündigung aus. Einer 59-jährigen Sekretärin aus Dortmund war fristlos gekündigt worden, weil sie Bulette und Backware von einem Büffet gegessen hatte. Die Frau, die seit 34 Jahren für den Baugewerbeverband Westfalen tätig war, hatte die Brötchen zuvor selbst geschmiert.
Doch die Sekretärin kann sich nun wenigstens Hoffnungen auf eine gütliche Einigung mit ihrem früheren Arbeitgeber machen, ihr Ex-Chef bedauerte seine Reaktion. Wie ein Sprecher des Baugewerbeverbandes Westfalen in Dortmund mitteilte, sollen mit der 59-Jährigen außergerichtliche Gespräche geführt werden. Das für Januar 2010 geplante Verfahren vor dem Arbeitsgericht solle dadurch überflüssig werden.
Die Frau hatte gegen ihre Entlassung geklagt. Am Dienstag vergangener Woche war ein Gütetermin zwischen den Parteien gescheitert. Nun entschuldigte sich der Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbandes, Hermann Schulte-Hiltrop, in einem offenen Brief, dass die Entlassung der Frau "menschlich zu hart" gewesen sei. Dennoch betrachte man das Verhalten der Sekretärin als "Fehlverhalten" und "irreparablen Vertrauensverlust". Gleichwohl wolle man mit der Frau "eine sozialverträgliche Lösung" finden, "mit der beide Seiten gut leben können". Ein Termin sei bereits vereinbart. Zu stern.de sagte Schulte-Hiltrop, dass die Kündigung aufrechterhalten werde solle. Die ehemalige Angestellte solle "in den Ruhestand" versetzt werden. Wie der Hauptgeschäftsführer weiter ausführte, habe sich die Sekretärin nicht nur einmal an dem Büffet bedient, sondern dies sei "über Jahre so gelaufen".
Der Bauverband habe regelmäßig Sitzungen von Ehrenamtsträgern, die dort den ganzen Tag kostenlos arbeiteten. Für diese werde mittags ein kleiner Imbiss vorbereitet, was die Sekretärin oft gemacht habe. Und obwohl die Imbisse nachher immer an die Mitarbeiter verteilt würden, habe sich die Sekretärin jahrelang schon vorher bedient, erklärte Schulte-Hiltrop. Vor Gericht hatte die Frau dies eingeräumt, zugleich aber erklärt, sie habe dem Verband nicht schaden wollen.
In den vergangenen Monaten hatten Entlassungen wegen Bagatellschäden immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. So verlor unter anderem im Januar 2008 eine Berliner Supermarkt-Kassiererin wegen der angeblichen Unterschlagung zweier Pfandbons im Wert von 1,30 Euro ihren Job. Die Frau hatte zuvor 31 Jahre in dem Unternehmen gearbeitet. Überdies wurden im September 2008 zwei Mitarbeiter einer Bäckerei-Kette aus Bergkamen (Kreis Unna) fristlos entlassen. Sie hatten Brotaufstrich verzehrt und nicht bezahlt. (ddp/fr)
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