München. Die Tage von Siemens als Computerhersteller sind gezählt. Der Technologiekonzern steigt aus dem deutsch-japanischen Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu Siemens Computers aus. Nach mehrmonatigen Verhandlungen ist der langjährige Partner Fujitsu nun bereit, Siemens dessen Hälfte an dem Gemeinschaftsunternehmen abzukaufen - für 450 Millionen Euro, wie der Münchner Konzern mitteilt.
Der Preis sei bis zuletzt umstritten gewesen, sagen mit den Verhandlungen Vertraute. Mit dem Betrag deutlich unter einer halben Milliarde Euro nehmen die Münchner finanzielle Abstriche hin.
Beschäftigte: Deutschlandweit arbeiten rund 6.200 Menschen für den Computerhersteller, weltweit hat Fujitsu Siemens 10.500 Beschäftigte.
Standorte: Zu den wichtigsten Produktionsstätten in Deutschland gehören jene in Augsburg, München, Paderborn, Sömmerda und Bad Homburg. Der IG-Metall-Vertreter im Siemens-Aufsichtsrat, Dieter Scheitor, fordert, nach einem Eigentümerwechsel müsse besonders das Werk in Augsburg mit rund 2000 Frauen und Männern und das Servicezentrum in Sömmerda mit etwa 500 Beschäftigten erhalten bleiben.
Im Zuge der Vereinbarung sei Fujitsu-Siemens-Chef Bernd Bischoff "aus persönlichen Gründen" zurückgetreten. Zum Nachfolger wurde Kai Flore ernannt.
Siemens-Konzernchef Peter Löscher hatte zuletzt klar gestellt, Fujitsu Siemens Computers stehe auf der Verkaufsliste, weil das Unternehmen zu wenig Profit erwirtschafte. Im Geschäftsjahr 2007/ 08 waren die Umsätze um fünf Prozent auf 6,6 Milliarden Euro geschrumpft. Angepeilt waren 7,2 bis 7,5 Milliarden Euro. Weiterer Grund für den Ausstieg: Fujitsu Siemens Computers passe nicht in die neue Konzernstrategie mit den drei Säulen Industrie, Energie und Medizintechnik.
Ein historischer Abschied
Der Ausstieg von Siemens ist ein historischer Abschied, weil es dann keinen originär deutschen Computerhersteller mehr gibt. Fujitsu Siemens Computers ist zudem der letzte große Computerbauer, der noch in Europa produziert. Alle bedeutenden Konkurrenten fertigen an asiatischen Billigstandorten, was der Belegschaft einiges Kopfzerbrechen bereitet.
Denn es gibt zwar für die beiden deutschen Produktionsstandorte Augsburg in Bayern und Sömmerda in Thüringen bis 2012 laufende Beschäftigungs-Sicherungsverträge. Für den Rest des Konzerns, der in Deutschland gut 6000 und insgesamt mehr als 10.000 Personen eingestellt hat, laufen die Stellengarantien bis 2010.
Das Personal fürchtet, dass das nach der Komplettübernahme durch Fujitsu nur noch eine Gnadenfrist sein könnte. Die Unsicherheit sei groß, sagen Betriebsräte. Am Hauptwerk Augsburg mit allein rund 2000 Beschäftigten will Fujitsu offenbar festhalten. Der Konzern als Ganzes könnte aber aufgespalten werden, was das mulmige Gefühl der Beschäftigten verstärkt.
Fujitsu plant nach eigener Auskunft derzeit keine Stellenstreichungen in Deutschland. "Wir haben Diskussionen mit Siemens geführt und denken nicht an Stellenstreichungen in Deutschland", sagte Fujitsu-Vorstand Tatsuo Tomita in einer Telefonkonferenz.
Fujitsu will die Privatkunden behalten
Zudem gebe es zurzeit keine Verhandlungen mit dem chinesischen Konzern Lenovo über einen Weiterverkauf des Geschäfts mit Computern für Privatkunden. "Das wird derzeit nicht diskutiert", sagte Tomita.
Zuvor war befürchtet worden, die Japaner wollten nur das Geschäft mit Servern für Firmenkunden behalten und die auf Privatkunden zielende PC-Sparte weiterverkaufen. Als Abnehmer dafür war Lenovo im Gespräch. Lenovo hat schon vom US-Konzern IBM das PC-Geschäft übernommen und will sich auf diesen Bereich spezialisieren.
Unter deutsch-japanischer Regie war das vor zehn Jahren gegründete Unternehmen lange Marktführer in Deutschland. Diesen Sommer aber ist der Konkurrent Acer mit 12,2 Prozent Marktanteil an Fujitsu Siemens Computers mit nur noch 11,4 Prozent vorbeigezogen.
Stark aufgeholt hatte zuletzt auch Hewlett Packard. Der Konzern liegt nur noch minimal hinter Fujitsu Siemens Computers. Das Unternehmen ist von asiatischen Wachstumsmärkten abgeschnitten und hat damit einem schweren Wettbewerbsnachteil. Denn gemäß dem Vertrag zwischen Siemens und Fujitsu darf deren Tochter nur in Europa, Nahost und Afrika Computer verkaufen. Die anderen Märkte beliefert Fujitsu in Eigenregie.
Fujitsu Siemens Computers hatte vergeblich gehofft, sich mit umweltfreundlichen und stromsparenden Computern durchsetzen zu können. Derzeit produziert die Computerindustrie wegen des Stromverbrauchs der Kühlung von Rechnern soviel vom Klimakiller Kohlendioxid wie die zivile Luftfahrt. Das Unternehmen hatte vor 20 Jahren den ersten "grünen PC" angeboten.
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