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Fusion der Autobauer: VW und Porsche - keine Traumhochzeit

Die Banken sitzen Porsche im Nacken und sollen heftige Zinsen fordern und Bedingungen stellen. Die Fusion mit VW soll die Zukunft des leidenden Rennwagenbauers sichern. Von Frank-Thomas Wenzel

Die Eigentümer-Familien haben sich über die Zukunft der beiden Unternehmen geeinigt.
Die Eigentümer-Familien haben sich über die Zukunft der beiden Unternehmen geeinigt.
Foto: ddp

Wo ist Wendelin Wiedeking? Und was wird aus ihm? Das Wo - das ließ sich am Donnerstagvormittag einfach beantworten: Im Porsche-Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen. Der Vorstandschef sprach zu rund 3000 Arbeitern und erläuterte ihnen, was ihre obersten Chefs tags zuvor in Salzburg entschieden hatten.

Überliefert ist das Zitat: "Es ist keine Hochzeit im Himmel, sondern eine Vernunftehe." Das ist treffend: Die Familien Porsche und Piëch wollen den Sportwagenbauer mit dem um ein Vielfaches größeren VW-Konzern zu einem "integrierten Automobilkonzern" verschmelzen.

Optionsgeschäfte

Als zusätzliche Einnahmequelle von Porsche könnten in den nächsten Wochen die VW-Optionen dienen, mit denen Finanzchef Holger Härter eigentlich die 75-Prozent-Mehrheit sichern wollte. Wie viel Porsche mit den Optionen erlösen kann, hängt von der Entwicklung des Kurses der VW-Aktie ab. Die Aktie gilt als massiv über- bewertet. Ursache sind die spekulativen Geschäfte von Porsche, die im vorigen Herbst die VW-Aktie kurzzeitig über die 1000-Euro-Marke drückten. Gestern notierte sie bei 235 Euro. Börsianer halten weniger als 100 Euro für einen fairen Wert. Wie groß die Zahl der Optionen im Porsche-Portfolio ist, wissen nur die Verantwortlichen in Zuffenhausen. Und sie werden Informationen darüber nicht preisgeben. Denn dann liefen sie Gefahr, dass Spekulanten versuchen, sie auszutricksen. Es kursiert die Vermutung, dass mit den Optionen mehr als zwanzig Prozent der VW-Stammaktien erworben werden können. Die Optionen funktionieren im Prinzip so: Porsche vereinbart mit einer Bank, VW-Papiere zu einem bestimmten Zeitpunkt etwa zum Preis von 100 Euro zu kaufen. Hätten die Zuffenhausener gestern solch eine Option ausgeübt, hätten sie die gelieferten Papiere an der Börse für 235 Euro verkaufen können - der Gewinn wäre also etwa 130 Euro. Um den Deal zu vereinfachen, hat Porsche mit den Banken einen so genannten Barausgleich vereinbart: Der Autobauer bekommt einfach den Gewinn von 130 Euro überwiesen.

Die dazugehörige, fünf verschachtelte Sätze lange Pressemitteilung spricht davon, dass "in der Endstruktur zehn Marken nebeneinanderstehen, wobei die Eigenständigkeit aller Marken und damit auch von Porsche gewahrt bleibt". Wie das genau gemeint ist? "Die Cousins und Cousinen wissen es wohl selbst noch nicht", sagt ein Insider. Vieles spricht dafür, dass der Beschluss der beiden Eigentümerfamilien unter großem Zeitdruck zustande kam.

Die Banken sitzen Porsche im Nacken. Sie haben zwar kürzlich neue Kredite über zehn Milliarden Euro bewilligt, doch es soll heftige Zinssätze und heftige Bedingungen geben.

Porsche - zwischen Kult und Proll

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Unter anderem muss wohl ein größerer Teil der Darlehen in kurzer Zeit neu finanziert werden. Zudem ist in den vergangenen Monaten die Nettoverschuldung - Finanzverbindlichkeiten abzüglich der liquiden Mittel - rasant angewachsen, auf neun Milliarden Euro per Ende Januar. Porsche hat Unsummen dafür ausgegeben, seinen Anteil an den VW-Stammaktien auf zuletzt knapp 51 Prozent zu erhöhen.

Es musste schnell gehandelt werden. Von der drohenden Insolvenz war sogar die Rede. Jetzt steht ein Rettungsplan, genauer gesagt dessen Eckpunkte. Und damit ist das primäre Ziel von Ferdinand Piëch, Porsche-Miteigentümer und VW-Aufsichtsratschef, erreicht: Volkswagen und Porsche werden eins.

Das soll die Zukunft des Zuffenhausener Unternehmens langfristig sichern. Die Vernunftehe macht nur Sinn, wenn es eine enge Verzahnung bei Entwicklung, Produktion und Vertrieb gibt. Zudem braucht Porsche die Integration, um den von der EU angedrohten Strafen für Autohersteller zu entgehen, deren Flotten einen hohem CO2-Ausstoß aufweisen.

Und trotzdem soll Porsche eigenständig bleiben? So eigenständig wie beispielsweise Audi. Die VW-Marke hat ein eigenes Management und betreibt eigenständig Fabriken. Aber die Komponenten sind kompatibel mit denen anderer Konzernmarken. Die Wolfsburger haben eine Art Baukastenprinzip entwickelt. Das macht es möglich, aus einer Hinterachse von Seat, einem Motor von VW und einem Audi-Getriebe innerhalb weniger Monate ein neues Auto zu entwickeln. Selbst den Lamborghini-Supersportwagen werden derzeit schon technisch Innereien von Audi implantiert.

Branchenkenner gehen davon aus, dass Porsche mehr oder weniger in diesen Verbund integriert wird. Der Sportwagenhersteller ist es sogar schon: Die Geländewagen Cayenne (Porsche) und Touareg (VW) wurden nicht nur gemeinsam entwickelt, sie werden auch gemeinsam produziert, sind technologisch so etwas wie zweieiige Zwillinge.

Gut möglich, dass dieses Erfolgskonzept imitiert wird. Etwa beim kleineren VW-Geländewagen Tiguan, der dann eine etwas schickere Porsche-Schwester bekommen würde. Doch bevor Neues zusammengeschraubt wird, muss sich Porsche erst einmal in mehreren Schritten fusionsfit machen.

Erstens: Die Piëchs und Porsches, sie besitzen alle Porsche-Stammaktien, pumpen im Zuge einer Kapitalerhöhung frisches Geld in das Unternehmen. Zweitens: Auch die Vorzugsaktionäre sollen neues Kapital zeichnen. Drittens könnte ein weiterer Investor schließlich noch hinzukommen. Von Scheichs, etwa aus Katar, ist immer wieder die Rede.

Das alles soll dem Zweck der Entschuldung dienen. "Dann werden die Vermögenswerte beider Unternehmen zusammengeworfen", heißt es bei Porsche. Und dabei kommen dann auch die noch bestehenden Optionen auf VW-Stammaktien ins Spiel. Deren aktuellen Wert verrät Porsche natürlich nicht.

Bei diesen Verhandlungen, man hat sich erst einmal vier Wochen gesetzt, wird auch über die Personalien verhandelt. Es kursieren bereits Spekulationen, dass das VW-Management um Vorstandschef Martin Winterkorn auch an der Spitze des neuen VW-Porsche-Konzerns stehen wird. Die Wolfsburger und das Land Niedersachsen können bei den Verhandlungen den Takt vorgeben. Allerdings schwebt Piëch über allem. Und Wiedeking? Der könnte in den Aufsichtsrat gehen. Genug verdient hat er bei Porsche in der Vergangenheit ja schon.

Autor:  FRANK-THOMAS WENZEL
Datum:  8 | 5 | 2009
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