Koalitionsverhandlungen sind die Sternstunden der Interessenvertreter. Da macht das Beherbergungsgewerbe mit seinen 37.000 Hotels und Pensionen keine Ausnahme. So verlangt der Vorsitzende des Hotelverbands Deutschland (IHA), Fritz G. Dreesen, für die Branche den reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent und damit eine "Gerechtigkeit in der Besteuerung".
Die Begründung: In der EU hätten fast alle Länder inzwischen den Satz auf das geforderte Niveau gesenkt, begründet er den Vorstoß. Zudem wachse hierzulande der Gastronomie die Konkurrenz der steuerlich privilegierten Metzger und Bäcker mit Imbiss-Ecke heran.
Dreesen, Chef des gleichnamigen Rheinhotels in Bonn, sieht die Verbandsthemen auf gutem Wege - zumindest bei FDP und CSU. Die beiden Parteien hätten zum Thema Mehrwertsteuer entsprechende Zusagen gemacht, die CDU zögere noch. Grund für die christdemokratische Zurückhaltung: Den Staat würde nach Regierungsrechnung eine Begünstigung des gesamten Gastgewerbes rund 3,8 Milliarden Euro kosten, kämen nur die Hotels in den Genuss des niedrigeren Satzes, wären es noch 700 Millionen.
Lange Wunschliste
Aber ein guter Teil davon finanziere sich selbst, greift Dreesen die liberal-konservative Argumentation auf, durch höhere Investitionen, mehr Beschäftigung und auch niedrigere Preise.
Die Wunschliste Dreesens enthält auch Forderungen in Richtung Bundesrat. Dazu zählt die Umwandlung der Rundfunkgebühren für die Bereitstellung der Zimmer-TV in eine allgemeine Medienabgabe. Einsparpotential für ein mittleres Hotel: rund 23.000 Euro jährlich.
Um den Tourismus in Deutschland anzukurbeln, möchte Dreesen höhere Zuschüsse für die Deutsche Zentrale für Tourismus; und minderjährigen Azubis sollte es erlaubt werden, statt nur bis 22 Uhr eine Stunde länger Dienst zu schieben. Akuten Handlungsbedarf sieht Dreesen zudem beim Thema Unternehmenssteuer. Die neuen gewerbesteuerlichen Hinzurechnungsregeln machten viele mittelständische Pachtbetriebe zu Verlierern der Reform.
Anlass für die Sorgen der Hoteliers gibt die neue Spesen-Sparsamkeit der Geschäftsreisenden. Sie hat Flughafen-, Großstadt- sowie Fünf-Sterne-Hotels überdurchschnittlich getroffen. Deutlich wird dies an der Preisgestaltung: Um die sinkende Auslastung aufzuhalten, sind die Preise in diesem Jahr um rund acht Prozent gefallen.
Das eher geringe internationale Gewicht deutscher Hotelketten habe auch mit dem Steuerrecht zu tun: So war es allein deutsche Hotelketten verwehrt, Anlaufverluste bei Auslandsinvestitionen beim heimischen Fiskus abzusetzen. Zwar expandierten die Ketten, aber 90 Prozent der Häuser seien noch immer "mittelständische Einzelkämpfer, die auch in Zukunft eine Daseinsberechtigung haben".
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