Aktuell: US-Wahl | Türkei | Brexit | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

06. November 2014

GDL Bahn Streik: Wem schadet der Streik?

 Von 
 Foto: dpa

Schon bald könnte der Streik der kleinen Gewerkschaft GDL den Betrieb in zahlreichen Unternehmen und Branchen empfindlich stören. Selbst die Benzinversorgung könnte der Lokführerstreik beeinträchtigen. Ein Überblick.

Drucken per Mail

Mann der Arbeit, aufgewacht, und erkenne deine Macht / Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.

Das Bundeslied, das Georg Herwegh vor 150 Jahren zur Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins verfasste, ist dieser Tage aktuell wie lange nicht. Die Lokführer haben ihre Macht erkannt und sind für mehr als vier Tage in den Streik getreten, infolge dessen die meisten Räder auf Deutschlands Schienennetz still stehen. Aber nicht nur dort. Schon bald könnte der starke Arm der kleinen Gewerkschaft GDL den Betrieb in zahlreichen Unternehmen und Branchen empfindlich stören. Selbst die Benzinversorgung könnte der Lokführerstreik beeinträchtigen. Ein Überblick.

Benzinversorgung

Eigentlich ist die Versorgung mit Sprit in Deutschland recht krisenfest aufgestellt. Raffineriekapazitäten sind gut im Land verteilt, das gleiche gilt für Zwischenlager und Händler. Gleichwohl rechnet der Bundesverband Materialwirtschaft Einkauf und Logistik bereits am Wochenende vereinzelt mit Versorgungsengpässen. Auf der einen Seite beeinträchtigt der Lokführerstreik die Anlieferung des Sprits, da auch Mineralöl in erheblichem Umfang auf der scheine transportiert wird. Auf der anderen Seite steigt der Benzinverbrauch sprunghaft an, weil viele Pendler aufs Auto umsteigen müssen.

Mehr dazu

Autoindustrie

Die Autohersteller sind zweifach betroffen: bei der Anlieferung von Teilen und  dem Transport der neuen PKW. Nach Angaben der Bahntochter Schenker Rail werden rund zwei Drittel aller Zuliefererteile auf der Schiene in deutsche Autowerke gebracht. Weil Lagerkapazitäten aus Kostengründen abgebaut wurden und die Teile „just in Time“ an die Bänder geliefert werden, sind die Produktionsprozesse extrem störanfällig. Eine fehlende Komponente kann ein ganzes Werk weitgehend lahm legen. Auch bei der Auslieferung der neuen Fahrzeuge kommt es zu Problemen. Jeden Tag rollen in Deutschland rund 20 000 Automobile vom Band, die auf 250 Güterzügen quer durch die Republik transportiert werden. BMW etwa lässt sechs von zehn Neufahrzeugen mit der Bahn transportieren. Ein Großteil der deutschen Autoproduktion Produktion wird für den Export per Bahn nach Bremerhaven geschafft und geht von da aus in die ganze Welt.

Häfen

Neben Bremerhaven ist auch der Hamburger Hafen stark vom Güterbahnverkehr abhängig. Von den 25 000 Containern, die dort jeden Tag umgeschlagen werden, geht etwa ein Viertel auf die Schiene. Laut Schenker Rail werden mehr als ein Drittel der Container, die in Hamburg anlanden, mit auf Züge verladen und angefahren.

Kohle und Stahl

Neben der Autoindustrie sind besonders Montanbetriebe stark vom Güterschienenverkehr abhängig. Schenker Rail befördert nach eigenen Angaben 65 Prozent aller inländischen sowie fast ein Viertel der Eisen- und Stahllieferungen. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl rollen täglich insgesamt 100 000 Tonnen Eisen- und Stahlgüter über Deutschlands Schienenwege. Auch 36 Prozent der Braunkohletransporte übernehmen Güterzüge. Manche Kraftwerke sind zu 100 Prozent auf Zulieferungen der Bahn angewiesen.

Chemie

221 Millionen Tonnen Chemikalien aus deutscher Produktion wurden im vergangenen Jahr insgesamt transportiert. Der Anteil des Schienengüterverkehrs lag bei 13,8 Prozent oder 30,5 Millionen Tonnen. Ein Ausweichen auf die Straße ist nur bedingt möglich. Denn für einige, besonders gefährliche Chemikalien, ist der Transport auf der Schiene  zwingend vorgeschrieben.

Haben Sie noch Verständnis für den GDL-Streik?

Gesamtwirtschaftliche Schäden

Während die Bahn AG den Verlust durch den mehr als viertägigen Streik mit 50 bis 60 Millionen Euro angibt, sind die volkswirtschaftlichen Schäden deutlich größer. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft rechnet allein durch Produktionsunterbrechungen mit Kosten von mehr als 100 Millionen Euro pro Tag. Hinzu kommen Ausfälle oder Verspätungen von Mitarbeitern, die auf die Bahn angewiesen sind.

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Gesundheit

Umstrittene Leitlinien

Von  |

Warum Ärzte sich querstellen Mehr...

Transparenz

Wirrwarr beim Energielabel

Von Thomas Engelke |

EU will Elektrogeräte sinnvoll kennzeichnen Mehr...

FRAX

Die Frankfurter Rundschau und das Forschungsinstitut Wifor präsentieren den FR-Arbeitsmarktindex, kurz FRAX. Er erlaubt einen genaueren Blick auf unsere Arbeitswelt als es die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen tun.

Videonachrichten Wirtschaft

Anzeige

Forum Entwicklung

Recht auf Arbeit – auch für Kinder?

Das Forum Entwicklung ist eine Debattenreihe von Frankfurter Rundschau, hr-iNFO und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).  

Weltweit arbeiten rund 150 Millionen Kinder – oft unter ausbeuterischen Bedingungen auf Plantagen, in der Teppichproduktion oder als Dienstmädchen. Darum geht es beim „Forum Entwicklung“ am Donnerstag, 23, April. Mehr...

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen