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10. Januar 2012

Geflügelzucht: Massenhaltung für den Massenmarkt

 Von Markus Awater
Solange sie leben, geht es Hühnern in Massenhaltung schlecht. Werden sie geschlachtet, dann häufig zu Billiglöhnen und unter miesen Arbeitsbedingungen (Archivbild)  Foto: sxc.hu

Vier Erzeuger teilen sich den Markt für Geflügelfleisch in Deutschland auf – von ihnen kommen mehr als drei Viertel der Produktion. Der Marktführer verarbeitet 270 Millionen Hühner im Jahr.

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Im Durchschnitt verbraucht jeder Bundesbürger 19,3 Kilogramm Geflügel pro Jahr. Damit ist es die zweitbeliebteste Fleischsorte nach Schweinefleisch und liegt noch vor Rindfleisch. Pro Tag werden bundesweit über 1,7 Millionen Hühnchen geschlachtet, um die Nachfrage zu decken. Die überschüssigen Erzeugnisse werden ins Ausland verkauft. Beinah alle Erzeugnisse stammen aus industrieller Massentierhaltung, weniger als ein Prozent des Geflügelfleisches kommt von Bio-Bauernhöfen.

Die „Fleischkammer der Republik“ liegt in Niedersachsen, wo viele Fleischfabrikanten über Firmensitze, Schlachthöfe und Aufzuchtstationen verfügen. Trotz des tendenziell sinkenden Fleischverbrauchs, verdoppelte sich der Verkauf von Geflügelprodukten in den vergangenen 13 Jahren.

Verbraucher verzehren vermehrt Geflügel, da es im Vergleich zu anderen Fleischsorten weniger Fett und Kalorien enthält. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage wäre eine Versorgung des Marktes nur mit artgerecht gehaltenen Hühnern nicht möglich, wie Vertreter der Geflügelindustrie und der Bauernverbände betonen.

Den Markt teilen die vier Unternehmen Wiesenhof, Sprehe, Stolle und die Rothkötter-Gruppe (Emsland Frischgeflügel) größtenteils unter sich auf. Aus ihren Höfen kommen über drei Viertel des in Deutschland verkauften Geflügels.

Der Marktführer Wiesenhof ist Teil der OH-Gruppe, benannt nach dem Inhaber Paul Heinz Wesjohann. Im vergangenen Jahr wies das Unternehmen einen Umsatz von über zwei Milliarden Euro auf. Jedes dritte in Deutschland verkaufte Hähnchen stammt aus einer der 13 Schlachtereien des Fleischproduzenten. Insgesamt verarbeiten die über 5000 Mitarbeiter 270 Millionen Hühner pro Jahr.

Verstoß gegen Tierschutzgesetz

In der Vergangenheit verstieß das Unternehmen laut Kritikern in seinen Schlachthöfen und Aufzuchtstationen massiv gegen diverse Tierschutzgesetze. Die ARD-Reportage „Das System Wiesenhof“ warf dem Konzern vor, zu viele Tiere auf zu kleinem Raum zu halten. Das Versprechen „Wiesenhof setzt seit jeher besondere Maßstäbe in punkto Qualität, Sicherheit und Transparenz“ werde auf sehr eigene Weise umgesetzt. Die Geschäftsleitung sprach daraufhin von einer „Hexenjagd“ gegen die Firma. Die Tierschutzorganisation Peta zeigte die Firma an, nachdem sie Filmmaterial vorgestellt hatte, das angeblich Mitarbeiter eines Wiesenhof-Betriebs zeigt, die Masthühner quälen. Das Unternehmen gab später Fehler zu – und kündigte personelle Konsequenzen an.

Der ebenso wie Wiesenhof im niedersächsischen Visbek ansässige Konzern Stolle, bis zu seiner Umbenennung 1998 unter dem Namen „Oldenburger“ bekannt, schlachtet jährlich etwa 100 Millionen Hühner und 2,5 Millionen Puten in seinen vier Niederlassungen in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Der Fleischproduzent Sprehe Feinkost, Wurstlieferant für Borussia Dortmund, wurde 1987 gegründet, expandierte rasch und übernahm mehrere ehemals staatliche Geflügelbetriebe in Ostdeutschland. Mittlerweile ist der Konzern mit einem jährlichen Umsatz von 650 Millionen Euro zum zweitgrößten deutschen Geflügelproduzenten aufgestiegen. Diesen drei etablierten Konzernen ist in den vergangenen Jahren mit Emsland Frischgeflügel des Unternehmers Franz-Josef Rothkötter neue Konkurrenz erwachsen. Dieser stieg 2003 mit einer Schlachterei in Haren an der Ems in den Markt ein. 2010 ließ er im niedersächsischen Wietze den Grundstein für den größten Hähnchenschlachthof Europas legen, der pro Stunde fast 30 000 Tiere verarbeiten wird. Es gründete sich eine Bürgerinitiative gegen die Schlachterei und Demonstranten besetzten das ausgewiesene Baugrundstück.

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