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20. September 2012

Gehaltsexzesse: Unzufriedenheit über Boni steigt

 Von Bernd Salzmann
Nicht nur bei der Deutschen Bank gibt es hohe Bonuszahlungen für Manager. Foto: dapd

Überzogene Bonuszahlungen haben sich nicht nur bei Bankern eingebürgert, zeigt eine neue Umfrage. In etlichen Branchen finden sich Beispiele für großzügige Bezahlungen. Ein Unding, finden die meisten Deutschen. Zumal es gute Alternativen gibt.

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Lange Zeit standen vor allem Banker im Rampenlicht, wenn öffentlich über Gehaltsexzesse in den Chefetagen geklagt wurde. Das war wenig überraschend, denn spätestens in der Krise wuchsen die Zweifel an der Leistungsfähigkeit und Seriosität der Branche.

Inzwischen dämmert offenbar vielen Menschen, dass auch in anderen Branchen üppige Vergütungen an die Top-Manager gezahlt werden, wie jetzt eine Umfrage der Unternehmensberatung HKP zeigt. Denn mehr als zwei Drittel der Befragten sprechen nicht von Einzelfällen, wenn es um überzogene Bonuszahlungen geht, sondern von einem „Problem des Systems“. 64 Prozent der Bevölkerung wünschen sich daher strengere gesetzliche Vorgaben für die Management-Vergütung − sechs Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor.

Einen gehörigen Anteil daran haben Männer wie Martin Winterkorn. Der Vorstandsvorsitzende von VW erhielt 2011 dank glänzender Unternehmenszahlen mehr als 17 Millionen Euro vom Wolfsburger Autobauer − ungefähr das Neunfache seiner Grundvergütung. Auch Peter Löscher von Siemens, Jürgen Großmann von RWE, Eckhard Cordes von Metro und viele andere mehr leben, was ihre Vergütung angeht, in einer anderen Welt.

Höchstgrenze festlegen

Vorschläge, das zu ändern, gibt es genug. Vier von fünf Befragten sehen eine Lösung des „Systemproblems“ in einer Obergrenze für die Management-Vergütungen. Die größte Gruppe wünscht sich, dass der Chef einen bestimmten prozentualen Anteil des durchschnittlichen Jahresgehalts aller Mitarbeiter erhält (41 Prozent). Etwa gleich groß sind die Gruppen, die sich einen „festen Betrag“ (24 Prozent) wünschen oder eine Kombination aus einem Fixum und einer variablen Komponente bevorzugen, die einen bestimmten prozentualen Anteil am individuellen Jahresgehalt nicht überschreiten darf (25 Prozent).

So etwas gibt es beispielsweise schon bei der Allianz. Den ordentlichen Vorstandsmitgliedern ist dort eine Grundvergütung in Höhe von 700 000 Euro sicher. Erreichen sie alle Ziele, steigt ihr Salär bis auf 2,8 Millionen plus 49 Prozent dieses Betrags, also auf maximal 4,165 Millionen Euro. Weil das so oder so ähnlich inzwischen bei 24 von 30 Dax-Unternehmen im Geschäftsbericht beschrieben ist, wie HKP parallel zum Stimmungsbild in der Bevölkerung ermittelte, existiert der Unternehmensberatung zufolge eine Kluft zwischen öffentlicher Wahrnehmung und betrieblicher Wirklichkeit.

Die kritische Haltung der Bevölkerung sei daher „in erster Linie ein Vermittlungsthema“, meint Michael Kramarsch, Partner bei HKP. Die Konzerne würden ihre Vergütungsgrenzen „nicht offensiv genug“ präsentieren und verdienten dafür ein „schlechtes Zeugnis“.

Wenn er sich da mal nicht täuscht. Denn offensichtlich geht es der Bevölkerung nicht nur darum, dass es eine Obergrenze für Boni gibt, sondern auch um deren absolute Höhe. Als vor einem Jahr danach gefragt wurde, billigten den Managern nur fünf Prozent ein Salär von mehr als einer Million Euro zu. Da jeder Zweite sich damals jedoch nicht festlegen wollte und eine Antwort verweigerte, wurde diese Frage diesmal einfach gestrichen.

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