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06. März 2011

Gehaltsunterschiede: Niedriglöhne sind Frauensache

 Von Eva Roth
 Foto: dapd

Jede dritte Vollzeit-Beschäftigte bezieht ein deutlich geringeres Einkommen als der Durchschnitt - Frauen verdienen immer noch 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

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Jede dritte Vollzeit-Beschäftigte bezieht ein deutlich geringeres Einkommen als der Durchschnitt - Frauen verdienen immer noch 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Zum 100. Internationalen Frauentag fällt die Bilanz wie in längst vergangen geglaubten Zeiten aus: Niedriglöhne sind auch heute im Wesentlichen Frauensache. Nicht nur Teilzeitkräfte und Minijobberinnen werden oft schlecht bezahlt. Auch Arbeitnehmerinnen, die ganztags arbeiten, sind häufig Geringverdienerinnen: Jede dritte Frau mit Vollzeitjob muss sich mit einem Niedriglohn begnügen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Links-Fraktion hervor, die der Frankfurter Rundschau vorliegt. Demnach sind von den 7,3 Millionen weiblichen Vollzeitkräften 33 Prozent Geringverdienerinnen. Bei den Männern sind es lediglich 13 Prozent.

Schaut man sich alle Beschäftigten inklusive Teilzeitkräften an, ist das Niedriglohn-Risiko ähnlich ungleich verteilt, berichtet Claudia Weinkopf, Vize-Direktorin des Instituts Arbeit und Qualifikation an der Uni Duisburg-Essen. Das heißt: Ob ganztags oder halbtags: „Über alle Erwerbsformen hinweg arbeiten Frauen eher auf schlechter bezahlten Stellen.“ Insgesamt seien 68 Prozent aller Niedriglöhner Frauen.

Als Geringverdiener gelten Menschen, die weniger als zwei Drittel des mittleren Einkommens erhalten. Wenn man ausschließlich Vollzeitbeschäftigte betrachtet, was die Regierung getan hat, dann liegt die Niedriglohnschwelle in Westdeutschland bei einem Bruttomonatsgehalt von 1870 Euro, in Ostdeutschland bei 1367 Euro. Dabei sind Jahresleistungen und Zuschläge mitberücksichtigt.

Und warum erhalten auch Frauen in einem sogenannten Normalarbeitsverhältnis viel öfter als Männer ein geringes Gehalt? Weil sie häufig in Branchen mit einer geringen Tarifbindung tätig sind, erläutert Weinkopf. Etwa im Gastgewerbe oder in der Gebäudereinigung. Und weil Frauenarbeit oft geringer bewertet wird als Männerarbeit – auch in Tarifverträgen. Beispiele gefällig? Der tarifliche Mindestlohn in der Pflegebranche beträgt im Westen 8,50 Euro, im Baugewerbe ist die Untergrenze spürbare 28 Prozent höher und liegt bei 10,90 Euro. Die tarifliche Grundvergütung einer Verkäuferin beträgt 1680 Euro im Monat, bei einem Drucker sind es 2336 Euro.

Frauen arbeiten in anderen Branchen

Nun könnte man sagen: Frauen arbeiten meist im Dienstleistungssektor und dort sind die Einkommen nun mal viel niedriger als in der Industrie. Das stimmt für Deutschland, in anderen europäischen Ländern ist der Unterschied dagegen kleiner. Dazu passt, dass in Deutschland auch die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern besonders üppig ausfällt: Hierzulande verdienen Frauen 23 Prozent weniger als Männer, im EU-Durchschnitt ist der Abstand mit 17,5 Prozent kleiner, gesteht das Frauenministerium in seiner Antwort auf die Linken-Anfrage.

Nicht nur im Niedriglohnsektor, auch im Prekariat sind Frauen klar in der Mehrheit. Von den 6,7 Millionen atypisch Beschäftigten sind 74 Prozent Frauen, berichtet die Regierung. Zu dieser Gruppe gehören Minijobberinnen, Leiharbeiterinnen, Menschen mit einer kleinen Teilzeitstelle oder einem befristeten Vertrag.

Und was ist zu tun, damit die Bilanz am 101. Frauentag günstiger ausfällt? Minijobs müssten in reguläre Arbeitsplätze umgewandelt werden, fordert Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Links-Fraktion im Bundestag. Forscherinnen wie Weinkopf plädieren für einen gesetzlichen Mindestlohn. Die Linkspartei schlägt eine Untergrenze von zehn Euro vor.

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