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17. September 2012

Geldanlage: Bank-Schließfächer werden knapp

 Von Sebastian Wolff
Seit dem Ausbruch der Finanzkrise ist Gold gefragter denn je. Deshalb werden bundesweit die Schließfächer in Banken und Sparkassen immer knapper.  Foto: dpa

Immer mehr Anleger kaufen Gold. Deshalb wird die Lagerung zunehmend zu einem Problem

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Es tut mir leid“, sagt die junge Dame am Schalter der Deutschen Bank dem langjährigen Kunden höflich, aber bestimmt. „Unsere Schließfächer sind alle ausgebucht. Ich kann Sie gerne auf die Warteliste nehmen.“ Hätte der Mann gar kein Konto bei der Deutschen Bank sähe es für ihn noch schlechter aus. Denn an Fremdkunden vermietet das Geldhaus Schließfächer nur in Ausnahmefällen und sofern es genügend Kapazitäten hat.

Doch genau an diesen Kapazitäten hapert es – und zwar nicht nur bei der Deutschen Bank: Seit dem Ausbruch der Finanzkrise werden bundesweit die Schließfächer in Banken und Sparkassen immer knapper. Denn aus Angst vor der großen Inflation oder vor dem Zusammenbruch des Euro kaufen immer mehr Anleger Gold, Silber oder andere vermeintlich krisensichere Wertgegenstände. Und die müssen schließlich irgendwo gelagert werden. Denn große Mengen an Edelmetallen zu Hause aufzubewahren ist hochriskant – zumal die Zahl der Einbrüche in Deutschland steigt.

Normalerweise läuft es in der Marktwirtschaft so: Bei steigender Nachfrage nach einem Produkt oder einer Dienstleistung passen die Anbieter ihr Angebot schnell an. Doch bei den Schließfächern liegen die Dinge anders. Angesichts des hohen Aufwandes, der für die Banken damit verbunden ist, sind sie ein Zuschussgeschäft. Die Folge: Fast überall erhalten nur Kunden ein Schließfach, die auch ein Konto bei der Bank haben, für das sie Gebühren zahlen. Auf diese Weise werden die Schließfächer von den Banken subventioniert.

Modere Anlagen sind elektronisch

Nicht nur die Herstellung und die Wartung der Schließfächer ist für die Geldhäuser teuer. Sie sind auch extrem personalintensiv: Will ein Kunde an sein Schließfach, muss ihn aus Sicherheitsgründen ein Mitarbeiter begleiten. Um die Schließfächer zu öffnen, sind nämlich zwei Schlüssel erforderlich. Einen besitzt der Kunde, den anderen die Bank. Doch mit der Öffnung des Schließfachs ist es für den Mitarbeiter nicht getan. In der Regel muss er so lange auf den Kunden warten, bis dieser fertig ist. Manche Kunden verbringen Stunden an ihrem Schließfach, sei es, weil sie alle möglichen Dokumente darin verwahren, die sie neu ordnen wollen, oder weil sie sich schlicht nicht vom Anblick ihrer funkelnden Goldmünzen trennen können.

Einige Bank- und Sparkassenfilialen haben bereits auf dieses Problem reagiert: Sie haben neue Schließfachanlagen installiert, die für den Kunden individuell zugänglich sind. Der Kunde öffnet sein Schließfach dort nicht mehr mit einem Schlüssel, sondern mittels seiner EC-Karte und einer besonderen Geheimzahl. Zudem sind diese Schließfächer separat zugänglich. Deshalb ist es nicht erforderlich, dass ein Mitarbeiter dabei ist. Bei der Berliner Volksbank zum Beispiel sind diese Fächer sogar rund um die Uhr zugänglich, also auch außerhalb der Öffnungszeiten der Bank. Allerdings ist die Zahl der Hightech-Schließfächer sehr limitiert. Da die Banken nichts daran verdienen, scheuen sie sich davor, das Angebot auszuweiten.

Doch auch wer das Glück hat, ein Schließfach zu ergattern, ist damit noch nicht alle Sorgen los. Denn bei vielen Banken ist der Inhalt der Schließfächer nicht versichert: Werden die Fächer ausgeraubt oder fallen sie einem Brand zum Opfer, hat der Kunde den Schaden. Zwar bieten Banken meist eine Versicherung an – die der Kunde extra bezahlen muss – doch diese deckt oft nicht den vollen Schaden ab. Zudem haben die enorm gestiegenen Preise für Edelmetalle den Wert der Tresor-Inhalte und damit auch den Preis für die Versicherungen enorm ansteigen lassen.

Eine Alternative ist die Verwahrung der Edelmetalle bei Goldhändlern wie Pro Aurum. Zwar sind auch dort die Schließfächer knapp – so sind diese bei Pro Aurum in Berlin derzeit alle belegt. Doch Pro Aurum bietet seinen Kunden auch andere Möglichkeiten an, um ihre Schätze zu lagern. Das Unternehmen besitzt an seinem Stammsitz in München ein so genanntes Edelmetalldepot: „Dort ist genug Platz. Da passen theoretisch zehn Prozent aller weltweit verfügbaren Goldreserven rein“, sagt Pro-Aurum-Sprecher Benjamin Summa. Der Inhalt kann in voller Höhe des Depotwertes versichert werden. Der Haken für den Kunden: Diese Lösung ist für ihn in der Regel deutlich teurer als die Anmietung eines Schließfaches bei einer Bank.

„Sinnvoll ab 5000 Euro“

Das Edelmetalldepot von Pro Aurum funktioniert im Prinzip wie ein Wertpapierdepot, nur sind eben keine Aktien hinterlegt, sondern Edelmetalle. Gegen Gebühr können sich die Kunden ihr Gold auch jederzeit ausliefern lassen. Kunden müssen zur Eröffnung auch nicht persönlich erscheinen. Sie können den Kauf und die Einlagerung der Edelmetalle zum Beispiel per E-Mail in Auftrag geben. Nach erfolgtem Geldeingang überführen die Mitarbeiter von Pro Aurum die Werte dann in das Depot. „Diese Lösung eignet sich besonders für Anleger, die Edelmetalle im Wert von 5.000 Euro und mehr verwahren möchten“, sagt Summa. Pro Aurum arbeitet hier auch direkt mit einigen Banken zusammen, die für ihre Kunden den Service des Goldspezialisten nutzen.

Der Vorteil dieser Lösung für die Banken: Sie bleiben trotzdem Verwalter des Vermögens und damit Herren über die Kapitalflüsse ihrer Kunden. So können Kreditinstitute, die das Vermögen ihrer Kunden aktiv verwalten, jederzeit flexibel beispielsweise Teilverkäufe von Goldvermögen vornehmen und in alternative Anlagen wie Aktien umschichten.

Eine weitere Option ist die Lagerung der Edelmetalle in einem der beiden Zollfreilager von Pro Aurum in der Schweiz und in Hongkong. Der Clou: Bei dieser Lösung können die Kunden laut Pro Aurum auch Weißmetalle wie Silber, Platin oder Palladium für die normalerweise Mehrwertsteuer anfällt, legal steuerfrei kaufen und vor Ort einlagern lassen. Auch bei dieser Variante ist eine physische Auslieferung möglich. Dann muss der Kunde allerdings nachträglich die Mehrwertsteuer entrichten.

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