Europas Anleger holen auf. 75 Milliarden Euro haben sie nach Commerzbank-Angaben allein in Deutschland seit dem Jahr 2000 in Exchange Traded Funds (ETF) angelegt. In den USA sind börsengehandelte Indexfonds schon seit 1993 auf dem Markt. In Europa haben große Banken offenbar lieber auf hauseigene Fonds verwiesen als auf die wesentlich günstigeren ETF. Doch der Druck des Marktes zeigt Wirkung: Am vergangenen Freitag schloss sich die Commerzbank dem Trend an und stellte 27 eigene ComStage ETF vor - drei Jahre nach der Deutschen Bank (db x-trackers), die auch schon deutlich später als die ausländischen Marktführer Barclays (iShares) und Société Générale (Lyxor) die Chancen dieser Anlageklasse entdeckt hatte.
Selten besser als der Markt
Tatsächlich lohnt es sich, in ETF zu investieren: Fondsmanager sind selten besser als der Markt, sagt Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim - folglich können sich Anleger bei ihrer Entscheidung zwischen aktiv und passiv gemanagten Fonds ganz auf den Kostenvergleich beider Varianten konzentrieren - und da erweist sich ein ETF in der Regel eben als das günstigere Investment.
Hohe Ausgabeaufschläge entfallen, da der Fonds direkt an der Börse gehandelt wird. Zusätzlich bleiben die für aktiv gemanagte Fonds üblichen An- und Verkäufe von Einzeltiteln durch die Investmentgesellschaft weitgehend aus, wodurch der Investor weitere Ausgaben für Managementgebühren sparen kann. Die alte Börsenweisheit "Hin und her, Tasche leer" spricht klar zugunsten der ETF. Eine Provision an die Bank muss allerdings trotzdem bezahlt werden.
Ganz weit vorne unter den ETF-Anbietern mischen die Online-Broker mit. Die sind oftmals günstiger als Filialbanken. Aber es gibt Unterschiede.
Der Online-Broker der Deutschen Bank, maxblue, bietet seit Januar 2007 db x-trackers, Deutsche Bank Exchange Traded Funds, an. Er konnte mit ihnen in Europa innerhalb von 18 Monaten 15 Milliarden Euro als verwaltetes Vermögen verbuchen.
Das maxblue-Depot präsentiert sich im Vergleich zu anderen Anbietern am günstigsten. Das Depot ist kostenlos und die Kaufprovision für ein Wertpapiergeschäft liegt bei 0,25 Prozent. Aber es gibt eine Mindestprovision. Sie liegt bei 7,90 Euro, die Maximalprovision bei 34,90 Euro.
Entscheidet man sich für einen Wertpapier-Sparplan bei maxblue, zahlt man 2,50 Euro plus 0,40 Prozent vom Kurswert als Kaufprovision, muss jedoch nicht die Mindestprovision bezahlen.
Auch die Direktbank der Commerzbank, Comdirect, bietet die db x-trackers und von nun an auch die ComStage ETF an. Wer diese kauft, kann sie in ein Depot von comdirect legen. Das kostet 1,95 Euro im Monat. Ab zwei Aufträgen im Quartal oder in Verbindung mit einem Girokonto der comdirect spart der Anleger die 1,95 Euro. Dafür kosten die Wertpapiergeschäfte Geld. Der Grundpreis für den Wertpapierhandel beträgt bis 125 Kauf- oder Verkaufsaufträge 4,90 Euro. Dazu kommen 0,25 Prozent Orderprovision. Die Mindestgebühr liegt hier bei 9,90 Euro, die Maximalgebühr bei 59,90 Euro.
Diejenigen, die neben dem ETF-Geschäft auch mit anderen Wertpapieren handeln, erhalten bei der comdirect ab 125 Kauf- oder Verkaufsaufträgen sowohl auf den Grundpreis als auch auf Order-, Mindest- und Maximalgebühr 15 Prozent Rabatt. Die Orderprovision der Commerzbank ist deutlich teurer: Dort bezahlt der Anleger bei einem Betrag bis 5000 Euro ein Prozent und mindestens 24,90 Euro pro An- oder Verkauf im Inland. 20 Prozent Rabatt gibt es für diejenigen, die über das Internet ordern. Auch das Depot kostet bei der Commerzbank etwas. Bei einer Geldeinlage bis 75 000 Euro zahlt der Depotinhaber 0,175 Prozent und mindestens 19,80 Euro pro Jahr.
Die Sparkassen schließen sich dem ETF-Trend an: Ihr Online-Anbieter S-Broker bietet unter anderem db x-trackers und die Lyxor International an. Fünf ETF des S-Brokers sind auch in Kombination mit einem Sparplan zu erwerben. Das Depotführungsentgelt beläuft sich auf 5,85 Euro im Quartal. Es entfällt, wenn mindestens ein Wertpapiergeschäft im Quartal in Auftrag gegeben wird oder von einem Vermögensbestand auf Depot und Konten von mindestens 10 000 Euro an.
Nicht ganz so günstig ist jedoch die Verwaltung von ETF beim S-Broker. Bei An- und Verkäufen erhebt er eine Kaufprovision von 2,5 Prozent und ist somit teurer als andere Anbieter. Für junge Anleger bietet der Sparkassen-Broker ein Start-Depot an, das für Studenten und Azubis kostenlos ist.
Bei der Direktbank Cortal Consors, einer Tochter der französischen BNP Paribas, kostet das Depot 1,95 Euro pro Quartal, außer man besitzt einen Sparplan oder hat ein durchschnittliches Guthaben von 2500 Euro auf Geldkonten bei Cortal Consors oder macht mindestens einen Trade pro Quartal. Dafür gibt es eine Mindesteinlagepflicht für das Depot von 10 000 Euro. Der Provisionssatz bei An- und Verkäufen ist mit 0,25 Prozent einer der niedrigsten. Allerdings werden mindestens 9,95 Euro und höchstens 69 Euro abgezogen. Zusätzlich wird der Anleger mit 4,95 Euro Grundpreis pro Aktion belastet. Das bedeutet für einen Wertpapierhandel von 5000 Euro eine Abgabe von 17,45 Euro.
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