Wo sonst der Dresscode Anzug und Aktenkoffer lautet, sind sie mit Trillerpfeifen und Transparenten angereist: Am Dienstag haben 250 Angestellte der Bundesdruckerei und der Druckerei Giesecke & Devrient (G&D) vor der Bundesbank in Frankfurt demonstriert. „Hier sitzen die falschen Fuffziger“, riefen sie.
Grund für den Unmut ist, dass die Bundesbank die Aufträge zum Druck von Euro-Noten europaweit ausgeschrieben hat. Das hat sie 2010 bereits zum dritten Mal gemacht – doch in diesem Jahr soll die Bundesdruckerei leer ausgehen, G&D laut Medienberichten einen vergleichsweise kleinen Auftrag erhalten. Das Gros der Aufträge soll an Unternehmen in Frankreich und den Niederlanden gehen. Endgültig ist die Vergabe noch nicht entschieden, da die deutschen Druckereien Widerspruch bei der Vergabekammer des Bundes eingelegt haben.
Arbeitsplätze in Gefahr
Die Angestellten und Verdi-Gewerkschafter fürchten um 400 Arbeitsplätze. Ihre Enttäuschung drückten die Belegschaften auch in Briefen an Bundesbankpräsident Axel Weber aus: „So geht man nicht mit einem zuverlässigen und langjährigen Lieferanten und dessen Belegschaft um“, schreibt etwa der Betriebsrat der Bundesdruckerei. Die Bundesbank weist die Kritik zurück: Sie sei nach deutschem und europäischem Recht zur Ausschreibung verpflichtet.
Besonders verärgert sind die Drucker darüber, dass Deutschland bisher das einzige größere Euroland ist, das die Aufträge zum Druck der Banknoten europaweit ausschreibt. Die Bundesbank vergibt etwa 30 Prozent der Euro-Aufträge. Sonst holen nur sieben kleinere Länder, wie etwa die Niederlande, Luxemburg und Finnland europaweit Angebote ein. In sechs anderen Euroländern, darunter Frankreich, Italien und Portugal, gehört den Notenbanken eine Druckerei. Sie dürfen derzeit auf Ausschreibungen verzichten.
Die deutschen Gelddrucker sehen darin Wettbewerbsnachteile: Die ausländischen Mitbewerber könnten sich schon auf Aufträge der Bundesbank bewerben. Den deutschen Druckereien bleibe hingegen der Zugang zu ausländischen Märkten verwehrt.
„Erst wenn alle Länder sich an einem internationalen Ausschreibungsverfahren beteiligen, kann man von einer fairen Liberalisierung der Märkte sprechen“, sagt Verdi-Tarifsekretär Andreas Fröhlich.
Das, so hoffen die Gelddrucker, wird 2014 soweit sein, wenn eine neue Richtlinie der Europäischen Zentralbank in Kraft tritt.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.