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Inkasso-Unternehmen: Geldeintreiber lernen in Hessen ihr Handwerk

In Fulda versucht sich ein neuer Bundesverband für Inkasso-Unternehmen zu etablieren. Der Zeitpunkt ist günstig: Immer mehr Menschen verfangen sich in der Schuldenfalle, die Zahlungsmoral sinkt.

Geldeintreiber verzeichnen derzeit große Gewinne.
Geldeintreiber verzeichnen derzeit große Gewinne.
Foto: ddp
Fulda –  

Geldeintreiber haben Hochkonjunktur. Wenn Schuldner ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können und Gläubiger in die Röhre gucken, schlägt die Stunde der Inkasso-Unternehmer. Das Geschäft ist derzeit lukrativ. Die Zahlungsmoral sinkt, die Verbraucherinsolvenzen steigen – bundesweit 2009 um fünf Prozent auf knapp 163000. Die gesamten Forderungen belaufen sich in Deutschland auf 85 Milliarden Euro.

Auch in Hessen haben sich vermehrt Menschen in der Schuldenfalle verfangen. Im ersten Halbjahr 2010 verzeichnen die Statistiker vom Landesamt in Wiesbaden einen Zuwachs um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wo es um viel Geld geht, tummeln sich normalerweise die Interessen. Seit 1956 gibt es den in Berlin ansässigen Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen. Der hat nun Konkurrenz bekommen: In Fulda wurde der Bundesverband für Inkasso und Forderungsmanagement gegründet. Der zweite Vorsitzende, Harald Hoffmann, ist in der osthessischen Stadt auch bei Aus- und Fortbildung aktiv – und will den Berlinern Kundschaft abjagen.

Hoffmann (47), seit 2003 Inkasso-Unternehmer und seit Jahresbeginn ehrenamtlicher Handelsrichter am Landgericht Fulda, gründete ein Inkasso-Seminar-Center in der Stadt. Es sei das einzige in Hessen und erst das zweite überhaupt in Deutschland. Dort können Berufsanwärter Sachkundelehrgänge absolvieren. Zudem starte im November ein bislang bundesweit einmaliges Weiterbildungsangebot zum Kaufmann für Forderungsmanagement. Die Absolventen können dann in einem der 750 Inkasso-Unternehmen in Deutschland arbeiten. Wobei „Unternehmen“ groß klingt: 80 Prozent sind Mini-Betriebe mit ein oder zwei Leuten. Mit den Bildungsangeboten lässt sich Geld verdienen. 3780 Euro kostet ein Sachkundelehrgang, er dauert 120 Stunden, die auf sechs Wochenenden verteilt sind. Hoffmann hat vier Festangestellte und zehn freie Dozenten an der Hand. Er will sich aber nicht nur im Bildungsbereich engagieren.

Schwarze Schafe unterwegs

Der neue Bundesverband will auch helfen, unseriös arbeitender Konkurrenz ohne Lizenz das Handwerk zu legen. „Es gibt natürlich in der Branche viele schwarze Schafe“, sagt Hoffmann und denkt an berüchtigte Ganoven, wie das „Inkasso Team Moskau“, das es mit fragwürdigen Methoden schon zu medialer Bekanntheit brachte.

Wie viele verschlagene Geldeintreiber in Deutschland ihr Unwesen treiben und den Ruf der Branche beeinträchtigen, vermag Hoffmann nicht zu sagen. Aber er meint: „Die schießen wie Pilze aus dem Boden.“ Wenn er Angebote wie von „Albaner Inkasso“ im Internet findet, kann er nur mit dem Kopf schütteln. Inkasso-Büros dürfen nur nach strengen Vorgaben von einer der bundesweit 81 Registrierungsstellen genehmigt werden. In Hessen ist dies das Oberlandesgericht Frankfurt.

Das Bundesjustizministerium in Berlin begrüßt nach Hoffmanns Angaben den neuen Verband in Fulda. Konkurrenz belebe das Geschäft so die ermunternde Botschaft. In Fulda sei der dritte Lehrgang beendet, in Stuttgart habe der ersten für Süddeutschland begonnen. Der in Fulda ansässige Verband habe regen Zulauf und zähle mittlerweile 30 Mitgliedsunternehmen. Damit ist der neue Verband aber ein Zwerg im Vergleich zum Berliner Pendant, der hat etwa 500 Mitglieder. (dpa)

Datum:  13 | 10 | 2010
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