Aktuell: US-Wahl | Türkei | Olympische Spiele | Brexit
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

05. Mai 2010

Gen-Weizen: Kalkulierte Kontamination

 Von Stephan Börnecke
Protest gegen Gen-Weizen (Archiv).  Foto: ddp

Kritiker werfen dem Bundesamt vor, hohe Risiken bei einem Gen-Weizenversuch geduldet zu haben. Von Stephan Börnecke

Drucken per Mail

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit BVL hat im Genehmigungsverfahren für einen umstrittenen Versuch mit Gen-Weizen auf dem Gelände der Genbank in Gatersleben offenbar größere Bedenken gehabt, als sich dies im Genehmigungsbescheid dieser Behörde vom April 2006 niederschlug.

So hat der Chef der Abteilung Gentechnik des BVL, Hans-Jörg Buhk, in einem Begleitschreiben zur Genehmigung dem Betreiber von Versuch und Genbank, dem Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung IPK, nahegelegt, "den Standort für die Vermehrung" der in Gatersleben gelagerten Weizenmuster, nicht aber die Gen-Versuche selbst "zu verlagern". Er halte dies wegen der "vielen Einwendungen mit Bezug auf die räumliche Nähe zur Genbank für geboten", so Buhk in einem Schreiben, das eine jetzt veröffentlichte Dokumentation der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL und der Organisation "Gendreck-weg" zitiert. Der Versuch wurde abgebrochen, nach dem Gentechnik-Kritiker die Versuchsfläche teilweise zerstört hatten.

Gegen sechs Feldzerstörer begann am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Naumburg ein Berufungsverfahren. Ihnen wird vorgeworfen, im April 2008 ein Versuchsfeld in Gatersleben zerstört zu haben. Das IPK hatte sie auf Schadensersatz in sechsstelliger Höhe verklagt. Das Landgericht Magdeburg bejahte zwar die Ersatzpflicht, verwarf aber die vom IPK beanspruchte Höhe.

Beide Organisationen halten dem BVL als Genehmigungsbehörde vor, die Gefahr einer Kontamination der Bestände der Genbank damals in Kauf genommen zu haben. So hatte das BVL einen Abstand von nur 500 Metern zwischen Gen-Weizenversuch und der Vermehrung der herkömmlichen Kultursorten vorgeschrieben. Anders das Bundesamt für Naturschutz, das eine Distanz von einem Kilometer als nötig erachtete. Die Dokumentation zitiert Studien, wonach es "wissenschaftliche Nachweise über Flugdistanzen von vermehrungsfähigen Pollen noch in ein bis 2,7 Kilometer Entfernung in Pollenfallen gab". Dies sei jedoch vom BVL mit dem Hinweis gekontert worden, dass diese Erkenntnisse aus Versuchen mit größeren Feldern als jenen in Gatersleben stammten.

Hauptvorwurf der Genkritiker ist, dass sich das BVL "gleichgültig" gegenüber dem Schutz der in Gatersleben bewahrten Kulturpflanzen verhalten habe. Statt die Gefahr einer Vermischung auszuschließen, habe das Amt den Fall einer Kontamination einkalkuliert: Es habe, schreiben die Autoren unter Berufung auf BVL-Quellen, "mit hohem Aufwand verbundene Rückkreuzungen von gentechnisch kontaminierten Landsorten" empfohlen. In Gatersleben lagern mehr als 30.000 Muster verschiedener Weizenformen, womit die Genbank zu den größten Erhaltungsstellen für Weizen weltweit zählt.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Konflikte

Der Geist von Olympia

Von  |

Was Unternehmen vom IOC lernen können Mehr...

Frauenrechte

Hillary allein macht es nicht

Von Signe Moe |

Auch mit einem Sieg der Demokratin bei den US-Wahlen wäre der Feminismus nicht am Ziel Mehr...

FRAX

Die Frankfurter Rundschau und das Forschungsinstitut Wifor präsentieren den FR-Arbeitsmarktindex, kurz FRAX. Er erlaubt einen genaueren Blick auf unsere Arbeitswelt als es die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen tun.

Videonachrichten Wirtschaft

Anzeige

Forum Entwicklung

Recht auf Arbeit – auch für Kinder?

Das Forum Entwicklung ist eine Debattenreihe von Frankfurter Rundschau, hr-iNFO und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).  

Weltweit arbeiten rund 150 Millionen Kinder – oft unter ausbeuterischen Bedingungen auf Plantagen, in der Teppichproduktion oder als Dienstmädchen. Darum geht es beim „Forum Entwicklung“ am Donnerstag, 23, April. Mehr...

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen