Die Autometropole Detroit hat sich selbstbewusst zurückgemeldet. In einem Werbespot des Autobauers Chrysler während des Finales der US-Football-Liga rief Hollywoodlegende Clint Eastwood dazu auf, gegen Rezession und Jobmisere anzukämpfen und sich an alte Tugenden zu erinnern. „Die Welt“, so der 81-jährige Schauspieler vor mehr als hundert Millionen TV-Zuschauern, „wird unsere Maschinen wieder hören“.
Besonders bei einem laufen die Motoren auf Hochtouren. Nach einem Rekordgewinn im vergangenen Jahr will General Motors nachlegen und steuert in diesem Jahr einen Gewinn von zehn Milliarden Dollar an. Doch ein Sorgenkind bleibt: Wenn GM am Donnerstag die Zahlen für das vergangene Jahr vorlegt, wird Opel die Bilanz mit einem gewaltigen Verlust belasten. Allein in den ersten neun Monaten 2011 hatte die GM-Tochter einen Fehlbetrag von 580 Millionen Dollar eingefahren. Im vierten Quartal dürften weitere Millionen hinzugekommen sein.
Nicht genug: Trotz der Rückkehr in die Gewinnzone steht GM unter Zugzwang. Die Aktien werden mit 26 Dollar deutlich unter dem Ausgabekurs von 33 Dollar gehandelt. Seit Jahren ist zwar der Marktanteil gestiegen, General Motors ist wieder der größte Autohersteller der Welt. Doch die Gewinne gingen zurück, weil der Konzern heftige Rabatte gewährte, um den Absatz anzukurbeln. Pro Auto verdient GM weniger als die Konkurrenz. Und die starken japanischen Hersteller, die 2011 von dem Tsunami in ihrer Heimat schwer getroffen wurden, haben die Produktion wieder hochgefahren.
Seit über zehn Jahren schreibt der Konzern auf dem europäischen Markt Verluste – und stand deswegen vor wenigen Jahren schon einmal kurz vor dem Verkauf. Als GM sich im letzten Moment dagegen entschied, rief Konzernchef Daniel Akerson das Ziel aus, den europäischen Markt bis 2011 aus der Verlustzone zu holen. Die Krise der Eurozone hat die Pläne obsolet gemacht – und die Tochter zurück auf den Radar des GM-Chefs gebracht.
Verlagerung nach Südkorea?
Erst vor wenigen Tagen hatten US-Medien berichtet, der Konzern verliere die Geduld mit seiner deutschen Tochter, weil sie nicht genug zur Sanierung beitrage. „Wenn Opel gerettet wird, dann wird Opel jetzt gerettet, und die Einschnitte werden tief sein“, zitierte das Wall Street Journal einen Konzernvertreter. Jetzt soll das Sanierungsprogramm verschärft werden.
Als Beleg für den wachsenden Druck aus Detroit wurden auch die Personalwechsel im Opel-Vorstand gewertet. Dass nun möglicherweise der Präsident der US-Autogewerkschaft United Auto Workers in den Vorstand der Opel AG einzieht, könne nach Meinung von Beobachtern zum Ziel haben, die Gewerkschaften in Deutschland für drastische Einschnitte milde zu stimmen.
Denn schon kursieren Gerüchten, die Detroiter wollten Opel künftig auf Europa beschränken und einen Teil der Produktion nach Südkorea verlagern. Davor fürchtet man sich vor allem in Bochum. An keinem Standort sind die Strukturkosten des Werksverbunds von Opel und Vauxhall höher, zudem wird hier nur der Zafira gebaut, der 2016 ausläuft.
Trotz guter Absatzzahlen in den USA stagniert der GM-Aktienkurs. Das ist auch für Washington ein Problem. Im Sommer 2009 hatte die Obama-Regierung den maroden Konzern mit einer Finanzspritze von fast 50 Milliarden US-Dollar an Steuergeldern gerettet, bis heute hält sie 26 Prozent an GM. Um die Verluste für die Steuerzahler gering zu halten, muss der Kurs deutlich steigen. Die Konservativen üben heftige Kritik – und hoffen auf Wählerstimmen bei den staatskritischen Amerikanern.
Das schürt Gerüchte, auch Washington mache Druck auf die GM-Führung, die deutsche Tochter in den Griff zu bekommen. Dass der US-Autobauer ganz aus dem Europa-Geschäft aussteigen könnte, gilt allerdings als unwahrscheinlich. Dafür ist Europa als Markt zu wichtig. Riskant wäre auch der Verlust der hervorragenden Forschungsabteilung in Rüsselsheim.
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