London. Erneute Angst um Arbeitsplätze herrschte gestern beim britischen Autoproduzenten Vauxhall, nachdem der Mutterkonzern General Motors drastische Kürzungen für seine europäischen Werke ankündigt hatte. Die englische Firma, die insgesamt 5000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, befürchtet Einschnitte in ihrem Werk in Ellesmere Port, in Merseyside, und bei der Verwaltung in Luton.
Zwar hofft man bei Vauxhall, dass die bereits dramatisch reduzierte britische GM-Tochter nicht so schlimm betroffen sein wird wie die Ableger in Deutschland oder Schweden. Einstweilen warte man noch auf "spezifische Details" der GM-Entscheidung, erklärte das Londoner Wirtschaftsministerium am Donnerstag. Die Financial Times berichtete, GM sei an Veräußerungen auch von Vauxhall-Teilen interessiert.
Die Regierung in London hat sich noch nicht dazu geäußert, ob, und wenn ja, wie viel Kapital sie zur Rettung des Unternehmens investieren würde. Wirtschaftsminister Lord Mandelson hat sich bisher zurückhaltend über Subventionen für die Automobilindustrie in Großbritannien gezeigt.
Derweil macht der Generalsekretär der Gewerkschaft Unite, Derek Simpson, aus seiner Sorge um Vauxhall-Arbeitsplätze keinen Hehl. Er befürchtet, dass "wegen der flexiblen Arbeitsgesetze" in Großbritannien Entlassungen leichter und billiger durchzudrücken seien als anderswo in Europa. Bei jüngsten Verhandlungen in Washington über staatliche Unterstützung der Branche hatte ein GM-Sprecher betont, dass solche Gespräche "für Vauxhall im Vereinigten Königreich ganz besondere Bedeutung" hätten.
Da auch in Großbritannien der Automarkt eingebrochen ist, hatten sich die Vauxhall-Beschäftigten schon in den vergangenen Monaten auf drastische Einschnitte eingelassen. Bereits im Oktober stoppte die Autoproduktion in Ellesmere Port für zwei Wochen. Von Mitte Dezember bis Mitte Januar schickte der Konzern die Beschäftigten "in Ferien". Und im Februar stimmten die Vauxhall-Leute einer Arbeitszeitreduktion von 38 auf 30 Wochenstunden mit entsprechenden Lohnkürzungen zu. Verhandlungen mit den Gewerkschaften über weitere "Umstrukturierungs-Maßnahmen" hielten an, hieß es am Donnerstag. Es könne freilich "Monate" dauern, bis ein Ergebnis feststeht.
Vauxhall baut seit Jahrzehnten hauptsächlich rechtsgesteuerte Opel-Modelle. Die Firma wurde 1857 in London gegründet. 1925 wurde sie von GM für 2,5 Millionen Dollar gekauft. Eine moderne Produktionsstätte entstand 1960 in Ellesmere Port.
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