Können Firmen in dieser Krise zusagen, Stellen zu halten?
Eine Garantie, dass es keine Entlassungen geben wird, kann die Wirtschaft insgesamt nicht abgeben. Aber jeder einzelne Betrieb wird alles tun, um so viele Arbeitsplätze wie möglich so lange wie möglich zu sichern. Alle Verantwortlichen wissen, wie schwer es ist, im nächsten Aufschwung wieder Fachkräfte zu finden und wie teuer es ist, neue Leute einzustellen und zu schulen.
Ulrich Brocker ist Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall.
Was erwarten Sie von den Arbeitnehmern? Wenn ein Betrieb trotz Krise Arbeitsplätze halten will, tut er das zu Lasten von Produktivität und Gewinn. Da gibt es Grenzen, die keiner überschreiten darf, der die Existenz der Firma nicht gefährden möchte. In einigen Fällen müssen die Betriebsräte abwägen, ob ein hohes Entgelt oder der Erhalt des Arbeitsplatzes wichtiger ist.
Was heißt das für die Metaller? Der Tarifvertrag Beschäftigungssicherung erlaubt, per Betriebsvereinbarung die Arbeitszeit und entsprechend das Entgelt zu reduzieren. Das ist für die Betroffenen nicht ganz so günstig wie Kurzarbeit. Dennoch sind die Betriebsräte gefordert, diesen Weg mitzugehen, wenn das im Einzelfall aus betriebswirtschaftlichen Gründen nötig ist. Wir haben auch im neuen Entgelt-Tarifvertrag eine zweite Entgeltanhebung für Mai vorgesehen, die verschoben werden kann. Auch da brauchen wir die Zustimmung der Betriebsräte.
Wo sollte das zweite Konjunkturpaket ansetzen? Steuersenkungen wirken sofort. Die Kanzlerin hat ja angekündigt, gerade die mittleren Einkommen 2010 entlasten zu wollen. Warum nicht heute schon? Gerade in der Metall- und Elektroindustrie gibt es immer wieder ansehnliche Erhöhungen der Bruttoeinkommen, von denen netto zu wenig ankommt. Zudem muss die Regierung darauf drängen, dass die Banken ihre Zurückhaltung bei der Kreditversorgung aufgeben. Auch Investitionen in Bildung und Infrastruktur haben nicht nur eine konjunkturpolitische Wirkung, sondern verbessern auch mittelfristig die Bedingungen für Wachstum und Beschäftigung.
Interview: Markus Sievers
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