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25. November 2008

Geschäftsklimaindex: Deutschland steht vor langer Rezession

 Von HANS GEORG SCHRÖTER
Bringt ein Hilfspaket die Konjukturwende im Weihnachtsgeschäft? Foto: Foto: dpa

Der Ifo-Geschäftsklimaindex fällt im November stark - das Institut der deutschen Wirtschaft erwartet 2009 einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosenzahl. Von Hans Georg Schröter

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Der Bundesrepublik droht eine lange und schwere Rezession. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung dürfte im nächsten Jahr auch am Arbeitsmarkt tiefe Spuren hinterlassen.

Darauf deuten die jüngsten Umfragen des Ifo-Instituts in München und des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln sowie Einschätzungen etlicher Banken-Ökonomen hin.


Foto: FR-Infografik

Der Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts, der die Stimmung in den hiesigen Unternehmen misst, sank im November im sechsten Monat in Folge, und zwar von 90,2 Zähler im Oktober auf 85,8 Punkte. Die Firmen zeigten sich deutlich unzufriedener mit ihrer derzeitigen Lage und erwarteten außerdem eine deutlich ungünstigere Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten, berichteten die Wirtschaftsforscher.

"Insgesamt hat sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und wird nun auch den Arbeitsmarkt erfassen", kommentiert Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn die Ergebnisse der jüngsten Umfrage unter rund 7000 Unternehmen. Trüber war die Stimmung der Manager zuletzt zu Beginn des Rezessionsjahres 1993. Die Geschäftsaussichten beurteilten sie so schlecht wie noch nie seit der Vereinigung.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet auf Basis seiner jüngsten Umfrage unter 1800 Unternehmen, die am 20. Oktober begann, für das kommende Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von fast 0,5 Prozent. Die Kölner Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Durchschnitt des nächsten Jahres um 230.000 Personen unter die Marke von 40 Millionen zurückgehen wird.

"Die Anzahl der Arbeitslosen steigt jahresdurchschnittlich um 190.000 Personen auf fast 3,5 Millionen an", erklärt IW-Direktor Michael Hüther. Nach seiner Einschätzung kommen die Finanzmarktkrise und die nachlassende weltwirtschaftliche Dynamik "über den Exportkanal nach Deutschland".

Zwar sei die Lage bei den Ausfuhren in diesem Herbst noch relativ gut gewesen. Doch drohe "von der Außenhandelsflanke, die im vergangenen Aufschwung der Konjunkturmotor war, mehr und mehr Ungemach". Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erwartet 2009 im Jahresschnitt eine Zunahme der Arbeitslosenzahl um 130.000, wie BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagt. Vorausgesetzt ist dabei ein BIP-Minus von 0,5 Prozent.

WestLB-Experte Jörg Lüschow befürchtet mit Blick auf den Ifo-Index sowie harte Konjunkturdaten, die sich ebenfalls spürbar verschlechtert hätten, eine längere Konjunkturschwäche in Deutschland. "Bis zum Sommer erwarten wir einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts." Die Lage werde sich kaum vor Ende nächsten Jahres wesentlich verbessern. Auch Rainer Sartoris vom Düsseldorfer Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt meint, dass "2009 das Wachstum deutlich in den roten Bereich abgleiten dürfte".

"Der Zeiger der Ifo-Uhr steht nun klar auf Rezession! Und sie wird schmerzhafter als die letzte im Jahre 2003," erklärt Andreas Scheuerle von der Dekabank. Bisher erwartet der Volkswirt, dass die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr um 1,2 Prozent schrumpfen wird. Die Bundesregierung ging zuletzt noch von einem Wachstum von 0,2 Prozent aus.

Noch pessimistischer als Scheuerle ist Uwe Angenendt von der BHF-Bank, der ein BIP-Minus von zwei Prozent befürchtet. Der Volkswirt gehört zum "Schattenrat" der Financial Times Deutschland. Die November-Umfrage unter 15 Ökonomen habe ergeben, schreibt das Blatt, dass den Deutschen 2009 der größte Einbruch der Wirtschaftsleistung bevorstehen könnte, den es in einem einzelnen Jahr in der Geschichte der Bundesrepublik gegeben hat. Der Schattenrat erwarte im Schnitt ein BIP-Minus von einem Prozent. Den bisher größten Rückgang habe es 1975 mit 0,9 Prozent gegeben.

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