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24. Juni 2014

Gesundheitsversorgung: Landarztmangel verschärft sich

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In den Städten gibt es laut Sachverständigenrat in der Regel ausreichend Mediziner, auf dem Land fehlen sie aber.  Foto: dpa

Der Sachverständigenrat fordert die Regierung zum Handeln auf. Unter anderem empfiehlt er höhere Honorare. Für die ländlichen Gebiete schlagen die Experten zudem „Lokale Gesundheitszentren“ vor, in denen zum Beispiel angestellte Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenarbeiten.

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Vor fast 15 Jahren stellten mehrere Wissenschaftler ein Gutachten über die Lage im deutschen Gesundheitswesen vor, das die Reformdebatte in den Folgejahren maßgeblich mitbestimmte: Der „Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen“ kam damals zu dem Ergebnis, es herrsche in Deutschland gleichzeitig eine Über-, Unter- und Fehlversorgung der Patienten bei der Behandlung einzelner Krankheiten.

Nun hat das Gremium wieder ein Gutachten vorgelegt, und der Titel könnte ähnlich lauten. Diesmal geht es allerdings um die regionalen Unterschiede bei der medizinischen Versorgung der Patienten. Der Befund: In Städten und Ballungszentren nimmt die Überversorgung mit Ärzten zu, in den ländlichen Regionen droht gleichzeitig eine massive Unterversorgung, es fehlen also Mediziner. Die Politik und die Akteure im Gesundheitswesen, so die Gutachter, tun jedoch zu wenig, um die wachsenden Probleme in den Griff zu bekommen.

„Abwarten ist keine Lösung“, warnte der Vorsitzende des Gremiums, Ferdinand Gerlach. In den ländlichen Regionen fehlten schon heute vor allem Allgemeinmediziner. „Die Lage wird sich langsam, aber sicher zuspitzen“, prognostizierte er. Je früher man gegensteuere, desto besser. Gerlach kritisierte, alle bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus, um der sich abzeichnenden Unterversorgung der Bevölkerung in strukturschwachen, ländlichen Gebieten entgegenzuwirken.

Der Expertenrat, der den gesetzlichen Auftrag zur Beratung des Bundesgesundheitsministeriums hat, empfiehlt ein Bündel von Reformschritten. Er schlägt unter anderem die Einführung eines „Landarztzuschlags“ vor. Um mehr Allgemeinmediziner für eine Tätigkeit auf dem Land zu gewinnen, sollen alle Leistungen mit einem Zuschlag von 50 Prozent vergütet werden. Voraussetzung ist, dass in einer Region weniger als 90 Prozent der eigentlich geplanten Arztsitze besetzt sind. Bei den Fachärzten soll es den Zuschlag bei einem Versorgungsgrad von unter 75 Prozent geben. Außerdem regen die Experten eine Reform der Aus- und Weiterbildung an, um mehr Studenten für die Allgemeinmedizin zu gewinnen.

Polikliniken gründen

Für die ländlichen Gebiete schlagen die Experten zudem „Lokale Gesundheitszentren“ vor, in denen zum Beispiel angestellte Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenarbeiten, um so vor allem ältere Patienten und chronisch Kranke besser betreuen zu können. Sie sollen neben ambulanten auch stationäre Leistungen anbieten. Die Experten stellen sich darüber hinaus vor, dass diese Zentren auch mobile Praxen betreiben oder Hol- und Bringdienste für Patienten anbieten.

Nach Überzeugung der Wissenschaftler haben diese Zentren auch für Ärzte und Pfleger deutliche Vorteile, die die Attraktivität der Tätigkeit auf dem Land erhöhten. So könne die Belastung der Beschäftigten durch Bereitschaftsdienste und die Notfallversorgung auf mehrere Schultern verteilt werden, sagte Gerlach. Auch die Kinderbetreuung lasse sich besser organisieren. Der vorgeschlagene Landarzt-Zuschlag ermögliche zudem, den Ärzten und Pflegenden eine deutlich höhere Vergütung anzubieten.

Parallel dazu regt der Sachverständigenrat an, gegen eine hohe Arztdichte in den Ballungszentren und Städten vorzugehen. Dazu sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen dazu verpflichtet werden, frei werdende Praxen aufzukaufen und vom Markt zu nehmen, wenn es in einer Stadt mehr als doppelt so viele Mediziner gibt wie geplant.

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