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Gesundheitswesen: Soziale Dienste nerven Wissenschaftler

Geht es nach Wirtschaftsprofessoren, könnte es sozialen Diensten an den Kragen gehen: Ihr "Privileg der Gemeinnützigen" sei zu prüfen. So hätten private Firmen bessere Chancen. Von Katharina Sperber

Private und gemeinnützige Träger stünden in der Pflege einer ungleichen Konkurrenz, sagen Wirtschaftswissenschaftler.
Private und gemeinnützige Träger stünden in der Pflege einer "ungleichen Konkurrenz", sagen Wirtschaftswissenschaftler.
Foto: dpa

Viel mehr Arbeitsplätze als heute können im Gesundheitswesen und in der Alten- und Kinderbetreuung entstehen. In einer Gesellschaft, in der künftig mehr Alte als Junge leben werden, berge dieser "beschäftigungsintensive Dienstleistungssektor" ein großes Potenzial, schreiben sieben Wirtschaftsprofessoren in der "Petersberger Erklärung", die in Bonn veröffentlicht wurde.

Allerdings sei der Markt der freien Wohlfahrtspflege heute noch zu stark reguliert, klagen die Wissenschaftler in ihren "Anstößen für eine zukunftsgerichteten Arbeitsmarktpolitik". Private und gemeinnützige Träger stünden in einer "ungleichen Konkurrenz".

Diese müsste "aufgebrochen werden", sagten Klaus Zimmermann und Gert Wagner vom DIW und ihre Kollegen von Berliner, Bonner und Linzer Forschungseinrichtungen.

Vor allem das Privileg der Gemeinnützigen gehöre auf den Prüfstand. Aus "Fairnessgründen" müsste die Arbeit in den sozialen Diensten "grundsätzlich marktfähig" gemacht werden.

Kritisch gehen die Professoren mit dem bestehenden Steuer- und Transfersystem ins Gericht: Geringqualifizierte müssten so hohe Abgaben zahlen, dass sich reguläre Arbeit für sie kaum lohne. Verheiratete Frauen stünden grundsätzlich schlecht, weil die steuerliche Grenzbelastung ihres Einkommens "extrem hoch" sei.

Die Wissenschaftler fordern, dass versicherungsfremde Leistungen nicht mehr von der Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung, sondern aus dem Steueraufkommen bezahlt werden sollten.

Autor:  KATHARINA SPERBER
Datum:  2 | 12 | 2008
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