Die IG Metall hat Politik und Wirtschaft aufgefordert, sich stärker für junge Menschen zu engagieren. „Bildung und Ausbildung werden immer noch vernachlässigt, unsichere Arbeitsverhältnisse akzeptiert oder gefördert“, sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel am Dienstag in Berlin. All dies gefährde den Zusammenhalt der Gesellschaft. Die Lage junger Menschen in Deutschland sei zwar noch besser als in Großbritannien oder Spanien, wo es teils gewaltsame Proteste gab. Die Gesellschaft dürfe aber nicht warten, bis Autos brennen.
Auch die IG Metall selbst will sich stärker für junge Menschen engagieren: Seine Gewerkschaft werde in der kommenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie die unbefristete Übernahme von Auszubildenden fordern, kündigte Wetzel an. Zudem wolle sie die gleiche Bezahlung von Leiharbeitern und Stammbeschäftigten durchsetzen.
Mitgliederschwund gestoppt
Drittes „Top-Thema“ sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine Betriebsräte-Befragung habe ergeben, dass nur in zehn Prozent der Firmen eine Betriebsvereinbarung zu diesem Thema existiere. Geregelt seien darin etwa Teilzeit oder Heimarbeit. Bislang ist das Image der Gewerkschaften unter jungen Menschen mäßig. In einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der IG Metall erklärten 48 Prozent der jungen Erwerbstätigen, Gewerkschaften setzten sich stark für die Zukunftsperspektiven der jungen Generation ein. „Da ist noch Luft nach oben“, räumte Wetzel ein. Immerhin schneiden Gewerkschaften besser ab als Parteien, denen nur 21 Prozent ein starkes Engagement bescheinigten. Die Gewerkschaft IG Metall sei mit rund 400.000 Mitgliedern unter 35 Jahren die „größte politische Jugendorganisation“ in Deutschland, sagte Wetzel. Jusos und Junge Union kämen zusammen nicht einmal auf 195.000 Mitglieder.
Insgesamt werde seine Gewerkschaft in diesem Jahr wieder einen Mitgliederzuwachs verbuchen. Das wäre ein beachtlicher Erfolg, denn die Gewerkschaft ist seit 1998 beständig geschrumpft. Genaue Zahlen nannte Wetzel allerdings nicht.
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