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28. Januar 2015

GLS Bank: Nachhaltig anlegen ist en vogue

 Von 
Die GLS Bank invetiert Kundengeld auch in Bildung.  Foto: REUTERS

Die Nachhaltigkeitsbank GLS gewinnt viele Kunden. Doch statt zu jubilieren, präsentiert der Vorstandssprecher der Bank einen ziemlich pessimistischen Lagebericht der Bankenbranche und rechnet mit dem Finanzsystem ab.

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Frankfurt –  

Eigentlich könnte Thomas Jorberg bestens gelaunt sein. Schließlich hat sein Unternehmen – die größte deutsche Nachhaltigkeitsbank GLS – für das vergangene Jahr wieder gute Zahlen vorzuweisen. Immer mehr Menschen in Deutschland wenden sich – enttäuscht von dem Gebahren der klassischen Banken – kleinen, sozial und ökologisch ausgerichteten Geldhäusern wie der GLS Bank zu. Auch die Ethikbank, die Umweltbank und die niederländische Triodos Bank gehören dazu.

Statt aber zu jubilieren, präsentiert der Vorstandssprecher der GLS Bank den anwesenden Journalisten am Mittwoch in Frankfurt mit gedämpfter Stimme erst einmal einen ziemlich pessimistischen Lagebericht seiner Branche – denn zur Bankbranche gehört nun einmal auch die GLS. „Gesellschaftlich haben wir keine Akzeptanz mehr für die derzeitige Art des Bankgeschäfts“, sagt er. „Zu viele Banker haben sich selbst die Taschen voll gemacht und dabei getrickst, bestochen und manipuliert.“

Kein Wunder also, dass bei dem ramponierten Ruf heute viele Banken Probleme hätten, noch Auszubildende zu finden. Der Vertrauensverlust mache den Banken zu schaffen. Hinzu kämen die zunehmende Digitalisierung des Bankgeschäfts, die niedrigen Zinsen und die für die Banken aufwendige und kostspielige Regulierung. „Banken so wie wir sie heute kennen, wird es in zehn Jahren nicht mehr geben“, glaubt Jorberg.

Die Ironie der Geschichte: „Die größte Überlebensfähigkeit könnte ausgerechnet derjenige Teil der Finanzwirtschaft haben, der nicht der Realwirtschaft dient, wie etwa der Hochfrequenzhandel und Teile des Investmentbankings, Hedgefonds etc.“, sagt der 57-Jährige – also gerade die Spieler, die die Krise verursacht haben. Die nämlich seien – anders als Banken, die Privatkundengeschäft betreiben – nicht von gesellschaftlicher Akzeptanz abhängig und sie seien nur schwer regulierbar.

Es stelle sich die Frage, ob das derzeitige Finanzsystem so noch tragfähig sei. „Wir haben volkswirtschaftlich viel zu viel Geld, schaffen es aber nicht, es dahin zu bringen, wo es wirklich gebraucht wird“, klagt Jorberg. Als Beispiele nennt er unter anderem die Finanzierung der regenerativen Energien, der Agrarwende und von Bildungsprojekten.

Genau da setzt die GLS Bank an. Mithilfe der Einlagen ihrer Kunden finanziert sie Unternehmen und Projekte aus den Bereichen erneuerbare Energien, ökologische Landwirtschaft, soziales Wohnen und Bildung. Die Kreditnehmer werden von der Bank alle veröffentlicht. Wer sein Geld der GLS Bank gibt, kann also nachvollziehen, was damit gemacht wird. Kunden können bei dem Institut auch Wertpapierdepots führen. Das Geldhaus berät sie dabei, welche Wertpapiere wie Aktien bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen und von welchen sie besser die Finger lassen sollten.

Ein schnell wachsender Zwerg

Erneut konnte die GLS Bank, die ihren Hauptsitz in Bochum hat, ihre Kundenzahl im vergangenen Jahr erhöhen – um 23 000 auf nun 188 000. Damit gewinnt das Institut schon seit mehreren Jahren im Schnitt um die 2000 Neukunden im Monat. „Immer mehr Anleger stellen die Werte- und Nachhaltigkeitsfrage. Sie sagen sich: Wenn ich schon kaum mehr Zins bekomme, dann will ich wenigstens wissen, was mit meinem Geld gemacht wird“, erklärt Jorberg den Boom. Ein Zwerg ist die GLS in der deutschen Bankenlandschaft freilich weiterhin – aber ein schnell wachsender. Zum Vergleich: Die Commerzbank kommt in Deutschland auf 11,5 Millionen Privatkunden.

Der Gewinn der GLS lag 2014 bei 5,8 Millionen Euro – nach 4,2 Millionen im Vorjahr – und soll fast komplett an die 37 293 Mitglieder des genossenschaftlichen Instituts ausgeschüttet werden. Das entspräche, wie schon in den vergangenen Jahren, einer Dividende von drei Prozent – für die Mitglieder ein erfreulicher Wert.

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