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22. Juni 2011

GLS: Wachstumsstory für die Ethik-Bank

 Von Anna Sleegers
GLS-Vorstände Thomas Jorberg (rechts) und Andreas Neukirch.  Foto: dpa

Die GLS zählt immer mehr Kunden und verdankt das nicht nur der Finanzkrise. Sie hat es von der Leihgemeinschaft zur Universalbank geschafft in 50 Jahren.

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Mit 50 Jahren hat man sich offensichtlich Respekt verdient – auch als Bank. Als Geldhaus für Gutmenschen wird die Bochumer GLS Bank jedenfalls nicht mehr belächelt. Ein halbes Jahrhundert, nach dem mit der GLS Treuhand, einem stiftungsähnlichen Zusammenschluss mehrerer gemeinnütziger Vereine, der Grundstein für die heutige Bank gelegt wurde, erlebt sie derzeit eine bemerkenswerte Wachstumsstory.

Zunächst hielt man es nur für eine Reaktion auf die Finanzmarktkrise, dass immer mehr Menschen zur GLS wechselten. Doch der Trend hält an, obwohl über die Skandale von IKB, Kaupthing und HRE allmählich Gras zu wachsen beginnt. Allein 2010 wechselten 18.200 Menschen zur GLS, die schon mehr als 100.000 Kunden zählt.

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Längst finanziert das Institut mit anthroposophischen Wurzeln nicht mehr nur alternative Projekte, sondern bietet von Tagesgeld über das Girokonto bis zu vermögenswirksamen Leistungen das komplette Programm einer Universalbank an. „Offenbar gibt es in Deutschland immer mehr Bankkunden, die wissen möchten, was mit ihrem Geld passiert“, konstatiert der Frankfurter Finanzprofessor Reinhard Schmidt. Denn die GLS lockt nicht mit hohen Zinsen oder billigen Sofortkrediten, sondern mit dem Versprechen, bei der Geldanlage strenge ethische Grundlagen zu beachten – und dabei höchst transparent zu sein.

Mit einer Bilanzsumme von zwei Milliarden Euro bleibt die GLS trotz starker Wachstumsraten ein Nischenanbieter. Schmidt findet erfreulich, dass das deutsche Bankwesen auch Akteuren Raum gibt, bei denen der Profit nicht an erster Stelle steht. Nicht nur die GLS erfährt Zulauf. Die Ethikbank wirbt seit einiger Zeit recht erfolgreich mit dem Slogan „Faire Bank statt Bankaffaire“ um die Spareinlagen bewusster Bankkunden. Die niederländische Triodos Bank, die soziale, ökologische und kulturelle Projekte in aller Welt fördert, eröffnete jüngst eine Niederlassung in Frankfurt.

Noch erfreulicher als die Pluralität der Kreditwirtschaft sei jedoch, dass die GLS in all den Jahrzehnten nicht in die Schieflage geriet. „Das hat nicht jeder in der alternativen Nische geschafft“, sagt Schmidt und erinnert an die Frankfurter Ökobank, die im Jahr 2000 vor der Pleite stand. Nach einer umfangreichen Restrukturierung ging das Institut später in der GLS auf.

Vielleicht hat die GLS historisch bedingt mehr Bodenhaftung als manch ambitionierte Startup-Bank. Denn ihre Gründung entsprang nicht dem Wunsch, nach neuen Regeln Bankgeschäfte zu betreiben, sondern der Notwendigkeit, die Gründung einer Waldorf-Schule in Bochum zu finanzieren. Dafür erfand GLS-Gründervater Wilhelm Ernst Barkhoff, ein Rechtsanwalt, der dem Schulvorstand angehörte, die Leihgemeinschaft – damals eine Finanzinnovation, die ihren Namen auch verdiente.

Vor 50 Jahren gegründet

Das Konzept basiert auf solidarischer Bündelung von Finanzkraft. Menschen, die trotz begrenzter finanzieller Mittel ein Projekt vorantreiben wollen, stellen einen zinslosen Kredit zur Verfügung. Die Bank sammelt das Geld ein, ergänzt es durch einen verzinsten Kredit und reicht es an den Projektträger durch.

„Bis heute werden viele Kitas auf diese Weise finanziert“, sagt ein GLS-Sprecher. Daneben existieren auch Schenk- und die Bürgegemeinschaften nach dem selben Prinzip. Bei allen drei Varianten minimiert das hohe finanzielle Engagement der privaten Geldgeber das Ausfallrisiko für die Bank, die sich dafür mit günstigen Konditionen revanchieren kann.

Doch das Risiko wird nur verlagert, es ist nicht aus der Welt. Das kann auch schief gehen, wie der Fall der von der GLS mitfinanzierten mehrsprachigen Erasmus-Schule im Schatten des Frankfurter Messeturms zeigt. Wer seine Kinder dort anmelden wollte, musste einer Leih- und Bürgegemeinschaft beitreten und einen zinslosen Kredit über 2000 Euro sowie eine Bürgschaft über 3000 Euro bereitstellen. Das Geld können die Eltern nach der Insolvenz des Trägers im vergangenen Jahr wohl abschreiben.

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