Für manche in Rüsselsheim ist es ein Déjà-vu-Erlebnis. Altgediente Opelaner verbinden mit dem amtierenden General-Motors-Chef Fritz Henderson wenig Gutes. Denn der immer freundlich dreinblickende Amerikaner mit dem Schnauzer hat vor Jahren als Europa-Chef bei Opel mehr als 10 000 Stellen gekappt.
Um mindestens so viele Streichungen geht es auch bei Hendersons Deutschland-Besuch, der eigentlich auch als Versöhnungstour gedacht war. Denn der 50-jährige Manager soll die Opelaner nach dem geplatzten Deal mit dem kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna und der russischen Sberbank besänftigen. Die klare Ansage seiner neuen Kollegen im Verwaltungsrat: Fritz, sorg dafür, dass die Opelaner ruhig bleiben und bald wieder motiviert an die Arbeit gehen.
Deshalb unterhielt sich Henderson am Dienstag auch lange mit Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. Ihn darf er auf keinen Fall gegen sich aufbringen, denn dann sind harte Proteste nicht nur in Rüsselsheim, sondern auch an anderen Standorten in Europa programmiert. Und inzwischen ist es auch bis an den GM-Stammsitz in Detroit durchgedrungen, dass die Öffentlichkeit und die Politik parteiübergreifend vereint auf der Seite der Opelaner stehen und, Liberale inklusive, das bisherige Agieren von General Motors verurteilen. Nun könnte GM und Henderson das Schicksal von rund 50 000 Beschäftigten in Europa egal sein, und wahrscheinlich ist es ihnen das auch. Aber GM braucht die Kompetenz des für die weltweite Produktion zuständigen Entwicklungszentrums in Rüsselsheim, um selbst nicht unterzugehen. Alle anderen Standorte auf einen Schlag einfach dichtzumachen, so etwas ginge vielleicht in den USA, aber nicht in Europa. Die Insolvenz-Drohung von GM in Richtung Arbeitnehmervertreter vor wenigen Tagen, zog Henderson gestern zurück und entschuldigte sich auch für das Verhalten des Konzerns in den vergangenen Wochen.
Außerdem wurde die Marke Opel zeitweise auch gehalten, um aus dem Europa-Geschäft Ertrag abzuschöpfen. GM beschränkte sie dabei aber bewusst auf regionales Maß, was sich nun rächt. Denn vor allem in puncto kleinere und mittlere Fahrzeuge hat GM selbst nichts Brauchbares zu bieten. Nachfragetrends auch in den USA wurden gnadenlos verschlafen. Mit zu verantworten hat das an maßgeblichen Stellen auch Henderson. Er arbeitet seit 1984 für GM, war von 2004 an zwei Jahre lang Europa-Chef und Konzern-Vize. Nun soll er den Schaden begrenzen.
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