kalaydo.de Anzeigen

GM-Geheimpapier: Antwerpen sollte in jedem Fall schließen

Ein GM-Geheimpapier belegt: Das Opelwerk in Antwerpen war ohne Chance - selbst wenn es profitabel gearbeitet hätte. Andere europäische Standorte seien einfach günstiger, etwa Bochum. Von Werner Balsen

Aus für Opel in Antwerpen.
Aus für Opel in Antwerpen.
Foto: dpa

Brüssel. "Amen und aus" - "Totalschaden bei Opel" - "Antwerpen geopfert, das Ende des flämischen Wirtschaftswunders": keine Zeitung in Belgien, die nicht mit dem angekündigten Ende der Automobilproduktion in der belgischen Hafenstadt aufmacht. Für einige Blätter ist es kein Wunder, dass General Motors (GM) nur im kleinen Belgien ein Werk komplett schließen will.

Die geringe Rolle des Landes wird deutlich aus einer "streng vertraulichen" Aktualisierung der Konzernpläne für das Werk in Antwerpen. Das Papier liegt der Frankfurter Rundschau vor. Es macht deutlich, dass eine eingesetzte Expertengruppe sich für die Produktion eines kleinen Geländewagens (SUV) in Antwerpen aussprach. Die Herstellung dieses Typs war der dortigen Belegschaft zuvor vom GM-Management schriftlich zugesichert worden.

Protest

Der Betriebsrat hat die Opelaner für Dienstag in Antwerpen zu einer Protestaktion gegen die Schließung des dortigen Werks aufgerufen.

Die IG Metall bezeichnet die Ankündigung, das Werk zu schließen, in einer Mitteilung als "Kriegserklärung" gegenüber allen europäischen Opel-Beschäftigten. In einem Brief an den neuen Opelchef Nick Reilly warnen die Gewerkschafter aus Frankfurt und Düsseldorf, Armin Schild und Oliver Burkhard, den Opel-Boss: "Wenn Sie sich tatsächlich für dieses unnötige Vorgehen entscheiden, wird eine Einigung über die von Ihnen geforderten Einsparungen nicht möglich sein." (dpa)

Aus für Opel in Antwerpen.
Aus für Opel in Antwerpen.
Foto: dpa

Trotz des Versprechens und trotz des positiven Gutachtens verwarf die Konzernführung die Idee: "Das Management konnte den grundsätzlichen Annahmen der Studie nicht zustimmen." Und dann heißt es in dem vertraulichen Papier: "Selbst wenn ein wirtschaftlicher Erfolg der Geländewagenproduktion in Antwerpen gegeben wäre, ändert sich unsere Absicht nicht, das dortige Werk zu schließen. Die finanziellen Ergebnisse sind signifikant günstiger, sogar wenn der Typ in einer anderen europäischen Fabrik hergestellt würde."

Die Manager, die aus Kapazitätsgründen ein Werk in Europa schließen wollten, hätten in ihrer Kalkulation einen weiten Kostenbegriff zugrunde gelegt, heißt es bei den europäischen Gewerkschaftsverbänden. Die Fabriken in Bochum und Antwerpen seien ökonomisch völlig austauschbar. Dennoch sei es für den Konzern preiswerter, 2600 Arbeiter und Angestellte in Belgien zu entlassen als in Deutschland, betonen die Gewerkschafter. Auch der Aufwand für die Umweltsanierung des Werksgeländes wäre wegen der deutschen Umweltauflagen in Bochum deutlich höher als in Antwerpen.

Opel - Marke mit Tradition

Bildergalerie ( 19 Bilder )

Plaßmann karikiert die Autobauer

Bildergalerie ( 22 Bilder )

Opels verlorener Kampf um die Freiheit

Bildergalerie ( 32 Bilder )

Und schließlich: Hätte GM ein Werk in Deutschland geschlossen, wäre das Verhältnis des Konzerns zur Bundesregierung beeinträchtigt worden. Darauf ist das Management beim Stellenabbau auch in den deutschen Werken noch angewiesen. "Es ist eben einfacher", heißt es in einem Kommentar in Le Soir, ein Werk "in einem kleinen Land zu schließen als in einem bedeutenden. Daher werden die Großen immer gewinnen und die Kleinen immer verlieren."

Kris Peeters, der Ministerpräsident der flämischen Gemeinschaft in Belgien, wollte bei einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die mögliche staatliche Unterstützung anderer Staaten für ihre Opel-Werke erörtern. Das Gespräch war für den frühen gestrigen Abend geplant. Ein Sprecher der Kommission machte vorher deutlich, dass es bislang für Brüssel keine Anhaltspunkte für unzulässige Staatshilfen gebe. Er erinnerte daran, dass die Wirtschaftsminister der Opel-Länder im Dezember versichert hätten, bei ihren Verhandlungen mit GM an einem Strang zu ziehen.

Die entlassenen Opel-Beschäftigten können auf europäisches Fördergeld hoffen. Möglich seien Hilfen aus dem EU-Globalisierungs- oder Sozialfonds, hieß es.

Für die bislang prosperierende Region Flandern wäre das Ende des Opelwerkes in Antwerpen, gegen das sich die europäischen Arbeitnehmervertreter wehren wollen, ein Rückschlag. Vor mehr als zwölf Jahren hatte Renault sein Werk in Vilvoorde, zwischen Brüssel und Antwerpen, dichtgemacht. Der deutsche Logistikriese DHL verließ die Region ebenfalls. Einige Beobachter sehen bereits das Ende des flämischen Wirtschaftswunders eingeläutet. Das kann Konsequenzen für die innerbelgische Machtbalance zwischen der frankophonen Wallonie und Flandern haben. Bislang fühlen sich die Flamen im Norden als Finanziers des Südens, der sich vom Zusammenbruch der Kohle- und Stahlindustrie bis heute nicht erholt hat.

Autor:  Werner Balsen
Datum:  23 | 1 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.


Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Fotostrecke
Forum Entwicklung
Das Forum Entwicklung ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Anzeige

Tops und Flops in der Wirtschaft

Anzeige

 

Video

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...

 Mehr...

Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Anzeige

Finden Sie jetzt gezielt den richtigen Partner für eine glückliche Beziehung. So wird Ihre Partnersuche ganz einfach.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!