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17. Januar 2013

Goldreserven der Bundesbank: Frankfurt im Goldrausch

 Von Grit Beecken und Bernd Salzmann
Im Tresor: Die offiziellen Goldreserven von Ländern und Organisationen belaufen sich weltweit auf 31.450 Tonnen. Foto: imago

Jetzt ist es amtlich: Die Bundesbank holt einen Großteil ihrer Goldreserven nach Deutschland. 700 Tonnen des Edelmetalls im Wert von 27 Milliarden Euro sollen ab 2020 hierzulande lagern. In der Finanzkrise war die Sorge um die Sicherheit der Bestände gewachsen.

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Jetzt ist es amtlich: Die Bundesbank holt einen Großteil ihrer Goldreserven nach Deutschland. 700 Tonnen des Edelmetalls im Wert von 27 Milliarden Euro sollen ab 2020 hierzulande lagern. In der Finanzkrise war die Sorge um die Sicherheit der Bestände gewachsen.

Halbe Million Euro

Im Tresor: Die offiziellen Goldreserven von Ländern und Organisationen belaufen sich weltweit auf 31.450 Tonnen. Würde man aus diesem Gold einen Würfel gießen, hätte dieser eine Kantenlänge von 11,75 Metern. Ein Drittel der Reserven besitzen die Euroländer. Deutschland hält gut ein Zehntel.

Barren: Die Bundesbank lagert das Gold in unterschiedlichen Formen. Eine gebräuchliche Form ist der Barren mit einem Gewicht von knapp 12,5 Kilogramm. Das entspricht 400 Feinunzen. Nach dem aktuellen Goldpreis an den Börsen ist ein solcher Barren 670.800 Dollar (rund 505.000 Euro) wert. Es können aber Schwankungen beim Gewicht, in der Form und auch beim Goldgehalt eines Barrens auftreten.

In den Kellerräumen der US-Notenbank Fed und der Banque de France wird in den kommenden Jahren Platz frei: Die Deutsche Bundesbank hat am Mittwoch angekündigt, bis 2020 674 Tonnen Gold im Wert von 27 Milliarden Euro nach Frankfurt am Main zu verlagern, 300 Tonnen aus New York und 374 Tonnen aus Paris. Damit holt die Institution rund ein Fünftel ihrer gesamten Reserven aus dem Ausland an den Main.

Die logistische Mammutaufgabe geht zurück auf Forderungen der Politik und des Bundesrechnungshofs. Letzterer hatte im vergangenen Jahr kritisiert, dass die im Ausland gelagerten Goldbarren noch nie auf ihre Echtheit untersucht worden seien. Und Politiker wie Philipp Mißfelder (CDU) zweifelten, ob alles in Ordnung ist. Dem scheint sich die Bundesbank nun in Teilen zu beugen. „Eine vollständige Verlagerung aller Bestände wäre nicht sachgerecht“, sagte der für die Verwaltung der Goldreserven verantwortliche Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Grund sei, dass das Gold im Krisenfall in New York und London, dem dritten ausländischen Lagerort, schneller und einfacher in Dollar getauscht werden könne.


Lager in Paris werden geleert

Nach der Einführung des Euro sei es nicht mehr nötig, deutsches Gold in Paris zu lagern, um im Notfall an Francs zu kommen, sagte Thiele. Daher sollen die dortigen Lager komplett geleert werden. Zudem seien Tresore auf dem Gelände der Bundesbank im Frankfurter Norden frei geworden, die zunächst für die Umstellung von der Mark auf den Euro benötigt worden seien. Bislang liegt rund ein Drittel des Goldbestandes in Frankfurt, der insgesamt 3391 Tonnen wiegt. Und dieser Schatz bewegt die Gemüter, obwohl das gelbe Edelmetall seine einstige Bedeutung längst verloren hat.

Ab dem Ende des Mittelalters wurde in Europa schrittweise Papiergeld eingeführt, das allerdings jederzeit gegen Gold eingetauscht werden konnte und auch nur deswegen von der Bevölkerung akzeptiert wurde. Diese Garantie endete in Deutschland mit Beginn des Ersten Weltkriegs. Nach dem Ende des Wechselkurssystems von Bretton Woods lief 1973 dann auch die Verpflichtung der Fed aus, die Dollarreserven jedes Mitgliedstaates zum festgelegten Kurs in Gold umtauschen zu können. Die Staaten behielten ihre Goldreserven aber trotzdem. Sie gelten als der letzte Anker im Wirtschaftsnotfall, denn: Mit Gold kann man immer zahlen, auch wenn eine Währung zusammenbricht.

"Fulda-Gap" im Kalten Krieg riskant

1945 – direkt nach dem Zweiten Weltkrieg – hatte Deutschland überhaupt keine Goldreserven. Diese wurden erst ab den 1950er-Jahren von der Vorgängerinstitution der Bundesbank, angehäuft. Der Goldschatz wuchs danach rasant, weil der Bundesbank während der Wirtschaftswunderjahre und danach Gold wegen des hohen Überschusses im Außenhandel zufloss. Das Gold blieb allerdings meist im Ausland. Die Bundesbank hielt es bislang nicht für nötig, die Barren zu verlagern. Das erschien nicht sinnvoll, denn während des Kalten Kriegs galt das rund 100 Kilometer von Frankfurt gelegene „Fulda Gap“ bei den Militärs als mögliche Einmarschschleuse für Truppen des Warschauer Pakts.

Bundesbank-Vorstand Thiele betont nun, die getroffene Entscheidung sei „in keinster Weise Ausdruck von Zweifeln an der Verlässlichkeit“ der Partnernotenbanken: „Unser Gold lagert nur bei Notenbanken mit höchster Reputation und zweifelsfreier Identität.“ Die Bundesbank war nach eigenen Angaben nie im Goldhandel aktiv. Bei Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB) 1999 gab sie der EZB vertragsgemäß rund 230 Tonnen Gold ab. Die Frankfurter Notenbank verwaltete das deutsche Gold autonom. Die Bundesregierung hat keinen Zugriff darauf. Deutsche Finanzminister haben dennoch immer wieder versucht, an Teile des Goldes zu kommen, um Löcher im Haushalt zu stopfen und Investitionen zu fördern – bislang ohne Erfolg. Trotzdem fließen jährlich einige Tonnen an den Finanzminister für die Ausgabe von Goldmünzen. Dieses Gold muss die Bundesregierung aber bezahlen. (mit Reuters)

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