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12. April 2013

Google, Digitaler Nachlass: Google führt digitales Testament ein

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Google gibt seinen Nutzern die Möglichkeit, ihren digitalen Nachlass bei dem Internet-Konzern zu regeln.  Foto: dpa

Das digitale Zeitalter bringt neue Herausforderungen: Was passiert mit den Nutzerkonten bei Facebook, Google oder Yahoo, wenn eine Person gestorben ist? Google reagiert nun auf diese Entwicklung und startet ein digitales Testament.

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Das digitale Zeitalter bringt neue Herausforderungen: Was passiert mit den Nutzerkonten bei Facebook, Google oder Yahoo, wenn eine Person gestorben ist? Google reagiert nun auf diese Entwicklung und startet ein digitales Testament.

Das Erbe zu Regeln, war noch nie eine einfache Aufgabe. Ganze Familien sind daran schon zerbrochen. Mit dem digitalen Zeitalter kam eine weitere Herausforderung hinzu: Was passiert mit den Nutzerkonten bei Facebook, Google oder Yahoo, wenn eine Person gestorben ist?

Eine Frage, mit der sich die wenigsten Menschen bislang beschäftigt haben, obwohl sie mit ihrem Lebenslauf bei Linkedin auf Jobsuche gehen, bei Facebook Erlebtes mit Fotos und Text dokumentieren, über Gmail mit Versicherungen und Banken kommunizieren, bei Ebay-Einkaufen und bei 1&1 ihre Webseite verwalten.

Nutzer entscheiden selbst

Je mehr Leben sich in Bits und Bytes abspielt, umso wichtiger die Regelung des digitalen Nachlasses. Der Internetkonzern Google reagiert nun auf diese Entwicklung und startet ein digitales Testament („Inactive Account Manager“). In den Kontoeinstellungen können die Nutzer festlegen, was mit ihren digitalen Hinterlassenschaften geschehen soll, wenn sie versterben oder ihr Konto nicht mehr nutzen können.

Als erstes müssen die Nutzer festlegen, wie lange das Konto inaktiv sein muss, bis das digitale Testament in Kraft tritt. Gewählt werden kann ein Zeitraum von drei Monaten bis zu einem Jahr. Mit Ablauf dieser Frist wird der Nutzer zuerst angeschrieben, um zu überprüfen, ob er wirklich verstorben ist. Dann werden entweder alle Daten gelöscht, oder sie gehen an Personen, die zuvor vom Nutzer festgelegt worden waren.

Die digitalen Erben werden allerdings die Konten nicht nutzen können und erhalten auch keine Passwörter, sie bekommen nur die in den Konten befindlichen Daten, also zum Beispiel Emails oder Posts. Google führt das Testament unter anderem für die Dienste Blogger, Gmail, Google+, Picasa und Youtube.

Yahoo löscht Daten radikal

Auch andere Dienste bieten Möglichkeiten an, um mit den Daten oder Profilen von Toten umzugehen. Bei Facebook können Profile zum Beispiel geändert werden. Es entsteht eine Art virtuelles Grab, auf das nur noch Freunde zugriff haben. Passwörter gibt Facebook nicht heraus. Anders zum Beispiel Twitter, das jedoch einen Wust an Dokumenten verlangt, mit denen eine Berechtigung nachgewiesen wird. Yahoo wiederum löscht radikal alle Kontodaten, sobald es vom Tod eines Nutzers erfährt.

Erben stehen nach dem Tod eines Angehörigen oft vor großen Herausforderungen. Viele Geschäfte werden heutzutage über das Internet abgewickelt, wenn Erben sie beenden wollen, müssen sie darüber informiert sein. Es geht zum Beispiel um Kreditgeschäfte, um Online-Bestellungen oder Reisebuchungen. Diese Verträge und die damit verbundenen Verpflichtungen gehen auf die Erben über, doch diese wissen oft gar nichts davon.

Bislang müssen sie Konten selber finden häufig viele Dokumente einreichen, um ein Passwort zu einem Nutzerkonto zu erhalten – oder sogar vor ein US-Gericht ziehen. Das ist aufwändig und funktioniert in vielen Fällen nicht. Als Gängelung der Firmen kann man das Verfahren aber nicht bezeichnen: Denn zum einen haben die Erben zwar ein Recht darauf, Passwörter zu bekommen. Auf der anderen Seite muss zum Beispiel der Email-Provider das Briefgeheimnis wahren.

Die Nutzer könnten zu Lebzeiten die Probleme vermeiden, indem sie schon dann für Angehörige ihre Konten und Nutzerdaten aufschreiben. Das macht aber bislang kaum jemand, wer beschäftigt sich schon gerne mit dem eigenen Tod? Google schafft nun eine einfache Möglichkeit. Und seit einiger Zeit gibt es darüber hinaus kommerzielle Anbieter, die für Nutzer schon zu Lebzeiten die Verwaltung von Kontodaten und Passwörtern übernehmen. Zudem gibt es Anbieter, die nach dem Tod eines Menschen für die Angehörigen nach Konten suchen und Festplatten auf Hinweise und Passwörter durchsuchen.

Einen Knackpunkt hat übrigens auch die Google-Lösung: Angenommen, der Nutzer verfügt, dass seine Kontodaten nach seinem Tod gelöscht werden, kann das zum Beispiel im Widerspruch zu den Interessen eines Familienmitglieds stehen. In diesen Fällen will Google das digitale Testament so weit beachten, wie es innerhalb des gesetzlichen Rahmens erlaubt ist. Das könnte dann wieder langwierige juristische Verfahren nach sich ziehen.

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