Es ist soweit: Die griechische Regierung hat die Europäische Union, den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Europäische Zentralbank um Hilfe gebeten. Geld will der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou zwar vorerst keines. In einem Brief bat er die Institutionen um Ratschläge für die Umsetzung seiner ambitionierten Sparpläne. Der IWF teilte daraufhin mit, dass er in der kommenden Woche ein Expertenteam zu Gesprächen nach Athen schickt.Dass Athen so publikumswirksam um Vertrauen ringt, ist kein Zufall. Das Rettungspaket hat nur kurzfristig für Erholung an den Märkten gesorgt. Am Donnerstag näherten sich die Risikoaufschläge auf griechische Staatsanleihen wieder den Rekordniveaus der Vorwoche. Händler machten dafür Zweifel am Rettungsplan der Euro-Länder verantwortlich.
"In gewisser Weise wird Griechenland aber auch zum Opfer des eigenen Erfolgs am Anleihemarkt", sagte Birgit Figge, Expertin für festverzinsliche Wertpapier bei der DZ Bank. Als das hoch verschuldete Land am Dienstag zwei Anleihen im Wert von 1,56 Milliarden Euro platzierte, hätten die Investoren zwar freudig zugegriffen, sich aber gleichzeitig mit sogenannten Credit Default Swaps (CDS) gegen einen Ausfall abgesichert. Nach Angaben eines CDS-Händlers sind sehr viele Investoren dazu sogar durch das Risikomanagement verpflichtet.
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Mit diesen Kreditderivaten floriert ein reger Handel, der allerdings nicht an regulierten Börsen stattfindet, sondern telefonisch. Je gefragter die Anleiheversicherungen sind, desto höhere Prämien müssen gezahlt werden. Die Höhe dieser Prämien werden durch das private Dienstleistungsunternehmen Markit gesammelt und täglich veröffentlicht.
Nun lassen viele Marktteilnehmer die Entwicklung dieser CDS-Prämien in ihre Risikobewertung einfließen. Die Tatsache, dass die Prämien nach der geglückten Anleiheplatzierung nach oben kletterten, wurde von manchen Investoren deshalb offenbar als Risikosignal gewertet.
Doch das sei natürlich nicht der einzige Grund dafür, dass die Zinsen am Anleihemarkt wieder steigen, unterstreicht Expertin Figge. "Die fundamentalen Probleme des Landes sind ja auch durch die Hilfszusagen der Euro-Partner nicht gelöst."
Darüber hinaus rechnen die Anleger wohl in Kürze mit weiteren Anleiheemissionen des hoch verschuldeten Mittelmeerstaats. Denn am kommenden Dienstag sowie am 20. Mai werden zwei Milliarden-Anleihen fällig, die sich inklusive Zinsen jeweils auf rund 8,5 Milliarden Euro summieren. Figge glaubt jedoch, dass das seit Jahresbeginn eingesammelte Geld für den April noch ausreicht.
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