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Große Umfrage: Keine Jobs, nirgends

Der Optimismus kehrt langsam in die deutschen Unternehmen zurück. Doch für die Arbeitnehmer ist das nur ein schwacher Trost. Von 44 Branchen will nur eine im nächsten Jahr neue Stellen schaffen. Von Antje Schüddemage

Beschäftigte in der Autoindustrie zählen zu den Gewinnern: Hier sollen 2010 zumindest keine Jobs abgebaut werden.
Beschäftigte in der Autoindustrie zählen zu den Gewinnern: Hier sollen 2010 zumindest keine Jobs abgebaut werden.
Foto: dpa

Zwar kehrt der Optimismus langsam in die deutschen Unternehmen zurück, für die Arbeitnehmer ist das jedoch nur ein schwacher Trost. Denn nur eine Branche, die Lederindustrie, verspricht im kommenden Jahr neue Jobs. Das belegt die aktuelle Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW), die wie jedes Jahr ein Bild von der Stimmung und den Aussichten in den einzelnen Branchen zeichnet.

Zwar schwankt die Stimmung zwischen A wie Automobilindustrie und Z wie Zeitschriftenverlage von verhalten-optimistisch bis hin zu ganz mies. Doch sind die Erwartungen der Firmen an das neue Jahr deutlich besser als noch zum Jahreswechsel 2008/2009, als Weltuntergangsstimmung geherrscht hatte.

Von den insgesamt 44 befragten Wirtschaftsverbänden geben immerhin 27 an, die Stimmung in den Firmen ihrer Sparte sei besser als am Vorjahresende; bei der Verbandsumfrage 2009 war dagegen an Zuversicht überhaupt nicht zu denken. Von einer zumindest gleichbleibenden Gemütslage berichten sieben Branchen, zehn, darunter der Einzelhandel und das Tourismusgewerbe, beurteilen ihre Situation schlechter als noch vor Jahresfrist.

Diese leichte Stimmungsaufhellung schlägt sich auch in den Erwartungen für das Jahr 2010 nieder. Immerhin die Hälfte der Wirtschaftsverbände rechnet mit besseren Geschäften als 2009. "Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ist nach wie vor nicht überwunden und wird auch im nächsten Jahr einige Branchen noch hart treffen. Doch insgesamt scheint das Gröbste überstanden und die meisten Branchen sehen wieder einen Aufwärtstrend", lautet denn auch das Fazit von IW-Direktor Michael Hüther.

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Doch das hilft den Arbeitnehmern zumindest 2010 noch nicht. Denn das, was dank Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit lange herausgezögert wurde, gewinnt immer mehr an Gewicht: Die Unternehmen werden 2010 weiter Stellen abbauen. So ergibt die IW-Umfrage, dass bei der Mehrheit der Wirtschaftszweige (27) ein weiterer Jobabbau bevorsteht. Betroffen davon sind vor allem die Beschäftigten der Industrie und des Verarbeitenden Gewerbes. "Weitere Anpassungen", nennt dies der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Die Branche hat nach eigenen Angaben in diesem Jahr bereits 60000 Arbeitsplätze gekappt.

Am Bau sieht es ähnlich düster aus. Das IW zitiert den Hauptverband der Deutschen Bauindustrie mit der Prognose, dass drei Prozent der derzeit rund 690000 Stellen im Bauhauptgewerbe wackeln. Der Grund: Die Firmen erwarten, dass die Auswirkungen des staatlichen Konjunkturprogramms auf kommunaler Ebene nicht so hoch ausfallen wie erhofft und somit die Rückgänge in den Sparten Wirtschafts- und Wohnungsbau nicht ausgleichen können. Gespart wird außerdem bei Dienstleistern wie Speditionen, Banken und Versicherungen.

Im Gegensatz dazu wollen 16 Branchen die Zahl ihrer Beschäftigten stabil halten. Eine davon ist die Automobilindustrie. Ihr Optimismus gründet sich nach Angaben ihres Verbands VDA vor allem auf das zu erwartende Wachstum in den Schwellenländern. Ein weiterer Faktor, der viele Firmen an ihren Beschäftigten festhalten lässt, ist der absehbare Fachkräftemangel.

Grund zur Freude gibt es laut IW-Umfrage nur in der Lederindustrie. Sie profitiert von der Erholung in der Pkw-Oberklasse und will als einzige Branche ihre Beschäftigtenzahl ausweiten.

Die verhaltene Stimmung der Unternehmen lässt sich auch an der Investitionsneigung ablesen: Nur neun Wirtschaftszweige, darunter die Automobilindustrie, die Gummiverarbeitung, die Finanzbranche und die Informationswirtschaft, wollen im kommenden Jahr mehr investieren. Vor einem Jahr zählte das IW lediglich zwei Branchen, die der Krise trotzen wollten. 24 Wirtschaftsverbände geben an, das (niedrige) Investitionsniveau dieses Jahres auch 2010 beizubehalten, elf Branchen, wie etwa die Bauindustrie, das Handwerk und der Einzelhandel, wollen weniger in ihr Geschäft investieren.

Damit ist die deutsche Wirtschaft zwar noch lange nicht über den Berg - zu tief ist der Fall, den sie zu verkraften hat. Doch macht Hüther Mut: "Zieht die internationale Konjunktur schneller und deutlicher an als bisher erwartet, kann auch die exportorientierte Wirtschaft stärker punkten."

Autor:  Antje Schüddemage
Datum:  29 | 12 | 2009
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