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11. Dezember 2009

Grüne Gentechnik: Der Bluff der US-Agrarindustrie

 Von Stephan Börnecke
Soja aus den USA: Eine Lobby macht Druck.  Foto: Getty

Lateinamerika erntet weniger Soja - und die USA fallen als Lieferant aus, weil sie Gen-Varianten verwenden, die in Deutschland verboten sind. Müssen wir unsere Vorgaben lockern? Bloß nicht, sagen Umweltverbände. Von Stephan Börnecke

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Ein Bündnis aus 19 Umwelt- und Landbauorganisationen hat die EU-Kommission und die Bundesregierung aufgefordert, die sogenannte Nulltoleranz für hierzulande nicht zugelassene Gen-Pflanzen unangetastet zu lassen.

Sollte der Staat für eine Öffnung der Futtermittel-Märkte für Soja oder Mais mit gentechnisch veränderten Pflanzen, die in der EU keine Umwelt- und Gesundheitsprüfung durchlaufen haben, plädieren, opfere er "die Schutzinteressen seiner Bürger den Profitinteressen bestimmter Wirtschaftszweige".

Eine der Frankfurter Rundschau vorliegende Studie der 19 Organisationen, die maßgeblich vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) erarbeitet wurde, benennt, wo diese Wirtschaftskreise herkommen: aus den USA.

Denn der dortigen Agrarindustrie lastet der Bericht in den vergangenen Monaten verbreitete Horrorszenarien an, wonach die europäischen Schweine- oder Geflügelzüchter wegen der EU-Nulltoleranz-Politik in diesem Winter nicht mehr ausreichend mit Soja versorgt und die Futtermittelpreise heftig steigen würden. Für diese Behauptung gebe es keine Belege, so die Verfasserinnen Heike Moldenhauer vom BUND und Annemarie Volling von der AbL.

Im Hintergrund steht die seit Monaten gestreute Botschaft etwa des Bauernverbands, vor allem aber des deutschen "Grain Clubs" (ihm gehören unter anderem Verbände von Raiffeisen, Mühlen sowie Getreidehändlern an), wonach die Sojaimporte aus den Hauptversorgerländern Argentinien und Brasilien wegen massiver Ernteeinbrüche stockten.

Soja müsse deshalb vermehrt aus den USA eingeführt werden. In den USA aber sind Gen-Varianten zugelassen, die in der EU tabu sind, weil ihnen die Zulassung der Behörden fehlt. Weil die EU beim Import die Nulltoleranz beherzige, die keinerlei Verunreinigung duldet, werde der Soja-Import aus den USA aber "praktisch verhindert", schrieben die Lobbyverbände im August an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

Die Umweltorganisationen aber halten diese Behauptung für falsch und weisen das anhand offizieller Berichte nach: So seien zwar in der EU über das Alarmsystem in diesem Jahr 27 Fälle bekannt geworden, in denen aus den USA stammendes, mit illegalen Partikeln verunreinigtes Futter entdeckt und zurückgeschickt wurde.

Das habe aber Chargen von allenfalls 66 000 Tonnen Soja betroffen, während Soja-Lieferungen aus Argentinien und Brasilien frei von Beanstandungen waren. Das aber sind Mini-Mengen, denn die EU importiert im Jahr 32 Millionen Tonnen Soja.

Auch der Fachinformationsdienst Agra-Europe konstatierte Mitte Oktober: Die Nulltoleranzpolitik der EU finde bislang "keinen Niederschlag in den US-Statistiken". Die Behauptung, so die Autorinnen, wonach die Importe "praktisch zum Erliegen" gekommen seien, stimme also nicht.

Das Bündnis der Umweltorganisationen, neben BUND und AbL tragen etwa Greenpeace, der Nabu, der Ökologische Ärztebund oder Bioland den Bericht, verlangen von den USA, sich an den Vorbildern Argentinien und Brasilien zu orientieren: Beide Länder hätten die Anbauzulassungen neuer Gen-Pflanzen an den EU-Markt angepasst.

Zudem sollten die USA Trennsysteme, wie sie etwa in Brasilien für gentechnisch-freie Ware installiert wurden, aufbauen, statt von der EU eine Aufweichung ihrer Politik zu verlangen. Dies schließlich gelte umgekehrt auch: Die USA selbst würden Gen-Saaten, die dort nicht zugelassen seien, ebenfalls nicht ins Land lassen. Auch in den USA würde mithin eine Nulltoleranz praktiziert.

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