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Grüne Woche: Grün ist die Hoffnung

In der Rezession könnte die Landwirtschaft ein Stabilisator sein - doch die Preisentwicklung ist offen.

Hochleistungskühe geben Rekordmengen an Milch -  die Bauern aber leiden unter den schlechten Preisen.
Hochleistungskühe geben Rekordmengen an Milch - die Bauern aber leiden unter den schlechten Preisen.
Foto: dpa

Berlin. Auch wenn Bauernpräsident Gerd Sonnleitner lautstark ein eigenes Konjukturpaket für die Bauern fordert - die globale Finanz- und Wirtschaftskrise könnte an den deutschen Landwirten glimpflicher vorüberziehen als an anderen Branchen. Bauern hätten die "größte Chance, halbwegs an der Krise vorbeizuschrammen", sagte der Chef der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle der Agrarwirtschaft ZMP, Ralf Goessler, in Berlin. Unklar ist aber, wie sich die Preise für Agrarrohstoffe und damit die Lebensmittelpreise entwickeln werden.

Jobzahl dürfte kaum sinken

Goessler vermutet, dass die hiesige Landwirtschaft angesichts der hohen Beschäftigungszahl von vier Millionen Menschen sogar eher stabilisierend wirken werde. Die Jobzahl dürfte sich in dieser weniger konjunkturanfälligen Branche kaum verringern. Ein Unsicherheitsfaktor blieben aber die "preis- und angstgesteuerten Verbraucher".

Und die Kunden müssen sich womöglich auf einiges gefasst machen. Denn weit drastischer als die ZMP sieht der Analyst Jochen Hitzfeld von der Unicredit in München die Lage: Er sagte bei der Wintertagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Berlin, dass durch die weltweite Finanzkrise wichtige Agrarrohstoffe schon bald knapp und damit teuer werden könnten. Er rechnet spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2009 mit einem neuen Preisboom bei Getreide und Ölsaaten. Vor allem in den Schwellenländern sei Landwirten der Zugang zu Krediten erschwert, wodurch die Expansion der Agrarproduktion in Russland oder der Ukraine zumindest vorerst gestoppt sei, so der Rohstoffexperte.

Darauf deuten auch Zahlen, die ZMP-Marktbeobachter Martin Schraa nennt. Danach haben Landwirte in den USA oder der Ukraine und anderen Ländern der Nordhalbkugel die Anbaufläche für Winterweizen inzwischen um bis zu neun Prozent reduziert. Das deutet, zumal Bauern aus Kostengründen derzeit wieder an Dünger und Pflanzenschutzmitteln sparen, auf kleinere Ernten und damit auf steigende Preise.

Andererseits wurde laut den jüngsten Zahlen weltweit noch nie mehr Getreide geerntet. Die Lager sind nach Jahren der Ebbe wieder leidlich gut gefüllt - was auf sinkende Preise deutet. Hinzu kommt die Finanzkrise: In ihrer Folge könnte, ahnt Schraa, die Nachfrage nach Lebensmitteln, vor allem nach Fleisch in den Schwellenländern, sinken. Ein zurückgehender Fleischverbrauch aber senkt den Futtergetreideverbrauch deutlich. Trifft der Verbrauchsrückgang ein, bliebe es beim preissenkenden Überschuss.

Rohstoffexperte Hitzfeld rechnet hingegen ganz im Gegenteil mit ab Jahresmitte abschmelzenden globalen Getreide-Lagerbeständen: "Dann sind wir mit den Preisen ganz schnell wieder in Höhen, wo wir vor 15 Monaten schon einmal waren", so der Rohstoffexperte. Kämen negative Witterungsereignisse dazu, sei eine erneute Eskalation mit Exportstopps, exzessiver Spekulation und Hunger-Unruhen nicht ausgeschlossen.

Heftig verspekuliert

Wie unabwägbar die Märkte sind, zeigt die Lage einiger deutscher Getreidebauern. Offenbar haben sich einige Landwirte in der letzten Ernte gehörig verspekuliert. Sie hatten mehr als sonst Weizen und Gerste gebunkert, statt rasch zu verkaufen. Da der sonst übliche Preisanstieg im Herbst nicht einsetzte, stehen einige ostdeutsche Bauern vor Liquiditätsproblemen.

Bei vielen Milchbauern, die unter dem andauernden Preiseinbruch leiden, ist die Kassenlage kaum besser. Der Bund Deutscher Milchviehhalter BDM warnt, dass Milchbauern immer stärker in die Abhängigkeit von Banken geraten würden, weil sie stärker auf Fremdkapital angewiesen seien.

Autor:  STEPHAN BÖRNECKE
Datum:  16 | 1 | 2009
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