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Gute Prognosen: Bald weniger als 3 Millionen arbeitslos?

Dank eines kräftigen Konjunkturschubs gewinnt der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt weiter an Fahrt. Die gute Auftragslage zwinge immer mehr Unternehmen dazu, ihre Belegschaften aufzustocken.

Dank eines kräftigen Konjunkturschubs gewinnt der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt weiter an Fahrt. Die gute Auftragslage zwinge immer mehr Unternehmen dazu, ihre Belegschaften aufzustocken.
Dank eines kräftigen Konjunkturschubs gewinnt der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt weiter an Fahrt. Die gute Auftragslage zwinge immer mehr Unternehmen dazu, ihre Belegschaften aufzustocken.
Foto: dpa

Nürnberg. Die Bundesregierung rechnet einem Zeitungsbericht zufolge wegen der guten Konjunktur für den Herbst mit weniger als drei Millionen Arbeitslosen. Schon im Oktober könnte die Zahl erstmals seit zwei Jahren wieder unter dieser Marke liegen, sagten hochrangige Regierungsmitarbeiter der "Rheinischen Post" laut Vorabbericht vom Mittwoch.

Die Prognose werde von der Bundesagentur für Arbeit geteilt. Ursache sei neben der guten Wirtschaftslage auch eine veränderte Arbeitslosenstatistik. Im Sommer wolle Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zudem die Wachstumsprognose von 1,4 Prozent auf mehr als 1,5 Prozent anheben, schrieb die Zeitung. Die meisten Forschungsinstitute gehen inzwischen von einem Wachstum von rund zwei Prozent aus, weil der Export boomt.

Forscher und Volkswirte frohlocken

Dank eines kräftigen Konjunkturschubs gewinnt der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt in jedem Fall weiter an Fahrt. Die gute Auftragslage zwinge immer mehr Unternehmen dazu, ihre Belegschaften aufzustocken; die Arbeitslosenzahl werde daher in den kommenden Monaten weiter sinken, prognostizierten Konjunkturforscher und Volkswirte deutscher Großbanken am Mittwoch in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Im Jahresdurchschnitt 2010 werde die Zahl der Erwerbslosen wahrscheinlich unter dem Wert von 2009 liegen, betonten die Experten.

Für den Juni gehen die Arbeitsmarktexperten von rund 3,13 Millionen Arbeitslosen aus; dies wären rund 110 000 weniger als im Mai und knapp 280 000 weniger als vor einem Jahr. Selbst nach Abzug jahreszeitlicher Einflüsse ist die Zahl der Erwerbslosen nach Berechnungen der Experten im Juni zwischen 10 000 und 40 000 gesunken. "Im Moment ist der Trend auf dem Arbeitsmarkt ganz klar positiv", stellte der Volkswirt der DZ-Bank, Philipp Jäger, fest. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am kommenden Mittwoch (30. Juni) vorlegen.

Aufholprozess ist im Gange

Auch für Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut stehen die Zeichen auf dem Jobmarkt eindeutig auf Erholung. "Aus vielen volkswirtschaftlichen Indikatoren kann man klar ableiten, dass vor allem im verarbeitenden Gewerbe ein Aufholprozess im Gange ist", betonte der Leiter der Ifo-Abteilung Konjunktur und Finanzmärkte. Ähnlich optimistisch ist der Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld: Angesichts der guten Auftragslage werde die Industrie nicht um die Schaffung neuer Stellen herumkommen; mit Überstunden alleine lasse sich die gute Auftragslage nicht mehr bewältigen.

Die meisten der befragten Fachleute rechnen allerdings nicht damit, dass sich die Erholung auf dem Arbeitsmarkt im gleichen Tempo fortsetzt. "Ich rechne gegen Ende des Jahres bei der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl eher mit einer Seitwärtsbewegung", betonte Tuchtfeld. Auch Ifo-Experte Henzel geht mittelfristig von einem Abflauen der Aufwärtsentwicklung aus. In den Unternehmen gebe es immer noch Anpassungsbedarf. "Wir haben immer noch Kurzarbeit und die Stundenproduktivität ist in vielen Unternehmen immer noch relativ niedrig."

Im Mai hatte ein kräftiger Frühjahrsaufschwung die Zahl der Arbeitslosen um 165 000 auf 3 242 000 sinken lassen. Das waren 217 000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote hatte um 0,4 Punkte auf 7,7 Prozent abgenommen. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,2 Prozent gelegen. Bereinigt um jahreszeitliche Sondereffekte war die Zahl der Erwerbslosen um 45 000 auf 3,246 Millionen zurückgegangen - im Westen um 34 000, im Osten um 11 000. Damit hatte der Arbeitsmarkt schon im Mai von der guten Konjunktur profitiert. (dpa)

Datum:  23 | 6 | 2010
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