Die europäischen Banken-Stresstests haben ihr Ziel fürs erste erreicht. Die Finanzmärkte reagierten zum Wochenstart positiv auf die am Freitagabend veröffentlichten Testergebnisse. Viele Bank-Aktien legten zu. Das Bundesfinanzministerium sprach von einem Erfolg.
Gleichzeitig wehrten sich einige deutsche Banken gegen den Vorwurf der Heimlichtuerei. Sie hatten anders als viele Wettbewerber in Europa ihr Engagement in Anleihen finanzschwacher Euro-Staaten nicht veröffentlicht. „Das war wohl eher ein Problem der Abstimmung zwischen der europäischen und der deutschen Bankenaufsicht“, hieß es von einem deutschen Kreditinstitut.
Vergangene Woche hatte der Ausschuss der europäischen Bankenregulierer die Ergebnisse des Stresstests veröffentlicht. Untersucht wurde, ob die Banken ausreichend Kapitalreserven haben, um eine weitere Krise in Europa zu überstehen. Ziel war es, Zweifel an der Solidität des EU-Finanzsektors zu zerstreuen. Nur sieben Banken – die deutsche HRE, eine griechische und fünf spanische Banken – bestanden den Test nicht.
An den Börsen führten die Tests gestern zu keinen großen Kurssprüngen. Die Märkte reagierten erleichtert, aber nicht euphorisch. Die Ergebnisse seien erwartet worden, hieß es. Zudem zeigten sie, „dass der Großteil des EU-Bankensektors solide sei“, so die Bank Unicredit. Letztlich werde es aber eine Weile dauern, bis die Ergebnisse verarbeitet sind.
Um die Sorgen der Finanzmärkte zu zerstreuen, waren die Banken zudem dazu angehalten, freiwillig ihr Engagement in Staatsanleihen insbesondere von Portugal, Spanien, Irland, Griechenland und Italien offenzulegen. Sechs der 14 teilnehmenden deutschen Institute hatten dies jedoch unterlassen und dafür Kritik der EU-Bankenaufsicht CEBS geerntet.
Ein Sprecher der Deutschen Bank deutete an, dass die Bank sich bei der Vorlage der Quartalszahlen am heutigen Dienstag zu ihrem Engagement äußern werde. Die Postbank, die Landesbank Berlin, die DZ- und die WGZ-Bank lieferten inzwischen ihre Daten zu Staatsanleihen verspätet nach.
Landesbanken sollen Kapitalbasis stärken
Auch die bei dem Test durchgefallene HRE hatte anfangs keine Details zu den Staatsanleihen genannt, tat dies aber gestern noch. Hinter vorgehaltener Hand kritisierten die Banken die deutsche Finanzaufsicht Bafin harsch. Sie habe den Instituten die Veröffentlichung freigestellt, ihnen aber nicht vermittelt, dass diese von ihnen erwartet würde. „Hätten wir das gewusst, so hätten wir die Zahlen geliefert“, hieß es bei einer Bank. „Das ist keine glückliche Situation.“
Relativ schwach hatten die deutschen Landesbanken bei den Tests abgeschnitten. Die Bundesregierung forderte die Institute daher gestern auf, über den staatlichen Rettungsfonds Soffin ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Bis Ende des Jahres stehe den Institut diese Möglichkeit offen, erklärte eine Sprecherin von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Sie erinnerte zugleich daran, dass sich die Landesregierungen im vergangenen Jahr in einer gemeinsamen Erklärung zur Notwendigkeit bekannt hätten, die Landesbanken zu konsolidieren und zusammenzuschließen.
SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider rief die Regierung auf, den Druck auf die Eigentümer zu verstärken. Dabei sollte sie auch ihre Beteiligung an der WestLB nutzen,an der der Soffin mit drei Milliarden Euro beteiligt ist. „Die Bundesregierung muss den Anteil an der WestLB nutzen, um jetzt schnellstens eine Konsolidierung bei den Landesbanken zu erreichen“, sagte Schneider der Frankfurter Rundschau. Auch bei anderen Banken verlangte er notfalls eine Teilverstaatlichung, um eine Wiederholung von Rettungsaktionen auf Kosten des Steuerzahlers zu vermeiden.
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