München. Den Beschäftigten des Halbleiterkonzerns Infineon droht bei den Löhnen eine Nullrunde. Infineon erklärte seinen Austritt aus dem Tarifverband der bayerischen Metallarbeitgeber. Für rund 6000 tarifliche Beschäftigte gebe es folglich im laufenden Geschäftsjahr keine Gehaltserhöhungen, teilte das Münchener Unternehmen mit. Infineon ist damit einer der ersten börsennotierten Großkonzerne ohne Tarifbindung an den Hauptstandorten.
"Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, sehen jedoch im Blick auf den von uns angestrebten wirtschaftlichen Erfolg unseres Unternehmens keine Alternative", erklärte Finanzvorstand und Personalchef Marco Schröter. Sein Haus peilt bis 2010 eine operative Rendite von zehn Prozent an.
Ziel des Austritts aus dem Verband der bayerischen Metall- und Elektroindustrie sei es, die Gehälter flexibel an die Schwankungen des Halbleitermarktes anpassen zu können. Infineon beschäftigt in Deutschland noch rund 10.000 Menschen.
Die IG Metall kritisierte den Schritt. "Infineon ist durch eine beispiellose Kette von Managementfehlern in die Krise geführt worden. Ausbaden sollen dieses Versagen des Managements jetzt zum wiederholten Mal die Beschäftigten. Das zeigt, wessen Geistes Kind das Management bei Infineon ist", erklärte Bayerns Gewerkschaftschef Werner Neugebauer. Der Unternehmerverband solle sich Gedanken über seinen Organisationsgrad machen, da immer mehr Firmen in die Tariflosigkeit abwanderten.
Ein Infineon-Sprecher sagte, der Austritt habe nichts mit der Einigung der Arbeitgeber und der IG Metall im Pilotbezirk Baden-Württemberg vom Mittwoch zu tun. Die Tarifübereinkunft sieht vor, die Löhne und Gehälter ab Februar um 2,1 Prozent und ab Mai erneut um den gleichen Prozentsatz anzuheben. Für die Monate November, Dezember und Januar wurde eine Einmalzahlung von 510 Euro vereinbart. Die anderen Bezirke der Metall- und Elektro-Industrie folgen meist den Vereinbarungen aus dem Südwesten. (rtr)
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