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20. März 2015

Halogenlampen: Licht aus für Energieschleuder

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Bei den herkömmlichen Glühbirnen ist die Heizwirkung größer als die Leuchtwirkung.  Foto: imago/FR-Grafik

Umweltschützer fordern, Halogenlampen so schnell wie möglich aus dem Verkehr zu ziehen – die Frage ist nur: wann?

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Der Kampf um die Halogenlampe eskaliert. Umweltschützer fordern, das Leuchtmittel so schnell wie möglich aus dem Verkehr zu ziehen. Doch die EU will, dass sie bis 2018 verkauft werden können. Dabei zeigen Studien, dass es längst bessere Alternativen gibt: LED-Lampen.

Daran dürften sich viele Verbraucher noch erinnern: 2009 trat die sogenannte Glühlampenverordnung in der EU in Kraft. Die Aufregung war groß, weil damals den Leuten etwas weggenommen wurde, an das sie sich über Jahrzehnte gewöhnt hatten: die künstliche Lichtquelle, bei der eine Metallfaden zum Glühen gebracht wird und dabei Licht erzeugt. Allerdings war dabei die Heizwirkung viel größer als die Leuchtwirkung. Mit dem neuen EU-Regelwerk wurde es weitgehend verboten, die ineffizienten Lampen weiter in den Handel zu bringen.

In der Zwischenzeit hat die EU die Vorgaben weiter verschärft. Im September 2016 sollte eigentlich die sechste und letzte Stufe der Verordnung in Kraft gesetzt werden, mit der die Anforderungen an die Energieeffizienz noch einmal gesteigert werden. Sie würde eins zur Folge gehabt: Die Lampen, die wie die gute alte Glühbirne aussehen, aber über einen mit Halogen gefüllten Glaskolben verfügen, wären dann verboten. Sie arbeiten mit 230 Volt, lassen sich in jede Standardfassung drehen und sind bei den Verbrauchern beliebt. Vom Frühherbst nächsten Jahres an sollten dann nur noch Lampen, die mit Leuchtdioden (LED) Licht erzeugen, und kleine Halogen-Lampen, die mit Niederspannung arbeiten, erlaubt sein. Der Hintergrund: Halogen bringt im Vergleich zur Traditions-Glühbirne nur eine Stromersparnis von maximal rund 30 Prozent. Bei Leuchtdioden ist der Energieverbrauch um das Fünf- bis Siebenfache niedriger.

Zu teuer und zu klobig

Die EU-Kommission hat 2013 die Entwicklung bei den Leuchtmitteln überprüfen lassen. Mit dem Ergebnis, dass man die Umsetzung der sechsten Stufe um zwei Jahre verschieben will. So steht es auch in einem Arbeitspapier der Kommission, das der FR vorliegt. Die Begründung: Die ursprüngliche Annahme, dass die Halogen-Glühbirnen, so sparsam werden, dass sie den verschärften Anforderungen entsprechen, hätten sich nicht erfüllt. Darauf weist auch das Bundeswirtschaftsministerium auf Anfrage hin. Weiteres Argument, vor allem der Industrie: Es gebe keine vernünftige Alternative – auch nicht die LED-Lampen. Zu teuer, zu klobig und das Licht leuchte auch nicht so schön.

Doch die Position der Halogen-Freunde kommt ins Wanken – durch zwei Studien, die von den staatlichen Energieagenturen von Dänemark und Schweden jeweils in Zusammenarbeit mit der internationalen Umweltschutzorganisation Clasp vorgelegt wurden. Das Ergebnis: Die Erkenntnisse von 2013 müssten revidiert werden. Im Markt hätten sich grundlegende Verschiebungen ergeben, heißt es. Form, Größe und die Lichtqualität der LED-Produkte seien inzwischen akzeptabel. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass der Möbel- und Einrichtungsgigant Ikea vom nächsten Jahr an nur noch die LED-Lampen anbieten will. Der deutsche Leuchtenhersteller Erco, weltweit führend bei Profi-Lösungen, offeriert schon seit Anfang des Jahres nur noch Produkte, die mit der modernen Technologie arbeiten.

Das wichtigste Argument ist aber: Die LEDs seien deutlich schneller billig geworden, als ursprünglich angenommen, so die dänische Studie, die der FR vorliegt. Testkäufe in Österreich, Schweden und Dänemark hätten ergeben, dass zehn Lampen-Modelle schon jetzt auf einem Preisniveau angeboten würden, das eigentlich erst in den Jahren 2020 bis 2025 erreicht werden sollte. Der noch immer höhere Preis für die Leuchtdioden-Technik amortisiere sich bei Lampen, die drei Stunden täglich brennen, im Schnitt schon nach weniger als einem Jahr.

Die Autoren rechnen hoch, dass durch die vorgeschlagene Verschiebung des Halogen-Verbots die Stromrechnungen in der EU von 2016 bis 2026 um insgesamt 6,6 Milliarden Euro höher ausfallen. Die Konsumenten profitierten also vom Einhalten des ursprünglichen Zeitplans, betont Clasp-Experte Michael Scholand. Dies werde zudem die Innovationen in der LED-Technik beschleunigen und so die Preise weiter drücken.

Verschieben nutzt Herstellern

Robert Pörschmann, Energieexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), spricht gar von „einer kleinen Revolution“. Eine Verschiebung der härteren EU-Regeln nutze vor allem den Halogen-Herstellern Osram, Philips und anderen. Hauptgrund: Die Herstellung ist billig, bringt hohe Renditen. Für den Umweltschützer gibt es keinen Zweifel: „Eine Entscheidung für eine ineffiziente Lampentechnik ist nicht akzeptabel.“ Der Übergang zu den LEDs müsse beschleunigt werden.

Ob die Verschärfung noch 2016 kommt, ist offen. Insidern zufolge wollen diese vor allem die nordeuropäischen EU-Mitglieder durchsetzen. Deutschland und Frankreich wollen die Verschiebung, die EU-Südländer würden die Regelungen am liebsten abschaffen. Osram, Deutschlands Lampen-Marktführer, gibt sich indes wortkarg. „Man „unterstütze die Wahlfreiheit des Verbrauchers“.

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