Frankfurt. Die Tarifverhandlungen für die rund 2,7 Millionen Beschäftigten im Einzelhandel und die 1,2 Millionen Mitarbeiter im Großhandel beginnen in den kommenden Wochen. 6,8 Prozent, mindestens aber 145 Euro mehr Lohn und Gehalt verlangt die Große Tarifkommission für die Handelsbranche.
In Stuttgart überlegten mehrere Hundert Betriebsräte aus dem Einzel- und Großhandel, mit welcher Taktik sie ihre Forderungen durchsetzen können. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hatte dazu eingeladen.
Auf der Kundgebung mit dem Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske bezeichneten die Gewerkschafter hohe Lohnabschlüsse als "bestes Konjunkturprogramm".
Eine Stärkung der Kaufkraft der Beschäftigten sei "das Gebot der Stunde", betonte Verhandlungsführer Werner Wild. So werde die Gewerkschaft ein tarifliches Mindesteinkommen von 1550 Euro verlangen.
Grossisten bieten eine störanfällige Logistik
Wild begründet diese Tarifforderung auch mit dem "erheblichen Nachholbedarf der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in den letzten Jahren reale Einkommensverluste hinnehmen mussten."
Erstmals verhandelt die Gewerkschaft für Einzel- und Großhandel gemeinsam. Bei den Grossisten macht die störanfällige Logistik punktuelle Arbeitskampf-Aktionen erfolgversprechender.
Im Einzelhandel soll dem Einsatz von Leiharbeitern als Streikbrecher entgegen gewirkt werden. Spontane Blitzversammlungen per SMS könnten vorübergehend einzelne Supermärkte lahmlegen.
Arbeitgeberverbände des Handels schimpfen schon jetzt
Der Einzelhandel ist geprägt durch ein Vordringen der Discounter, die über Preis- und Rabattschlachten um Marktanteile kämpfen. Laut Verdi führt das zu verschärften Arbeitsbedingungen wie zum Beispiel unbezahlte Überstunden.
Die Arbeitgeberverbände des Handels kritisierten, die Forderungen von Verdi zeigten, dass die Gewerkschaft sich mit der Krise und deren Folgen für die Beschäftigung im Handel nicht auseinandergesetzt habe. So müssten die Unternehmen erstmals in der Branche zum Mittel der Kurzarbeit greifen, um Massenentlassungen zu vermeiden.
Die vorige Tarifrunde war im Juli 2008 nach über einjährigen Verhandlungen in Baden-Württemberg mit einem Kompromis zu Ende gegangen. Danach bekamen die Beschäftigten rückwirkend zum 1. April 2008 für ein Jahr drei Prozent mehr Geld sowie einmalig 400 Euro.
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