Den Aufschwung der deutschen Wirtschaft finanziert abermals das Ausland - durch steigende Defizite im Außenhandel. Denn in den kommenden Jahren dürfte der deutsche Export wieder deutlich zulegen. Das geht zulasten gerade auch der Euro-Krisenländer wie Griechenland, Portugal oder Spanien. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag berichtete, verzeichneten sie ein großes Minus im Handel mit Deutschland. Dabei bräuchten sie dringend Überschüsse, um der Schuldenfalle zu entrinnen.
Deutschland erzielte nach Angaben des Bundesamtes im vorigen Jahr einen Handelsbilanzüberschuss von 134 Milliarden Euro. Er ergibt sich aus der Warenausfuhr im Wert von 808 Milliarden und der Einfuhr von Waren für 674 Milliarden Euro.
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Der Export wird nach Erwartung von Experten auch die Erholung in diesem Jahr tragen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 0,7 Prozent gegenüber dem ersten Quartal zulegt. Die deutlichen Zuwächse in den vom Export gestützten Schlüsselindustrien zeugten von einem Aufschwung, der sich zunehmend stabilisiere. In den kommenden Monaten dürften die deutschen Überschüsse daher wieder deutlich steigen, da die Ausfuhren schneller zunehmen als die Einfuhren.
Dabei hilft den hiesigen Exporteuren nicht nur der schwächere Euro, sondern auch die gesunkenen Zinsen: Da Bundesanleihen in der Krise als sicherer Hafen gelten und begehrt sind, gehen die Zinsen für deutsche Staatspapiere zurück. "Hiervon scheinen auch die deutschen Unternehmen zu profitieren", meint Ralph Solveen von der Commerzbank. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) prognostiziert daher für 2011 bereits wieder einen Leistungsbilanzüberschuss von über 7,2 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Das wäre nur knapp weniger als der Rekordwert aus dem Jahr 2007.
Geld fließt permanent ab
In absoluten Summen erzielten die deutschen Unternehmen 2009 die höchsten Überschüsse im Warenhandel mit Frankreich (rund 27 Milliarden Euro), Großbritannien (20 Milliarden), Österreich (19 Milliarden) und den USA (14 Milliarden). Gemessen am Handelsvolumen (Ausfuhren und Einfuhren) mit dem jeweiligen Land jedoch verbuchte Deutschland die höchsten Überschüsse mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Australien, aber auch mit den krisengeplagten Euro-Staaten des Mittelmeer-Raums. Und dies sind genau jene Länder, die dringend Geld im Außenhandel einnehmen müssten, um ihre Schulden zu bedienen oder zu senken.
Das zeigt das Beispiel Griechenland. Nach einer Studie der Deutschen Bank werden dort die Schulden bis 2013 auf 150 Prozent des BIP steigen, selbst wenn Hellas die Sparauflagen der EU buchstabengetreu befolgt. Die hohen Schulden allein sind jedoch nicht das Problem, schließlich liegen sie in Japan sogar bei fast 200 Prozent der Wirtschaftsleistung. Doch sind die Gläubiger Tokios fast nur Japaner.
Das bedeutet: Zinszahlungen der japanischen Regierung sind eine Umverteilung innerhalb des Landes. Das Problem von Staaten wie Griechenland oder Portugal dagegen ist: Die Gläubiger, die die Zinsen kassieren, sitzen zumeist im Ausland. Die hohen Schulden führen daher zu einem gigantischen Geldabfluss jedes Jahr. Einen Zins von fünf Prozent angenommen, müsse Griechenland einen Betrag ins Ausland transferieren, der sechs Prozent seiner Wirtschaftsleistung entspreche, hat die Deutsche Bank errechnet.
Geld fließt also permanent ab. Gleichzeitig kommt aus dem Handel keines hinzu. Im Gegenteil, im Außenhandel beträgt Griechenlands Defizit weitere sieben Prozent der Wirtschaftsleistung. "Dies ist im Grunde das Problem, mit dem Griechenland konfrontiert ist", betont Thomas Mayer von der Deutschen Bank. Wenn ausländische Anleger Griechenland kein Geld mehr leihen wollten, müsse das Land seinen Haushalt wieder ins Gleichgewicht bringen und einen Handelsbilanzüberschuss generieren, erklärt er.
Hier wären Staaten wie Deutschland gefragt, ihre Überschüsse zu reduzieren. Auch weil Länder wie Griechenland, Spanien oder Portugal in den vergangenen Jahren ihre Exporte zwar deutlich steigern konnten, ihre Ausfuhren nach Deutschland sich aber relativ schwach entwickelten.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung rät der hiesigen Politik daher, die Attraktivität der deutschen Nichtexportsektoren für Investitionen zu steigern. Dies "dürfte nicht nur das Wachstumspotenzial erhöhen, sondern auf mittlere Sicht auch zu einer Verringerung der Leistungsbilanzungleichgewichte beitragen", mahnt die OECD.
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