Rom/Frankfurt. "Allein heute sterben 17.000 Kinder auf der Welt vor Hunger, sechs Millionen pro Jahr. Das ist nicht zu akzeptieren." So sagt es UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. "Der Hunger ist das grausamste Zeichen der Armut. Wir können üppiges Leben und Verschwendung nicht länger akzeptieren, während das Hungerdrama immer größere Dimensionen annimmt."
So sagt es Papst Benedikt XVI. Papst und UN-Chef redeten zum Auftakt des dreitägigen Welternährungsgipfels in Rom den Delegierten ins Gewissen. Bewegen indes konnten sie niemanden mehr: Die Abschlusserklärung war am Montagmorgen längst ausgehandelt - und noch bevor der Papst ans Mikrofon trat, hatte das Plenum sie beschlossen.
Die FAO ist die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN und Gastgeberin des 3. Welternährungsgipfels, der am Montag in Rom beginnt. 1996 vereinbarte der 1. Gipfel, die Zahl der Hungernden bis 2015 auf 420 Millionen zu halbieren. Heute hungern mehr als eine Milliarde Menschen.
FAO-Chef Jacques Diouf rief für das Wochenende zu einem 24-stündigen Hungerstreik auf und fastete selbst gemeinsam mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Zudem warb er dafür, im Internet die Petition "I agree" (www.1billionhungry.org) anzuklicken. (tos)
Der Gipfel-Einladung der Welternährungsorganisation FAO waren entschieden weniger Staatschefs als noch vor einem Jahr gefolgt. Damals ließen Hungeraufstände in Asien ein schnelles politisches Handeln angeraten erscheinen. Diesmal fehlen vor allem die Regierungschefs jener Staaten, von denen sich die hungernden Länder Hilfe erwarten: Aus dem Kreis der G8, der führenden Industriestaaten, ließ sich lediglich Ministerpräsident Silvio Berlusconi sehen, als Gastgeber gewissermaßen.
Enttäuschend fiel denn auch für viele Beobachter das Abschluss-Kommunique aus. Der Grünen-Politiker Thilo Hoppe, Mitglied der deutschen Delegation, sprach von einer "weich gespülten Erklärung". Es sei skandalös, dass der Text etwa das Problem des Landraubs mit keinem Wort erwähne. Der Aufkauf von 33 Millionen Hektar Land in den vergangenen drei Jahren durch Konzerne, Hedgefonds und Ölstaaten verschärfe das Ernährungsproblem massiv, sagte Hoppe der FR. Drei Gipfel hätten sich schon mit dem Welthunger befasst. Die Schlusstexte indes würden immer unverbindlicher. "Das grenzt an Zynismus", sagte Hoppe.
Tatsächlich fehlt im Dokument von Rom jede konkrete Aussage über Hilfen. 44 Milliarden Dollar (etwa 30 Milliarden Euro) jährlich verlangt FAO-Generalsekretär Jacques Diouf zur Bekämpfung des Hungers. 1,02 Milliarden Menschen kommen laut FAO nicht an die zum Überleben notwendige Nahrung - Tendenz steigend. Die Gipfelteilnehmer bekräftigen demgegenüber lediglich ihre alten Verpflichtungen, die "Zahl der Hungernden bis 2015 halbieren" zu wollen - ein Ziel, das von Hilfsorganisationen als unrealistisch eingeschätzt wird.
In ihren "fünf Prinzipien zur nachhaltenden Welt-Ernährungssicherheit" verpflichten sich die Gipfelstaaten, Kleinbauern in Entwicklungsländern zu stärken - etwa mit der Lieferung gegen Hitze und Dürre resistenten Saatguts, mit Technologie zur Begrenzung der Folgen des Klimawandels, mit Kapital und schließlich mit der "Stärkung der Märkte und einem gerechten Zugang zu ihnen".
Die Hilfen für die Landwirtschaft - in den 80er Jahren noch 18 Prozent der Entwicklungshilfe, nun nur noch 3,6 Prozent - sollen "substanziell" angehoben werden. Ferner soll das "Komitee für die Welternährungssicherheit" (CFS) praktisch neu geschaffen und zu einer "Plattform der Zusammenarbeit" zwischen Regierungen, Nahrungsproduzenten, regionalen und internationalen Organisationen sowie zwischen privaten Verbänden und Hilfsorganisationen ausgebaut werden.
Auch die Entwicklungsorganisation Oxfam kritisierte, dass "weder die konkrete Finanzierung, noch die Umsetzung und die Überprüfung der Ziele festgelegt" worden seien. "Leere Versprechen machen die Hungernden nicht satt", sagte Marita Wiggerthale, Oxfam-Agrarexpertin.
Das katholische Hilfswerk Misereor nannte das Gipfel-Kommunique eine "herbe Enttäuschung". Besonders problematisch sei das Festhalten an alten Rezepten bei Betriebsmitteln und in der Handelspolitik. Misereor kritisierte vor allem auch die Politik der offenen Märkte, der die armen Ländern zunehmend schutzlos ausgeliefert seien.
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