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20. Oktober 2010

Hessischer Gründerpreis: Kredite ohne Zinsen

 Von 
Taoufik Bouhmidi  Foto: Andreas Arnold

Eine Finanzberatung für Muslime bietet Alternativen zum klassischen Kapitalismus. Die FR stellt die Finalisten des Gründerpreises vor.

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Frankfurt –  
Zur Person

Taoufik Bouhmidi hat 2008 die Finanzberatung für Muslime und Freunde (FMF) gegründet.
Beim hessischen Gründerpreis stehen insgesamt neun Gründer in drei Kategorien (mutige Gründung, geschaffene Arbeitsplätze, innovative Geschäftsidee) im Finale. Bouhmidi wurde für seine innovative Geschäftsidee nominiert. Die FR stellt die neun Finalisten in einer Serie vor. Was bisher erschien: www.fr-online.de/gruender. ust

Durchs Fenster grüßen Branchengrößen: Hochhäuser von Deutscher Bank, Commerzbank und anderen hat Finanzberater Taoufik Bouhmidi von seinem Büro aus im Blick. Vorbilder? Ihr Erfolg ist Vorbild für den jungen Mann, dessen Familie aus Marrokko stammt, die Geschäftspraxis nicht. Denn die ist nicht „halal“, nicht erlaubt nach islamischen Religionsvorschriften. Die verbieten es, Zins zu nehmen oder zu spekulieren. Es gilt das Prinzip der Beteiligung an Gewinn oder Verlust und das Gebot, soziale oder ethische Kriterien bei Investitionen zu beachten. Alkohol oder Tabak etwa sind tabu.

Bouhmidi hat dafür 2008 seinen Job als Gebietsleiter beim Onlinebroker Cortalconsors gekündigt und die Finanzberatung für Muslime und Freunde (FMF) gegründet. Mit Finanzen habe er sein Hobby zum Beruf gemacht, sagt Bouhmidi. Aber parallel zur klassischen Karriere habe er sich mit inneren Werten und seiner Religion auseinandergesetzt und so das noch recht junge „Islamic Banking“ entdeckt. „Das ist bislang nur in Ländern wie Qatar oder Saudi-Arabien bedeutsam. In den meisten islamischen Ländern dominiert die klassische Finanzindustrie“, sagt Bouhmidi. In England gebe es seit 2004 die Islamic Bank of Britain.

Am Londoner Institut of Islamic Banking and Insurance hat Bouhmidi ein Fernstudium absolviert. Und er ist sich sicher: In Deutschland gibt es Bedarf für Finanzberatung unter den rund vier Millionen Moslems, Nachfrage nach Scharia-konformen Finanzprodukten und Angebote dafür.

Allerdings meist nur für Anleger: Überwiegend Sparpläne und Investmentfonds vertreiben Bouhmidi und seine derzeit 18 Berater und Beraterinnen. Die arbeiten freiberuflich als Handelsvertreter. Ziel sind Berater in allen deutschen Großstädten. FMF berät und vermittelt, verwaltet aber selbst kein Geld.

Für Anleger gibt es etliche Produkte, die halal sind, auch von großen Instituten. Eine Herausforderung sind Kunden, die Geld benötigen, für Haus- oder Unternehmensfinanzierungen etwa. Denn hier ist das islamisch korrekte Vorgehen kompliziert: Für Kredite an Firmen etwa werde kein Zins vereinbart, sondern eine Gewinnbeteiligung – bleibt der aus, macht die Bank kein Geschäft. Wenn es gut läuft dafür unter Umständen mehr als beim klassischen Kredit. Bei der Hausfinanzierung kaufen Bank und Kunde das Objekt gemeinsam, die Eigentumsanteile entsprechen dem eingebrachten Kapital. Über die Laufzeit zahlt der Kunde eine Art Miet-Tilgung, bis ihm das Haus ganz gehört. Weil das rechtlich gesehen dabei mehrfach verkauft wird, würde auch mehrfach Grunderwerbssteuer fällig – ein Problem, das die britische Gesetzgebung bereits gelöst hat, die deutsche noch nicht.

Und so, wie die gesellschaftliche Diskussion über Islam und Zuwanderung derzeit läuft, dürfte das auch noch dauern. Bouhmidi sammelt derweil Kunden für seine Anlageprodukte und eine Warteliste für Finanzierungen „Je größer das wartende Kapital, desto eher werden Anbieter passende Produkte auf den Markt bringen“, hofft er. Derzeit hat er etwa 1000 Kunden in der Verwaltung – mit Interesse an Immobilienfinanzierungen im zweistelligen Millionenbereich. Bouhmidi glaubt an den Erfolg islamischer Finanzdienstleistung, deren Regeln nicht nur für Moslems interessant seien. „Als über die Regulierung von Optionen und Leerverkäufen diskutiert wurde“, erinnert er sich, „dachte ich: Der Islam verbietet das schon immer.“

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