Der kalifornische Technologiekonzern Hewlett-Packard (HP) plant nach der Übernahme des IT-Dienstleisters Electronic Data Systems (EDS) einen drastischen Stellenabbau. HP-Chef Mark Hurd will nun das Service-Geschäft rationalisieren und über die nächsten drei Jahre weltweit rund 24 600 Stellen in dem fusionierten Konzern abbauen. Das sind 7,5 Prozent der Belegschaft.
HP hatte den EDS-Kauf im Wert von 13,9 Milliarden Dollar im August abgeschlossen. Der weltweit größte PC-Hersteller, der auch für seine Drucker bekannt ist, weitet durch die Übernahme sein IT-Dienstleistungsgeschäft massiv aus und möchte damit IBM, die Nummer eins an diesem lukrativen Markt, herausfordern.
EDS mit Sitz im texanischen Plano zählte zu den führenden IT-Dienstleistern und hielt sich zugute, das Outsourcing von Informationstechnik vor mehr als 45 Jahren begründet zu haben. IT-Service reicht von der Beratung für IT-Projekte über die Planung bis zum Betrieb von Computern, Software und Netzen. Ein wichtiger hiesiger EDS-Standort ist Rüsselsheim bei Frankfurt.
Vor der Übernahme hatte HP weltweit 178 000 und EDS mehr als 142 000 Beschäftigte. Zum Stellenabbau teilt HP weiter mit, dass vor allem Jobs in der Verwaltung und anderen zentralen Abteilungen wie Immobilien, IT oder Beschaffung wegfallen sollen, in denen es Überschneidungen gebe. Rund die Hälfte der Streichungen solle auf die USA entfallen. HP will Mitarbeitern, die ihren Job verlieren, Abfindungen anbieten und bei der Vermittlung einer neuen Stelle helfen.
Der Konzern fügt jedoch hinzu, dass er grob die Hälfte der zunächst wegfallenden Posten über die nächsten drei Jahre wieder mit neuen Mitarbeitern besetzen wolle. Damit solle international die "richtige Mischung" geschaffen werden, um die unterschiedlichen Wünsche der Kunden rund um den Globus erfüllen zu können.
Über die Folgen des weltweiten Stellenabbaus für Deutschland könne man noch nichts sagen, so HP-Sprecher Norbert Gelse in Böblingen. Zunächst würden auf europäischer Ebene Beratungen mit den Arbeitnehmervertretern beginnen. Ziel seien "sozialverträgliche Lösungen". Hierzulande beschäftigt HP mehr als 8500 und EDS rund 4200 Frauen und Männer. Man könne noch nicht sagen, wie viele Beschäftigte auf der früheren HP- oder EDS-Seite betroffen sein könnten, ergänzte Gelse. Das werde von Land zu Land unterschiedlich sein. Martin Haas, Analyst bei der IT-Marktforschungsfirma IDC, kann sich nicht vorstellen, dass der Personalabbau in Deutschland dramatisch ausfallen werde.
Die Einbindung von EDS wird HP im vierten Geschäftsquartal mit 1,7 Milliarden Dollar belasten. Nach Abschluss des Rationalisierungsprogramms erwartet das Management dann aber jährliche Kostensenkungen in einer Größenordnung von 1,8 Milliarden Dollar. "HP hat bei Übernahmen und deren Integration eine starke Erfolgsgeschichte geschrieben", betont Hurd, der 2002 an die Konzernspitze rückte. Der EDS-Deal war die zweitgrößte Akquisition der Kalifornier seit dem Kauf von Compaq Computer für fast 20 Milliarden Dollar 2002. Danach mussten binnen eines Jahres 16 500 Beschäftigte gehen.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.