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08. Mai 2014

Hirn-Doping für Banker: Geldscheffeln unter Drogen

 Von 
Broker sollen mit Hilfe von Medikamenten bessere Geschäfte machen.  Foto: imago/CHROMORANGE

Eine US-Investmentfirma testet, ob ihre Mitarbeiter unter Arzneimitteleinfluss auch noch mehr Geld erwirtschaften können. Ob das Hirn-Doping den Bankern helfen kann, bessere Entscheidungen zu treffen, bleibt aber zweifelhaft.

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Einst verwandelte sich der schüchterne Tankwart Stanley Beamish zum flugfähigen Supermann auf Zeit, und zwar „immer, wenn er Pillen nahm“. Die gleichnamige TV-Serie des US-Senders CBS war in den 60er und 70er Jahren Kult. Einwerfen und abheben – ein tolles Erfolgsrezept, auf das ein halbes Jahrhundert später nun auch amerikanische Börsenmakler setzen.

Im vergangenen Monat hat der New Yorker Finanzmarkthändler Sang Lucci Capital Partners seine Mitarbeiter gezielt unter Drogen setzen lassen, um zu testen, ob sie damit gewinnträchtigere Entscheidungen treffen.

Das Ganze lief streng wissenschaftlich ab, wie die auf Wirtschaftsnachrichten spezialisierte Agentur Bloomberg berichtet. Zunächst verfrachtete man 26 Sang-Lucci-Broker nach Los Angeles zu einer Firma mit dem aufschlussreichen Namen „TruBrain“, was in Anspielung auf „true brain“ mit „wahrhaftes Hirn“ übersetzbar wäre. Dort wurden sie unter Laborbedingungen mit verschiedenen Marktszenarien konfrontiert, wobei eine Gruppe wirkstofffreie Placebos erhielt, eine andere mit überaus gehaltvollen Präparaten versorgt wurde.

Unter der Ägide der University of Los Angeles wurden Hirnströme gemessen, aufgezeichnet und verglichen, um den Abläufen im Gehirn bei Kauf- und Verkaufsentscheidungen auf die Spur zu kommen und die Möglichkeiten medikamentöser Optimierung dieser Prozesse auszuloten.

Cocktail aus Fischölextrakten

Noch ist unklar, ob und welche Wirkungen die Pillen zeitigten. Die Ergebnisse des Versuchs am lebenden Broker sollen in Kürze veröffentlicht werden. Man darf aber gespannt sein. Denn es handelte sich beim verabreichten Präparat um einen Cocktail aus Fischölextrakten und dem Wirkstoff Piracetam, der normalerweise bei Demenzerkrankungen verabreicht wird und für zahlreiche Nebenwirkungen bekannt ist.

Piracetam kann – unter anderem – Schlaflosigkeit, gesteigerte Aggressivität, Unruhe, Angststörungen, Gereiztheit, Depressionen, Brechreiz und Durchfall verursachen. Dagegen müssen die erwünschten Effekte, nämlich ein gesteigerter Zuckerstoffwechsel sowie einen bessere Sauerstoffversorgung des Gehirns, erst einmal ankommen.

Ob das Hirn-Doping den Bankern helfen kann, bessere Entscheidungen zu treffen, scheint aber zweifelhaft. US-Forscher wie der New Yorker Internist Robert Graham warnen vor überzogenen Erwartungen: Die Tatsache, dass sich Hirnströme unter Medikamenteneinfluss verändern, deute nicht automatisch auf bessere Funktionen des Denkorgans hin.

Zudem klingt die Wirkung leistungssteigernder Substanzen bekanntlich irgendwann ab. Auch bei Stanley Beamish. Der stürzte regelmäßig vom Himmel, weil seine Pille nur für eine Stunde Superkräfte verlieh. Danach wurde er wieder zu dem, der er eigentlich war: Ein sympathischer, etwas schüchterner Tankwart.

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