Der VW-Käfer hat einen "Porsche-Sound". Fans des eiförmigen Millionensellers, der die Massenmotorisierung im Nachkriegsdeutschland versinnbildlicht, behaupten das jedenfalls bis heute.
2003 lief der letzte Käfer vom Band, im VW-Werk in Mexiko, mit der Produktionsnummer 21 529 464. Und noch er soll die "Porsche-Gene" in sich gehabt haben, die sich besonders in der Akustik des luftgekühlten Hecktrieblers äußerten: ein Sirren, Zirpen, Rascheln, überlagert vom sonoren Rauschen des Kühlgebläses. Wie bei einem traditionellen Porsche. Fast wenigstens.
Der erste "Volkswagen", der Käfer, war eigentlich ein "Volksporsche". Als Entwickler des Viersitzers, der autobahnfest und sparsam sein sollte, zeichnete ab 1934 Ferdinand Porsche, der in Stuttgart ein Auto-Konstruktionsbüro besaß, die Porsche GmbH. Die Geschichte von Porsche und VW ist seither eng verbunden.
Der "Reichsverband der Automobilindustrie" in Nazi-Deutschland erteilte den Auftrag, Hitler selbst hatte vorgegeben, der "KdF-Wagen dürfte maximal 1000 Reichsmark kosten. KdF war das Kürzel für "Kraft durch Freude", das Motto der Deutschen Arbeitsfront (DAF), jenes zwangsweisen Zusammenschlusses der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände.
Die DAF wurde von Hitler beauftragt, das größte Autowerk in Europa zu bauen - in Wolfsburg in Niedersachsen, direkt am Mittelland-Kanal gelegen. Finanziert wurde das VW-Stammwerk, das im Krieg der Rüstungsproduktion diente und wo heute unter anderem der Golf vom Band läuft, vor allem aus dem Verkauf des nach Hitlers Machtübernahme beschlagnahmten Gewerkschafts-Vermögens. Porsche wurde Hauptgeschäftsführer der "Volkswagen GmbH", sein Schwiegersohn Anton Piëch wurde Werksleiter.
Vor Kriegsende zweigte Piëch zehn Millionen Mark aus dem Betriebsvermögen ab, angeblich, um einen Werksteil zu verlagern. In Wahrheit soll das Geld dazu gedient haben, die Firma Porsche zu finanzieren. Die britische Militärregierung erlaubte Mitte 1945 die Wiederaufnahme der Produktion in Wolfsburg. Die ersten richtigen "Käfer" wurden gebaut.
Ein Vertrag, den Ferdinand Porsche 1948 mit VW schloss, sicherte die Finanzbasis für die zukünftige Sportwagenfabrik Porsche: Er ließ sich die Weiterentwicklung des Käfers gut bezahlen und verlangte eine Lizenzgebühr für jeden verkauften Wagen. Als Porsche 1951 starb, erbte Sohn Ferry die Hälfte der Gesellschafteranteile, Schwester Louise, Frau von Anton Piëch, die andere. Ferry ließ als erstes Modell den "356" in Stuttgart-Zuffenhausen bauen, 1963 folgte der bekannte "911er".
VW und Porsche blieben auch nach der Gründerphase eng verbunden - technologisch, personell und finanziell. 1969 bis 1976 ließen sie zum Beispiel gemeinsam den Sportwagen Porsche 914 fertigen ("Volksporsche" genannt), aktuell werden die Geländewagen VW Touareg und Porsche Cayenne auf der gleichen Plattform gebaut.
Anfang der 90er Jahre wurde die personelle Nähe deutlich: Mit Ferdinand Piëch übernahm ein Enkel von Ferdinand Porsche den VW-Chefposten. Er, heute Aufsichtsratschef, ist seither der "starke Mann" bei dem Konzern, der sich gegen den Übernahmeversuch des Sportwagenherstellers wehrte.
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