Berlin. Der Eon-Konzern will die Entwicklung erneuerbarer Energien ausbremsen. Gemeinsam mit dem französischen Konkurrenten Électricité de France (EdF) läutet Deutschlands führender Stromversorger die Alarmglocke: Je stärker Wind-, Wasser- oder Sonnenkraft ausgebaut würden, desto mehr gerate die Atomwirtschaft ins Hintertreffen. Die Bühne für den deutsch-französischen Vorstoß bietet Großbritannien. London hat unlängst sowohl den Ausstieg aus dem Atomausstieg, als auch eine neue Strategie zum Ausbau regenerativer Energien verkündet. Beides zusammen vertrage sich nicht, finden Eon und EdF.
In seiner Stellungnahme für das aktuelle britische Anhörungsverfahren betont Eon, erneuerbare Energien dürften nicht "unbegrenzt" gefördert werden. Die Regierung müsse ein Höchstlimit für deren Anteil an der gesamten Stromerzeugung festsetzen. Als Maximum empfiehlt Eon 33 Prozent; EdF verlangt eine noch niedrigere Schwelle von 20 bis 25 Prozent der Stromproduktion.
Begründet wird das Bremsmanöver der Stromgiganten so: Wind- und Sonnenkraft sind starken "Fluktuationen" ausgesetzt, will heißen, sie setzen sehr flexible Marktmechanismen voraus. Genau dies bieten jedoch sogenannte Grundlastkraftwerke nicht. Braunkohle- und vor allem Kernkraftwerke arbeiten zwar ziemlich kostengünstig, aber ihr Hoch- und Herunterfahren ist aufwendig. Je stärker Wind- und Sonnenkraft im Energiemix berücksichtigt würden, desto flexibler müssten Kraftwerke reagieren und desto mehr sei ihre Rentabilität beeinträchtigt, argumentiert Eon. EdF warnt offen davor, die Kernkraft zu knebeln.
Auf der Insel gehöre man zu den führenden Versorgern, preist sich Eon auf seiner britischen Homepage. Die Kernkraft stelle im Rahmen des hauseigenen Energiemixes eine "verlässliche" Größe dar - "und gewährleistet, dass die Lichter auch dann an bleiben, wenn mal kein Wind weht". Ähnlich argumentieren Eon und Co. auch hierzulande, wenn es um das Reizthema Atomausstieg geht, der für das Jahr 2022 geplant ist.
Aus dem Bundestag kam Kritik: "Eon und EdF bestätigen: Atomkraft und erneuerbare Energien gehen nicht zusammen", sagte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn der FR. "Wer den Atomausstieg rückgängig machen will, muss die Erneuerbaren ausbremsen", fügte sie mit Blick auf Union und FDP hinzu. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber spricht von Etikettenschwindel. Eon widerlege "seine öffentliche Behauptung, Atomenergie sei eine Brückentechnologie". In Wahrheit entlarve sich Kernkraft als "Hemmschuhtechnologie" für eine klimaverträgliche und wettbewerbsfreundliche Versorgung, sagte Kelber.
Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht die Stromgiganten auf dem Holzweg. Das Wachstum der Erneuerbaren werde sich fortsetzen, sagte Energieexperte Holger Krawinkel der FR; das Eon-Argument der Versorgungssicherheit sei nicht stichhaltig. Schon jetzt böten sich flexible, "intelligente Lösungen", um auf Zeiten mit wenig Sonne und Wind zu reagieren: neue Speichertechnologien oder die automatische An- und Abschaltung von Geräten mit Hilfe digitaler Stromzähler. Kommentar Seite 14
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