kalaydo.de Anzeigen

Ökonomen fordern: Höhere Steuern für Reiche

Wirtschaftsexperten fordern, dass der Staat Reiche mehr zur Kasse bittet. Von den Steuersenkungen in der Vergangenheit hätten vor allem Vermögende profitiert.

Der Staat hat die Reichen lange geschont, meinen Experten.
Der Staat hat die Reichen lange geschont, meinen Experten.
Foto: dpa

Finanzkrise, Konjunkturprogramme und Bankenrettung haben den deutschen Staat tief in die roten Zahlen gedrückt. Um die Schulden abzubauen, will die Bundesregierung in den kommenden Jahren Milliarden sparen. Dieser Sparzwang sei jedoch selbstverschuldet, kritisiert die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (Memorandum-Gruppe) in ihrem neuen Sondergutachten.
Das Sparpaket der Bundesregierung setzt vor allem an der Senkung der Ausgaben an. „Dabei hat der Bundeshaushalt ein Einnahmen-, kein Ausgabenproblem“, so die Ökonomen. In der aktuellen Debatte werde übersehen, dass in den letzten zehn Jahren radikale Steuersenkungen durchgesetzt worden seien. „Die Steuerreformen seit 1998 haben dem Staat Steuerausfälle im Zeitraum 2000 bis 2010 von insgesamt rund 335 Milliarden Euro beschert.“ Im Durchschnitte fehlten somit über 30 Milliarden Euro pro Jahr. In den nächsten Jahren würden es sogar deutlich über 50 Milliarden Euro sein.

Plädoyer für neues Steuersystem

Einnahmeausfälle für Bund, Länder und Gemeinden durch die Steuerrechtsänderungen seit 1998 (in Mrd. Euro)

2000 -4,1

2001 -29,5

2002 -24,0

2003 -30,9

2004 -34,6

2005 -43,4

2006 -40,5

2007 -20,0

2008 -20,1

2009 -36,3

2010 -51,5

2011 -55,5

2012 -51,8

2013 -48,0

Quelle: Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik

Von diesen Steuersenkungen hätten in erster Linie die Vermögenden profitiert, so die Memorandum-Gruppe. „Nachdem deren Geldvermögen in der Krise durch staatliche Intervention in den Bankensektor vor einem massiven Wertverlust geschützt wurden, sollen die Kosten nun von der Allgemeinheit übernommen werden“, kritisiert sie. Denn sparen will die Bundesregierung vor allem bei Arbeitslosen – zum Beispiel 1,8 Milliarden Euro durch die Streichung von Zahlungen für Hartz-IV-Empfängern an die Rentenversicherung oder vier Milliarden bei der Bundesagentur für Arbeit. Die Beteiligung des Finanzsektors an den Krisenkosten durch die geplante Bankenabgabe sei zwar richtig, in der Summe aber „lächerlich gering“, schreiben die Ökonomen.

Um den Staatshaushalt wieder solide zu machen, plädiert die Memorandum-Gruppe für ein neues Steuersystems. Bei der Einkommensteuer müsse der Spitzensatz von 42 auf 48 Prozent (plus Solidaritätszuschlag) ab einem zu versteuernden Einkommen von 60.000 Euro angehoben werden. Die Abgeltungsteuer für Kapitalerträge von pauschal 25 Prozent sollte abgeschafft werden. Stattdessen sollten alle Einkunftsarten – auch Kapitaleinkommen – dem individuellen Einkommensteuertarif unterliegen.
Daneben fordern die Ökonomen, dass Unternehmen künftig nicht mehr nur 15, sondern 30 Prozent Körperschaftsteuer zahlen müssen. Die seit 1997 ruhende Vermögensteuer soll von einem Vermögenswert von 500.000 Euro an wieder eingeführt werden.
Auch die Erbschaft- und Schenkungsteuer seien zu niedrig. „Große Erbschaften müssen wesentlich höher besteuert werden“, fordern die linken Ökonomen. Auch Finanztransaktionen sollen ihrer Ansicht nach steuerpflichtig werden. Zwar ist dies auch erklärte Absicht der Bundesregierung. Ob sie aber je realisiert wird, ist völlig offen..

Autor:  Stephan Kaufmann
Datum:  26 | 8 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.


  • 6.728,19 Pkt. -10,28 (-0,15%)
  • 10.253,56 Pkt. -36,39 (-0,35%)
  • 773,85 Pkt. -1,48 (-0,19%)
  • 9.052,07 Pkt. +52,89 (+0,59%)
  • 1,3147 USD -0,0007 (-0,05%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de

Video

Verdienen Sie genug Geld?

Die Reallöhne steigen wieder und vor allem in der Industrie wird gut verdient. Wie sieht es in Ihrem Portemonnaie aus? Verdienen Sie genug Geld?

Spezial
Stromzähler (Archivbild)

Was kommt nach dem Atomausstieg? Diskutieren Sie mit über die Energie der Zukunft.

Anzeige

Fotostrecke
Soziales Pflichtjahr für Rentner und Pensionäre?

Philosoph Richard David Precht will eine Grundsicherung gegen Altersarmut, erwartet dafür aber ein Jahr Dienst an der Gesellschaft von Senioren mit 15 Stunden die Woche. Wie denken Sie darüber?

Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Anzeige

 
Meistgeklickt
Verrauchte Sicht für Frankfurts Keeper Oka Nikolov.
Eintracht gegen Fortuna 
Diskussionen: Bamba Anderson redet auf Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver ein.
Fußball-Kolumne Ballhorn (IV) 
Wütend nach dem Eintracht-Spiel in Düsseldorf: Heribert Bruchhagen.
Eintracht-Boss hadert mit Schiedsrichter und Schauspieler 
Ornella de Santis (links) hat es ins Finale von
„Unser Star für Baku“ 
Anzeige

Finden Sie jetzt gezielt den richtigen Partner für eine glückliche Beziehung. So wird Ihre Partnersuche ganz einfach.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!