Die Deutsche Bahn will ICEs künftig seltener reinigen.
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Die Deutsche Bahn will ICEs künftig seltener reinigen.
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Die Deutsche Bahn verärgert mit einem Pilotprojekt die Gewerkschaft: ICEs sollen künftig seltener gereinigt werden. Die Mitarbeiter fürchten, die Züge seien dann so verdreckt, dass sie kaum noch richtig sauber würden.
Der Witz geht um in diesen Wochen in der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. Ein Spott jagt den anderen – doch keiner kann darüber wirklich lachen. Die Mitglieder der größten deutschen Eisenbahngewerkschaft sind aufgerufen, sich an einer neuen Aktion zu beteiligen. Sie sollen Servicemängel in Zügen, auf Bahnhöfen oder in Reisezentren aufdecken und einschicken. Titel der Kampagne: Dies soll Service sein? Das ist ein Witz!
„Wenn ich Kunden in unsere Züge locken will, muss ich ihnen die Reise so angenehm wie möglich machen. Doch da gibt es noch viele Schwachstellen“, erklärt EVG-Vorstand Reiner Bieck die aktuelle Witz-Kampagne. Viele Reisende klagten vor allem über die mangelnde Sauberkeit, über unpünktliche Züge und schlechten Service.
Die zehn größten Fehlplanungen der Bahn
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Die zehn größten Fehlplanungen der Bahn
Stuttgart 21: Die Kosten für den Tunnelbahnhof und die 60 Kilometer Neubau- und Tunnelstrecken im Stadtgebiet mussten mehrfach auf inzwischen 4,1 Milliarden Euro nach oben korrigiert werden. Der Rahmenvertrag von 1995 veranschlagt Ausgaben von knapp 2,5 Milliarden D-Mark. Der Bundesrechnungshof befürchtet, dass S 21 mindestens 5,3 Milliarden Euro kostet.
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ICE-Strecke Wendlingen-Ulm: Die neue ICE-Trasse soll gleichzeitig mit S 21 fertig werden, nur zusammen ergeben die Projekte Sinn. Der Preisstand von 2004 liegt bei 2,0 Milliarden Euro. Nach einer Neuberechnung (Stand: Juli 2010) wird mit Kosten von 2,89 Milliarden Euro gerechnet.
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Der Verkehrswissenschaftler Karl-Dieter Bodack erwartet, dass der Bau wegen rund 50 Prozent Tunnelanteil und schwierigen Baugrunds auf der Schwäbischen Alb mit 5,5 Milliarden Euro fast dreimal so teuer wird.
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Karlsruhe-Basel: Der 190 Kilometer lange viergleisige Ausbaus im Rheintal wurde vor 23 Jahren begonnen und ist erst zu einem Drittel erledigt. Die Gesamtkosten sind allein seit 2003 von 3,4 auf mehr als 5,7 Milliarden Euro gestiegen. Noch 4,0 Milliarden sind zu finanzieren. Fertigstellung: nicht in Sicht.
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Nürnberg-Erfurt: 1997 wurde mit dem Trassenbau begonnen. Die Kosten sind auch wegen komplizierter Tunnel völlig aus dem Ruder gelaufen. Noch 2003 wurden 3,3 Milliarden Euro veranschlagt, inzwischen sind es fast 5,2 Milliarden. Mehr als 4,0 Milliarden sind noch zu finanzieren. Fertigstellung: frühestens 2017, vermutlich später. Das Bild von 2002 zeigt die fast fertiggestellte ICE-Brücke bei Ichtershausen auf der Strecke von Erfurt nach Nürnberg.
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Köln-Frankfurt: Die 177 Kilometer lange ICE-Trasse wurde 2005 fertig und kostete mit 6,0 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel wie geplant.
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Nürnberg-München: In den 16 Jahren Bauzeit explodierten die Gesamtkosten von 1,5 auf 3,6 Milliarden Euro. Dafür wurden gerade mal 77 Kilometer von Nürnberg nach Ingolstadt neu gebaut und die bestehende Verbindung Ingolstadt-München ausgebaut. Bild: Bauarbeiten an der Neubaustrecke im Altmühltal auf der Höhe Kipfenberg im August 2002.
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Knoten Berlin: Die Modernisierung des Bahnnetzes in der einst geteilten Hauptstadt verschlingt Unsummen. Die Gesamtkosten werden inzwischen auf 6,4 Milliarden Euro veranschlagt. Der neue Hauptbahnhof kostete 1,2 Milliarden Euro - 700 Millionen mehr als geplant. Das Bild zeigt die Grundsteinlegung 1998 mit den Politikern dieser Zeit: Bürgermeister Eberhard Diepgen, Verkehrsminister Matthias Wissmann, Bahnchef Johannes Ludewig und Thyssen-Chef Ekkehard Schulz (v.l.).
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Citytunnel Leipzig: Das S-Bahnprojekt mit seinen beiden gerade mal 1400 Meter langen Tunnelröhren zum Hauptbahnhof wird mindestens eine Milliarde Euro kosten. Geplant waren 572 Millionen, inzwischen werden die Kalkulationen fast im Monatsrhythmus nach oben korrigiert. Fertigstellung: frühestens 2013 - vier Jahre später als geplant.
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Rhein-Ruhr-Express: Der RRX ist der Ersatz für die gescheiterten Transrapid-Pläne , er soll den Ballungsraum Düsseldorf-Duisburg besser auf der Schiene verbinden. Doch die Kosten explodieren schon vor Baustart, von 1,4 auf 2,0 Milliarden Euro. In manchen Papieren ist bereits von 2,7 Milliarden die Rede - weshalb die Bahn das Projekt intern als "bis 2025 nicht realisierbar" einstuft. Das Bild zeigt einen S-Bahn-Zug mit dem Außendesign des geplanten Rhein-Ruhr-Expresses.
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Stuttgart-Mannheim: Kostenexplosionen gab es schon bei der Bundesbahn: Die ICE-Trasse Stuttgart-Mannheim wurde 1975 für 2,5 Milliarden DM genehmigt, kostete am Ende aber 4,3 Milliarden DM (rund 2,2 Milliarden Euro). Die ICE-Trasse Hannover-Würzburg schlug mit fast 12,0 statt genehmigter 10,4 Milliarden DM zu Buche.
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Das Planungs-Chaos geht weiter: Ein zunächst geheimes Papier der Deutschen Bahn listet Neu- und Ausbauprojekte auf, die wegen Geldmangels möglicherweise nicht umgesetzt werden können. Die Grafik zeigt, welche Strecken betroffen sind.
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Kostenexplosionen und Verzögerungen: Für viele fest zugesagte Bahnprojekte fehlt das Geld. Kaum ein großes Bauvorhaben erfüllt den Plan. Zehn Beispiele.
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Fotostrecken Wirtschaft
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Doch das Bahn-Management scheine auf dem Serviceauge blind zu sein, sagt Bieck. Denn trotz aller Ankündigungen, mehr für die Reisenden tun zu wollen und die vielen Mängel zu beseitigen, seien weitere Einschnitte gerade bei den Dienstleistungen vorgesehen.
Rote Mütze – das muss ein Eisenbahner sein.
Foto: Bloomberg/ADAM BERRY
Rote Mütze – das muss ein Eisenbahner sein.
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Unter anderem plant die Deutsche Bahn in ihren Reisezentren bis 2016 einen Abbau von rund 700 Arbeitsplätzen. Die Grundreinigung der ICE-Züge soll künftig seltener erfolgen. Davon könnten 150 weitere Mitarbeiter betroffen sein, befürchtet Bieck. Schließlich erwäge der Konzern auch die Arbeit des Aufsichtspersonals – zum Beispiel auf den Bahnsteigen – auf den Prüfstand zu stellen. „Wenn ich so etwas höre, dann schrillen bei mir sofort die Alarmglocken. „Dann sind in der Folge nämlich meistens weitere Arbeitsplätze gefährdet. “
Mehr Kontrolle
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will die Deutsche Bahn (DB) künftig stärker kontrollieren.
Die DB soll nicht mehr allein über Preise für die Nutzung ihres Schienennetzes entscheiden dürfen. Trassenpreise, die das bundeseigene Unternehmen von Wettbewerbern verlangt, seien künftig von der Bundesnetzagentur zu genehmigen, heißt es. Dafür müsse die Bahn ihre Kostenkalkulation den Kontrolleuren offenlegen.
So vorzugehen, sei aber der falsche Weg. „Wir brauchen nicht weniger Servicepersonal, sondern mehr“, sagt Bieck. Um das den Managern klar zu machen, will die EVG nun mit Hilfe ihrer Mitglieder bei der Deutschen Bahn und ihren Wettbewerbern Service-Schlampereien aufdecken, sammeln und den Bahnchefs auf den Tisch legen.
„Die Eisenbahner können nicht nur am besten sehen wo es hakt, sie sind oftmals auch Leidtragende und bekommen den Frust der Kunden als erste ab“, sagt der EVG-Vorstand. Etwa, wenn sich in einem der Reisezentren mal wieder eine lange Schlange gebildet hat: „Dann sind die Kunden zu recht oft ungehalten“, berichtet ein Mitarbeiter.
„Wir haben wirklich viel zu tun, denn bei uns konzentriert sich die Dienstleistung quasi: Wir verkaufen Tickets, nehmen Beschwerden an und helfen Kunden, die mit ihrem elektronischen Ticket nicht klar kommen.“ Niemand könne deshalb verstehen, dass ausgerechnet bei dieser wichtigen Arbeit 700 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen.
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