Seit gestern herrscht nun auch in Deutschland Rezessionsalarm. Die Stimmung in der hiesigen Wirtschaft hat sich im Juli stark eingetrübt. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts sank von 101,2 im Juni auf 97,5 Punkte, den tiefsten Stand seit September 2005.
Die Unternehmen seien mit ihrer aktuellen Lage spürbar weniger zufrieden und schätzten zudem die Entwicklung in den nächsten sechs Monaten wesentlich zurückhaltender ein, erklärt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. "Diese Ergebnisse legen nahe, dass der konjunkturelle Aufschwung zu Ende geht." Unter Ökonomen dreht sich nun alles um das R-Wort. Einige halten eine Rezession für wahrscheinlich.
Der Ifo-Geschäftsklimaindex beruht auf rund 7000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes sowie des Groß- und Einzelhandels. Die Firmen werden gebeten, ihre derzeitige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate mitzuteilen. Sie können ihre Lage mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" und die Erwartungen als "günstiger", "gleich bleibend" oder "ungünstiger" kennzeichnen. Aus diesen Angaben werden die Indizes für Lage, Erwartungen und Geschäftsklima ermittelt. Der Einkaufsmanagerindex (EMI) für die Eurozone basiert auf einer monatlichen Umfrage unter 5000 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Er wird von Markit Economics für die Royal Bank of Scotland (RBS) ermittelt und gibt deutlich früher als offizielle Statistiken Auskunft über die Konjunkturentwicklung. Gesammelt werden Antworten über "harte Fakten" wie Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung und Preise. Gefragt wird etwa, ob die Produktion höher, gleich oder niedriger als vor einem Monat ist. Der EMI wird auch für einzelne Länder ermittelt, darunter Deutschland.
Der Einbruch der Geschäftserwartungen deutet für den Dekabank-Experten Andreas Scheuerle darauf hin, dass die Unternehmen mittlerweile daran zweifeln, dass ihre Auftragsbestände ausreichen, um die Konjunkturdelle zu überstehen. "Zu schwach sind die Perspektiven für die inländischen wie auch die ausländischen Absatzmärkte, zu groß die kostenseitigen Belastungen, als dass die Unternehmen durch das Konjunkturtal hindurchblicken könnten."
Dass aus der Talfahrt eine technische Rezession wird, sei nicht auszuschließen. Davon sprechen Volkswirte, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwei Quartale in Folge gegenüber dem jeweiligen Vorquartal schrumpft. Dass das BIP von April bis Juni gesunken ist, gilt als ausgemachte Sache. Für das dritte Quartal erwarten die meisten nur noch ein Mini-Wachstum. Scheuerle ist pessimistischer und rechnet gar mit Stagnation, sagt aber, es gehöre nicht viel dazu, dass auch dies negativ wird.
"Der Aufschwung ist zu Ende"
Für Gerd Hassel von der BHF-Bank ist das sogar wahrscheinlich. Der Volkswirt geht davon aus, dass das BIP im laufenden Quartal erneut schrumpft, um zwar um ein Viertel Prozent.
"Der Aufschwung ist zu Ende", sagt Ifo-Experte Klaus Abberger, "aber eine Rezession sehen wir im Moment nicht". Er räumt aber ein, dass das BIP im dritten Quartal leicht im Minus sein könnte - technisch eine Rezession. Dies findet er aber "recht unspannend". Ein wichtiger Bestimmungsgrund für eine Rezession ist für Abberger, wenn es am Arbeitsmarkt kräftig bergab geht. Doch noch werde Beschäftigung aufgebaut.
Allerdings fiel das Beschäftigungsplus in Deutschland nach dem vorläufigen RBS/Markit-Einkaufsmanagerindex im Juli so niedrig aus wie zuletzt im Oktober 2006. In der Eurozone wurde sogar erstmals seit drei Jahren ein Abbau registriert. Immer mehr Firmen wollen ihre Beschäftigtenzahl senken, sagt Jacques Cailloux, der Euroland-Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland. "Dies ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Arbeitslosenzahlen bald wieder steigen werden."
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